MSCI USA, MSCI Kenya, MSCI Jamaica und Performance Chasing

MSCI USA bzw. S&P 500 sind unschlagbar? Von wegen. MSCI Jamaica oder MSCI Kenya schaffen das schon 10-15 Jahre. Oder ist das Performance Chasing?

Führt an MSCI USA oder S&P 500 wirklich nichts vorbei? Die sind doch das Maß aller Dinge. Da braucht Du doch nichts anderes, oder? Und wenn ich Dir jetzt stattdessen den MSCI Kenya oder den MSCI Jamaica vorschlage?

Wie? Du hast noch nie daran gedacht, in den MSCI Kenya oder den MSCI Jamaica zu investieren? Okay. Ich auch nicht. Aber warum eigentlich nicht? Vielleicht war es ja ein Fehler…

Ich höre bereits den Aufschrei der Entrüstung. MSCI Kenya und MSCI Jamaica können doch wohl kaum eine Alternative für MSCI USA bzw. S&P 500 sein.

Jamaica klingt ja noch irgendwie cool. Da denkt man an Urlaub, tolle Strände und Gras. Aber Kenya? Renditechnisch kann das doch nichts bringen. Der S&P 500 ist schwer zu schlagen und mit so dubiosen Indexen kann das doch nichts werden.

Okay. Wenn man sich die Portfolios ansieht, die Anleger in sozialen Netzwerken präsentieren, dann ist da schon was dran. Mit den meisten lässt sich der S&P 500 wohl langfristig wirklich nicht schlagen.

Dabei darf ich jetzt aber auch ruhig etwas selbstkritisch sein. Mein eigenes Portfolio läuft dem S&P 500 die letzten Jahre auch hinterher. Bei einem Fokus auf Faktoren ist das aber auch absolut normal.

Bei mir liegt der Schwerpunkt vor allem auf Small Caps und Value-Werten. Historisch spricht vieles dafür, doch die letzten 10 Jahre liefen eben gerade Small Caps und Value-Werte relativ schlecht und insbesondere amerikanische Large Caps sehr hervorragend.

Oft liest Du heutzutage daher den Ratschlag, Anleger sollten vor allem in den Leitindindex der USA investieren, also den S&P 500 oder den MSCI USA. Man bräuchte nichts anderes.

Doch brauchst Du wirklich keine anderen Indexe im Portfolio? Ist das nicht in Wahrheit Performance Chasing? Ist der S&P 500 wirklich so schwer zu schlagen?

Und was hat das denn jetzt mit dem MSCI Kenya oder dem MSCI Jamaica zu tun? Diese beiden Indexe sind doch wohl keine ernstzunehmende Konkurrenz für S&P 500 oder MSCI USA? Meinst Du? Dann warte ab…

MSCI USA, MSCI Kenya und MSCI Japan im direkten Vergleich

Vielleicht glaubst Du mir nicht, aber sowohl der MSCI Kenya als auch der MSCI Jamaica haben den US-Markt in den letzten 10-15 Jahren an der Börse hinter sich gelassen.

Um das mit Hilfe der MSCI-Daten gut vergleichen zu können, ziehe ich statt dem S&P 500 den MSCI USA heran. Die beiden US-Indexe kleben bei ihrer Performance dicht aneinander. Es ist im Prinzip egal, welchen davon man verwendet.

Der MSCI USA hat es laut MSCI-Broschüre im Zeitraum von Januar 2005 bis Januar 2020 auf eine kumulierte Index-Performance von 344,95% (net return) gebracht. Na, das soll mal einer schlagen.

Tja. Der MSCI Kenya brachte es laut MSCI-Angaben im gleichen Zeitraum auf stolze 623,23% (net return). Beim MSCI Jamaica sind es demnach zwar “nur” 572,79% (net return), doch hier ist der beobachtete Zeitraum kürzer (November 2008-Januar 2020).

Schaut man sich die durchschnittliche jährliche Index-Performance der letzten 10 Jahre an, dann stehen den 13,28% (net return) des MSCI USA dabei fette 13,96% (net return) beim MSCI Kenya gegenüber.

Wenn Du den Vorsprung des MSCI Kenya von 0,68% pro Jahr vor dem MSCI USA beeindruckend findest, dürfte Dich der MSCI Jamaica umhauen. Dieser brachte es die letzten 10 Jahre auf eine durchschnittliche jährliche Index-Performance von sensationellen 21,99% (net return).

jährl. Ø-Rendite1 Jahr3 Jahre5 Jahre10 Jahre
MSCI USA21,17%13,92%11,63%13,28%
MSCI Kenya29,87%24,63%7,27%13,96%
MSCI Jamaica28,12%33,25%41,33%21,99%

Schau dir die Zahlen in der Tabelle an. Hältst du den S&P 500 bzw. den MSCI USA immer noch für unschlagbar? Mal ehrlich. Hattest Du den MSCI Jamaica oder den MSCI Kenya für die letzten 10-15 Jahre auf dem Schirm?

Ist das ein Geheimtipp? Was sollte man tun? Jetzt dann doch Mal schnell alles von einem ETF auf den S&P 500 in ETFs auf den MSCI Kenya und MSCI Jamaica umschichten?

Natürlich nicht. Erstens, gibt es meines Wissens noch keinen ETF auf die beiden Indexe. Zweitens, wäre es auch dann wohl keine gute Idee, denn jeder der Indexe beinhaltet gerade einmal 3 Aktienwerte.

Klar könnte man jetzt überlegen, die Aktien einfach selbst zu kaufen. Die paar Aktien direkt zu erwerben ist ja kein Problem. Doch wäre das eine gute Idee? Es wäre schließlich einfach Performance Chasing.

Und darum ging es mir hier eigentlich. Reicht der S&P 500 wirklich? Braucht es tatsächlich nichts anderes? Ist es nach 10-15 guten Jahren nicht auch irgendwie Performance Chasing, wenn Du jetzt denkst, nur auf S&P 500 oder MSCI USA setzen zu müssen?

Was ist Performance Chasing?

Performance Chasing – den guten Ergebnissen hinterher jagen

Performance Chasing bedeutet wörtlich zunächst einfach, den guten Leistungen oder Ergebnissen der näheren Vergangenheit hinterher zu jagen. Das klingt erst einmal harmlos.

Klar. Wer orientiert sich nicht lieber an dem, was erfolgreich ist und unter Beweis gestellt hat, dass es funktioniert? In vielen Bereichen im Leben ist das ein guter und erfolgversprechender Ansatz.

Für die langfristige Geldanlage ist Performance Chasing aber leider keine gute Idee. Verschiedene Anlageklassen, Regionen oder Sektoren durchlaufen unterschiedliche Phasen.

Es gibt Phasen, da sehen Technologie-Aktien toll aus. Der Nasdaq 100 hat auch gerade einen Lauf. Das ändert sich aber immer wieder. Mal sind es die Technologie-Werte, dann ein paar Jahre die Substanzwerte und dann vielleicht Anleihen oder Gold. So war es zumindest in der Vergangenheit.

Aktienwerten oder Anlageklassen nachzujagen, die die letzten paar Jahre gut liefen, ist gefährlich. Das lehrt zumindest die Geschichte. Die Wahrscheinlichkeit ist dann recht hoch, dass Du auf ein Pferd setzt, das bald am Ende seiner Kräfte angelangt ist.

Im ungünstigsten Fall tritt dies rasch mit einem Crash ein. Aber auch wenn nicht. Sobald die vermeintlich überlegene Anlageklasse sich längere Zeit nur unterdurchschnittlich entwickelt, schichtest Du dann wahrscheinlich in Anlageklassen um, die Dir vielversprechender erscheinen.

Nehmen wir an, es geht erst einmal ein paar Jahre gut, bevor Du Dich neu orientieren musst. Doch auch bei der Neuausrichtung Deines Portfolios lässt Du Dich dann sicher wieder von der Entwicklung der letzten Jahre leiten.

Sprich: Du betreibst auch dann wieder Performance Chasing. Das Spiel beginnt erneut. Auf diese Weise hechelst Du dem Markt immer hinterher. Wenn du schnell bist und Glück hast, nimmst Du vielleicht noch ein paar Jahre gute Performance mit, bevor es dann kippt.

Ein Marktsegment ist eine Weile unauffällig. Dann hat es einen Lauf. Nach und nach bekommen es alle mit und allmählich wird der neue Trend für mehr und mehr Anleger interessant. Dann ist der Zug aber eigentlich schon abgefahren.

Warum das Prinzip bei Performance Chasing und Crash-Propheten sich ähnelt

Immer wieder liest du, dass Anleger an dieser oder jener Anlageklasse jetzt nicht mehr vorbeikommen. Mal sind es Eisenbahnunternehmen, bestimmte Rohstoffe, Aktien aus Japan oder Internet- und Telekommunikationsunternehmen, die die Gier der Anleger beflügeln.

Typisch dafür ist auch eine Mentalität, die suggeriert, dass heute alles anders ist und es für die Zukunft nichts anderes, als diese Anlageklassen mehr bräuchte.

Das Prinzip beim Performance Chasing ist so ähnlich wie das der Crash-Propheten, die Dir erklären, warum dieses Mal alles anders wird und die Märkte sich nie wieder erholen werden. Es ist im Prinzip das Selbe, nur umgekehrt.

Was daran auch schwierig ist. Performance Chasing wird sich oft richtig und gut anfühlen. Ein paar Jahre bist Du damit vielleicht oben dabei, ob mit Index oder Einzelaktien. Vielleicht schlägt Du sogar mit Einzelaktien den Index.

Das Problem: ein, zwei Jahre hervorragende Performance bringen Dir nichts, wenn es danach stagniert. Es ist besser, nie der Gewinner zu sein, solange man dafür nie bei den Verlierern dabei ist. Vorhersagen funktionieren bei der Geldanlage einfach nicht, ganz egal ob im positiven Sinne oder beim Crash.

Wer vor ein paar Jahren auf die Idee kam, mit den FAANG-Aktien den Index schlagen zu wollen, hatte damit keine schlechten Karten. Doch langfristig klappt das vermutlich nicht und das Risiko ist recht hoch.

Was bei Performance Chasing historisch schief ging

Beispiel 1 – die Fifty Nifty

Was heute die FAANG-Aktien bzw. wohl besser die Dow Jones Global Titans sind, waren in den 60er und 70er Jahren die Nifty Fifty. Dabei handelte es sich gleich um die 50 größten US-Unternehmen.

Viele waren damals der Meinung, ein Anleger bräuchte nichts anderes als diese Einzelwerte. Die 50 Growth-Aktien der Nifty Fifty, so dachte man, wären derart große und solide Unternehmen, dass ein Buy and Hold-Anleger nichts weiter für die Ewigkeit benötigt.

Spätestens seit dem Bärenmarkt von 1973-1974 zeigte sich aber, dass diese Annahme falsch war. Die Nifty Fifty, die zuvor die Performance der US-Aktienmärkte befeuert hatten, wurden besonders hart getroffen und blieben auch in der Folge hinter der Performance des S&P 500 zurück.

Beispiel 2- Die Japan-Krise

In den 70er und 80er Jahren gaben es einen technologischen Boom in Japan, von dem japanische Werte enorm profitierten. Ähnlich wie heute, waren die Leitzinsen niedrig und die Wirtschaft auf der Insel brummte.

Viele Anleger hielten es daher für eine gute Idee, Japan überzugewichten. Wie sich herausstellte, war es das leider nicht. Nach dem steilen Anstieg des Nikkei 225, der seit den 50er Jahren angehalten hatte, kam 1990 der große Crash. Von diesem hat sich der Index bis heute nicht wieder erholt.

Beispiel 3 – Die Dotcom-Blase

Die Dotcom-Blase dürfte einigen noch gut in Erinnerung sein. Das weltweite Internet (www) veränderte natürlich alles und es gab Ende der 1990er Jahre einen großen Run auf Firmen, die mit Internetdiensten zu tun hatten.

Der Nasdaq Composite-Index legte dabei in wenigen Jahren massiv zu. Anleger schichten im S&P 500 bzw. MSCI USA massiv in Internetunternehmen um. Der Nasdaq Composite fiel aber von 2000-2002 um 78% gegenüber seines Höchststandes. Viel drastischer kann man die Auswirkung von Performance Chasing wohl nicht verdeutlichen.

Fazit – An Diversifikation führt kein Weg vorbei

Nein. Der S&P 500 ist natürlich schlagbar. Wer die letzten 10-15 Jahre in den MSCI Kenya oder MSCI Jamaica investiert hätte, dem wäre dieses Kunststück gelungen.

Das ist nun aber kein Grund, jetzt damit anzufangen, in diese beiden Märkte zu investieren. Ebenso wenig würde ich jetzt alleinig auf den S&P 500 setzen. Dazu zeigt das Beispiel Japan zu eindrücklich, was passieren kann.

MSCI USA, MSCI Kenya oder MSCI Jamaica? Welcher Index hebt als Nächstes ab? Achtung, Performance Chasing...

Klar. Der S&P 500 ist kein schlechter Index und hat historisch oft über lange Zeiträume überzeugt. Es gab aber auch lang anhaltende Phasen, in denen er gar nicht abhob.

Dazu zählt zum Beispiel der Zeitraum 2000 bis 2009, der auch als verlorenes Jahrzehnt (“Lost Decade”) bekannt ist. Die durchschnittliche jährliche Rendite des S&P 500 in diesem Zeitraum betrug gerade einmal -0,9%. So etwas kann sich auch in Zukunft wiederholen.

Für mich führt daher an einer breiten Diversifikation über unterschiedliche Regionen und Anlageklassen daher kein Weg vorbei. Okay. Damit bist Du sehr wahrscheinlich nie ganz oben dabei.

Es geht aber nicht darum, immer die allerbeste Performance zu haben. Ein Platz unter den Top Ten, dafür aber konstant und ohne viel Risiko, reicht um langfristig ganz oben zu stehen.

Auf der Kurzstrecke werde ich mit einem breit diversifizierten Portfolio eher nicht zu den Gewinnern gehören. Mir ist es aber viel wichtiger, auf der Langstrecke möglichst selten bei den Verlierern zu sein. Eine Langstrecke gewinnt man nicht durch Sprints am Anfang, sondern durch Einteilung der Kräfte.

Ohne Performance Chasing fehlt vielleicht der vorübergehende Glamour-Effekt, doch das ist mir egal. Mir ist die Langstrecke wichtiger. MSCI USA oder S&P 500 spielen da natürlich auch eine Rolle, aber eben als Teil eines Teams, das mehrere Anlageklassen und Regionen enthält. Eine langfristige Orientierung ist mir bei der Geldanlage wichtig. Und wie hältst Du es damit?

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