2 ETFs als Altersvorsorge: der DIY-Target Date Fonds

Abbildung einer Bruchbude als Symbol für Altersarmut. Wie Du mit 2 ETFs als Altersvorsorge einen DIY-Target Date Fonds bzw. Zielfonds mit Vanguard-ETFs nachbaust.

In diesem Artikel stelle ich Dir ein Portfolio mit 2 ETFs als Altersvorsorge vor. Was Du in diesem Artikel erfährst:
– Wie gelingt Dir mit 2 ETFs sowohl der Vermögensaufbau als auch die Altersvorsorge?

– Was ist ein Target Date Fonds bzw. Zielfonds?
– Wie kannst Du Dir mit 2 ETFs Deinen eigenen DIY-Target Date Fonds nachbilden?

Bist Du in Eile? Dann springe doch gleich zum Fazit.

Video-Teaser: 2 ETFs als Altersvorsorge: der DIY Target Date Fonds

3 Probleme, die Dich von der privaten Altersvorsorge abhalten

Über Altersvorsorge wird nicht geredet und nichts dagegen getan

Neben Geld ist die private Altersvorsorge wohl eine der Sachen, über die man in Deutschland nicht gerne spricht. Anders natürlich die staatliche Rente.

Über die schimpft man doch gerne und das hat fast genauso einen Kultstatus wie die Beschwerden über die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn.

Die Bilder notleidender Rentner sind präsent und erwecken gleichsam Mitgefühl und Angst vor Altersarmut. Kannst Du Dich auf die gesetzliche Rentenversicherung noch verlassen?

Lauter sind die Klagen an Deutschlands digitalen Stammtischen, also bei Facebook & Co. Kritik an den halbherzigen Rentenreformplänen, zieht sich als Konstante durch fast alle politischen Lager.

Auf die staatliche Rente zu vertrauen ist leider ähnlich riskant, wie an der Börse nicht zu diversifizieren. Bei Renteneintritt dürfte es daher bei vielen zu einem bösen Erwachen kommen.

Um es mit Warren Buffet zu sagen: “Bei Ebbe sieht man, wer ohne Badehose im Wasser steht.” Nacktbaden hat in Deutschland bekanntlich eine große Tradition und das leider auch bei der Altersvorsorge.

2 ETFs als Altersvorsorge als Gegenmittel für Altersarmut? Wie Du mit Vanguard-ETFs einen Target Date Fonds bzw. Zielfonds nachbilden kannst.
Im Alter kein ordentliches Dach über dem Kopf? Keine schöne Vorstellung.

Ich halte fest: auch wenn gerne über die staatliche Rente geschimpft wird, über die private Altersvorsorge wird trotzdem nur ungern geredet. Nicht nur das. Viele sorgen leider gar nicht privat fürs Alter vor.

Immerhin. Viele Arbeitnehmer können zusätzlich auf eine betriebliche Altersvorsorge zurückgreifen. Das ist eine gute Sache. Doch reicht das schon, um die Rentenlücke zu schließen?

Meist leider nicht. Das System sieht eben vor, dass zusätzlich zur gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge als dritte Säule die private Altersvorsorge erfolgt.

Private Altersvorsorge ist extrem unbeliebt

Auch wenn die private Altersvorsorge für die meisten unabdingbar ist, unternimmt kaum jemand etwas in diese Richtung. Die private Altersvorsorge ist extrem unbeliebt.

Bei der immer unbeliebteren Riester- oder Rürup-Rente kann ich es sogar verstehen, denn die meisten Riester- und Rürup-Produkte sind wirklich nicht so ohne.

Zinsen sind niedrig, die Gebühren hoch und nur wenige Angebote setzen auf Aktienwerte. Falls doch, dann kommen vorwiegend teure aktiv gemanagte Fonds zum Einsatz.

Gibt es dann doch einmal ein Angebot, dass sogar kostengünstige ETFs oder Indexfonds verwendet, findet sich ein anderer Haken.

So hast Du da oft keine Sicherheit, dass Dein Geld in Ruhe am Kapitalmarkt arbeiten darf, wie zuletzt gesehen bei Kunden mit einem fairr-Riester-Vertrag der Sutorbank.

Schuld daran ist die verpflichtende Beitragsgarantie solcher Verträge. Sie ist eigentlich gut gemeint und sichert Anlegern zu, dass sie zum Renteneintritt wenigstens die eingezahlten Prämien sowie alle staatliche Zulagen erhalten.

So eine Versicherung ist teuer und im Fall eines Crashs kann sie leider dazu führen, dass gerade kleinere Anbieter kalte Füße bekommen und die Aktienwerte pro-zyklisch in sicherere Anlageklassen umschichten.

Altersvorsorge interessiert junge Anleger generell nicht

Ein weiteres Problem ist, dass viele junge Anleger sich gar nicht für die Altersvorsorge interessieren. Sie schieben sie auf die lange Bank und interessieren sich meist erst dann dafür, wenn es langsam eng wird.

Klingt Altersvorsorge zu sehr nach Alter, bzw. nach Gruft oder Tod? Das Ganze ist doch noch so weit weg. Da ist doch später noch Zeit, oder?

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass zunächst einmal andere finanzielle Ziele im Vordergrund stehen, wie zum der Wunsch nach einem Eigenheim.

Andererseits erfordern die oben genannten Riester- und Rürup-Verträge natürlich auch, dass Du Dich und Dein Geld sehr langfristig und verbindlich festlegst.

Das hat irgendwie etwas endgültiges. Das Geld steht Dir ja erst mit Renteneintritt zur Verfügung und das schreckt wohl viele, verständlicher Weise, ab.

Doch aufpassen! Die Aufschieberitis kommt Dich teuer zu stehen, denn – Zinseszins sei dank – ist es viel einfacher, die Rentenlücke zu schließen, wenn du früh damit beginnst. Hier gilt: je früher, umso geringer die monatliche Belastung.

Die Lösung: 2 ETFs als Altersvorsorge

Flexibel dank der 2 ETFs als Altersvorsorge

Das minimalistische Portfolio der 2 ETFs als Altersvorsoge, das ich Dir heute vorstelle, ist ein echter All-Rounder und extrem flexibel.

Wäre das nicht was? Eine simple Anlagestrategie für alle Lebenslagen? Mit dem 2-ETF-Portfolio, kannst Du sowohl Deinen privaten Vermögensaufbau vorantreiben als auch fürs Alter vorsorgen.

Das heißt, das Portfolio ist nicht nur etwas für die Rente in ferner Zukunft, sondern Du kannst es, ganz flexibel, auch in Teilen oder vollständig für eine Immobilienanschaffung oder dergleichen nutzen.

Die 2 ETFs als Altersvorsorge sind also nicht nur etwas fürs Alter, sondern auch fürs Leben. Und “fürs Leben” kann natürlich auch ein sehr junges Leben meinen.

Toll finde ich es, wenn Eltern bereits anfangen, den Grundstock für die private Altersvorsorge im Junior-Depot zu legen.

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2 ETFs als Altersvorsorge: der DIY-Target Date Fonds 1

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Die zeitliche Flexibilität ist auch für alle wichtig, die dem FIRE-Ansatz (Financially Independent, Retire Early) folgen.

Bei diesem Ansatz, der auf Deutsch in etwa “finanziell unabhängig und früh in Rente” bedeutet, wollen Anleger ja gerade nicht bis zum Eintritt des Rentenalters warten.

Die Flexibilität hat natürlich auch ihren Preis. So bieten Dir die 2 ETFs als Altersvorsorge nicht die Sicherheit eines Riester-Versicherungsmantels. Sie müssten im Falle von Hartz IV voll angerechnet werden, sofern Du den Vermögensfreibetrag überschreitest.

Da ein simples Portfolio mit 2 ETFs ohne teuren Versicherungsmantel auskommt, ist es im Gegenzug sehr günstig, flexibel und Du kannst an der vollen Entwicklung der Kapitalmärkte teilhaben.

Noch dazu ist es sehr einfach umzusetzen. Die ersten Jahre brauchst Du vermutlich nur einen ETF und später kommt dann einfach ein zweiter dazu. Jährlich rebalancen und das war’s.

Vorbild für das Portfolio der 2 ETFs als Altersvorsorge sind die in den USA für die private Altersvorsorge zurecht sehr beliebten Target Date Fonds.

Was sind Target Date Fonds bzw. Zielfonds?

Target Date Fonds, auf Deutsch Zielfonds, sind Mischfonds bzw. Dachfonds, die ihre Asset-Allokation zeitlich auf ein bestimmtes Zieldatum hin ausrichten.

Bis zu einem Stichtag (Target Date), der oft der Eintritt ins Rentenalter des Anlegers ist, wird allmählich vom risikobehafteten Anteil des Portfolios, entweder ganz oder teilweise, in sicherere Anlageklassen umgeschichtet.

Du musst Dich als Anleger dabei also nicht selbst darum kümmern, dass Du bei der Geldanlage allmählich den Fuß vom Gaspedal nimmst.

Dabei folgt der Target Date Fonds einem im Vorhinein festgelegten Pfad, dem sogenannten Glide Path oder Gleitpfad. Gerade bei diesem  Gleitpfad gibt es zwischen verschiedenen Zielfonds größere Unterschiede.

Grob  zusammengefasst: die meisten Target Date Fonds beginnen bei jungen Anlegern mit einem hohen Aktienanteil. Das macht auch Sinn.

Junge Anleger haben ja noch einen ausreichend langen Anlagehorizont, um größere Schwankungen an der Börse einfach auszusitzen. 

Bei der Startallokation, dem Mischungsverhältnis von risikobehafteten und risikoärmeren Anlageklassen in jungen Jahren, unterscheiden sich Target Date Fonds bereits.

Bis zum Erreichen des Zieldatums lassen sich vor allem 3 Vorgehensweisen der Zielfonds unterscheiden:

  1. manche Zielfonds schichten bis zum Zieldatum vollständig in risikoärmere Anlageklassen wie Anleihen um.
  2. Andere Zielfonds erreichen ein bestimmtes Mischungsverhältnis, das dauerhaft aufrecht erhalten wird.
  3. Wieder andere Zielfonds haben zum Zieldatum bereits eine höhere Beimischung risikoärmere Anlageklassen, die in der Folge aber noch geringfügig weiter reduziert wird.

Das heißt, die meisten Target Date Fonds habe bis zum Zieldatum zumindest ungefähr ihre endgültige Assetallokation, die Zielallokation, erreicht.

Beim Fidelity Target™ 2040 (Euro) Fund A-ACC-EUR mit dem Zieldatum 2040 entfallen zum Beispiel, laut Prospekt, am Anfang “100 % des Fondsvermögens auf risikoreiche Assets wie Aktien.”

Sobald das Zieldatum erreicht ist, sollen diese jedoch in 100% Barguthaben umgeschichtet sein. Die TER des aktiv gemanagten Fidelity Target Fonds beträgt 1,94% p.a.

Anders als in den USA gibt es in Deutschland bisher nur wenige Angebote für Target Date Fonds. Die, die ich mir angesehen habe, gefielen mir weder von den Kosten noch von der Konstruktion.

Manche Robo Advisor bieten zwar auch etwas ähnliches an, aber auch dort sind natürlich zusätzliche Kosten damit verbunden, welche die Rendite unnötig schmälern.

Was also tun? Das brachte mich auf die Idee für diesen Artikel. Klar. Mit einem einzigen ETF ist es leider nicht getan. Doch kannst Du nicht mit 2 ETFs bereits einen DIY-Target Date Fonds nachbilden?

Der DIY-Target Date Fonds: 2 ETFs als Altersvorsorge und fürs Leben

Der Gleitpfad der Vanguard Target Date Fonds

Ausgangsbasis für meinen DIY-Target Date Fonds ist der Ansatz der Vanguard Target Date Fonds in den USA. Herzstück dieser ETFs ist ihr Gleitpfad, der ganz grob diesem Schema folgt:

Alter des Anlegersbis 4045505560657072-
Vanguard Total Stock Mkt Idx Inv53%50%45%40,5%36%30%22%18%
Vanguard Total Intl Stock Index Inv37%33%30%27,5%24,5%20,5%14,5%12,5%
Vanguard Total Bond Market II Idx Inv7%12%17%22,5%28%29,5%35%37,5%
Vanguard Total Intl Bd Idx Investor3%5%7%9,5%11,5%12,5%15%15,5%
Vanguard Shrt-Term Infl-Prot Sec Idx Inv0%0%0%0%0%7,5%13,516,5%
Morningstar-Daten der aktuellen Holdings der entsprechenden Vanguard Target Date Fonds; Angaben ohne Gewähr.

Wie Du hier gut erkennen kannst, bist Du bei einem Vanguard Zielfonds anfänglich zu 90% in Aktien und 10% in Anleihen investiert.

Mit der Zeit wandelt sich das Bild. Ist die endgültige Zielallokation erreicht, stecken 70% Deines Kapitals in Anleihen und nur noch 30% in Aktien.

Vorteile und Nachteile der Target Date Fonds werden hier deutlich. Die Umschichtungen erfolgen mittels Autopilot und Du musst Dich um nichts mehr kümmern.

Dafür bist Du beim Mischungsverhältnis leider nicht sehr flexibel. Du bist an den Gleitpfad des Zielfonds gebunden. Anders schaut dies natürlich aus, wenn Du Dir Deinen eigenen Zielfonds selbst zusammenstellst.

Die 2 ETFs für den DIY-Target Date Fonds mit über 8.000 Einzelwerten

Um den DIY-Target Date Fonds zu erstellen, setze ich auf folgende zwei ETFs: den Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF und den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF.

Beide ETFs sind kostengünstig und stark diversifiziert. Mit diesen beiden ETFs investierst Du laut extraETF-Daten aktuell in 8.073 Einzelwerte die sich auf Aktien und Anleihen aus 47 verschiedenen Industrie- und Schwellenländern verteilen.

Beide gibt es sowohl in einer ausschüttenden und thesaurierenden Variante. Für den Zweck der Altersvorsorge ist die thesaurierende Variante am beliebtesten.

Thesaurierende ETFs haben immer noch einen geringen steuerlichen Vorteil und die Wiederanlage erfolgt automatisch. Ausschüttende ETFs haben dafür einen psychologischen Vorteil. Es ist letztlich Geschmackssache.

Du kannst das Ganze aber auch mit anderen ETFs machen. Die genannten ETFs sind einfach Beispiele, auch wenn es die ETFs sind, die ich dafür nehmen würde (und wir das auch so im Junior-Depot unseres Sohnes umsetzen).

Alternativ könntest Du an Stelle der Vanguard-ETFs, zum Beispiel, auch zwei iShares-ETFs wie den iShares MSCI ACWI UCITS ETF USD (Acc) und den iShares Core Global Aggregate Bond UCITS ETF miteinander kombinieren.

Dies beiden ETFs könntest Du dann bei Trade Republic ab einer Mindestsparsumme von jeweils 25€ langfristig kostenlos besparen.

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Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Acc)

Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF ist ein sehr beliebter ETF und unter Privatanlegern bestens bekannt. Die ausschüttende und thesaurierende Anteilsklasse bringen es gemeinsam auf ein Fondsvolumen von über 4.200 Mio. €.

Das spricht für sich. Mit diesem kostengünstigen ETF, der lediglich eine TER von 0,22% und eine Tracking-Differenz von -0,01% vorweist, können Anleger in etwa 3.400 mittlere und große Unternehmen der Industrie- und Schwellenländer investieren.

Der Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF (Acc)

Der Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF ist ein im Juni 2019 neu aufgelegter ETF, dessen thesaurierende und ausschüttende Anteilsklasse zusammen bereits immerhin ein Fondsvolumen von 122 Mio. € auf die Waage bringen.

Das ist in dieser kurzen Zeit des Bestehens ein erstes Ausrufzeichen! Das war bei Vanguard aber auch nicht anders zu erwarten.

Anleger haben durch dieses Investment-Vehikel Zugang zu 4.673 Anleihen von Regierungen, Unternehmen und Behörden aus Industrie- und Schwellenländern mit Investment-Grade.

Der ETF repliziert den Bloomberg Barclays Global Aggregate Float Adjusted and Scaled Index, der gut 23.500 Investment-Grade-Anleihen von etwa 2.500 Emittenten umfasst.

Der ETF ist außerdem währungsabgesichert und das bei einer TER von 0,10% zu einem äußerst günstigen Preis. Die Tracking-Differenz liegt zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.

Warum setze ich bei diesem langfristig orientierten Portfolio auf einen so jungen ETF? Nun. Für mich handelt es sich beim Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF um das globale Anleihenflagschiff der Vanguard-ETF-Familie.

Eine ETF-Schließung halte ich daher für sehr unwahrscheinlich, zumal der ETF in kürzester Zeit bereits die kritische Schwelle von 100 Mio. € überschritten hat.

In einer etwas defensiveren Ausrichtung kannst Du statt diesem ETF, der das ganze Anleihenspektrum in seiner vollen Breite abbildet, natürlich auch auf einen ETF auf kurzlaufende Staatsanleihen mit hohem Rating (AAA-AA) setzen.

Die Kombination der 2 ETFs und die Zielallokation

Was passiert, wenn Du diese beiden ETFs im gleichen Verhältnis der Zielallokation der Vanguard Target Date Fonds mischst (Aktien 30%/Anleihen 70%)?

Dann ergibt sich ein sehr ähnliches Bild, wie beim Vanguard Target Retirement Income Fund, in den am Ende alle Vanguard Target Date Fonds überführt werden.

Die knapp 10% zusätzlichen Small Caps im Aktienanteil des Vanguard Target Retirement Income Fund sind nach Marktkapitalisierung gewichtet. Sie dürften renditetechnisch kaum ins Gewicht fallen.

Diese 2 ETFs eignen sich, meiner Meinung nach, damit sehr gut, um eine Entsprechung des Vanguard Target Date Fonds nachzubilden.

Mehr noch: wenn Du Dir mit diesen beiden ETFs Deinen eigenen DIY-Target Date Fonds baust, kannst Du die Anfangs- und Zielallokation sowie den Gleitpfad selbst festlegen.

Persönlich stören mich, zum Beispiel, die 10% Anleihen bei jungen Anlegern der Vanguard Target Date Fonds, die bereits von Anfang an im Portfolio sind.

Sie bieten kaum zusätzlichen Schutz vor Schwankungen, zehren aber etwas an der Rendite. Für risikotolerante Anleger würde es doch langen, mit Anleihen im Alter von 40 Jahren zu beginnen.

Ist die Risikotoleranz hingegen gering, nützen die 10% wenig. Dann bietet sich, für mein Empfinden, von Vornherein eine etwas höhere Beimischung an.

Der Gleitpfad für den DIY-Target Date Fonds

Nachdem die Auswahl der 2 ETFs als Altersvorsorge und fürs Leben steht, nun zum Herzstück: dem glide path, bzw. Gleitpfad des DIY-Target Date Fonds.

In der Folge findest Du 3 Beispiele, wie ein solcher Gleitpfad aussehen könnte. Vielleicht sind sie eine Anregung für Dich, falls Du vorhast, Dir einen eigenen DIY-Target Date Fonds zusammenzustellen.

Für den Gleitpfad solltest Du Dir auf jeden Fall etwas Zeit nehmen, denn er ist entscheidend und legt Dich auf Jahrzehnte hin fest.

Falls Du noch jung bist oder Dein Portfolio gerade erst aufbaust, hast Du natürlich noch Zeit. Dann könntest Du erst einmal in Ruhe mit dem Vanguard FTSE All-World UCITS ETF beginnen.

Die Beispiels-Gleitpfade habe ich hier in 5er Schritten bis zum Alter von 65 Jahren durchgespielt. Dabei hatte ich einen deutschen Rentner im Kopf, der ungefähr zu dieser Zeit in den Ruhestand wechselt.

Für Deine eigenen Überlegungen müsstest Du natürlich von Deinem eigenen Renteintrittsalter ausgehen und Dir überlegen, welchen Depotwert Du bis dahin benötigst.

Als Schätzwert kannst Du von einer jährlichen Entnahme von ca 3,5-4% p.a. ausgehen, solltest aber auf jeden Fall etwas Puffer lassen und an die Steuer denken.

Lege dann die Start- und die Zielallokation fest und überlege Dir, wie Dein Gleitpfad aussehen sollte, um mit Deiner festegelegten Sparrate Dein Ziel zu erreichen.

Bei den Überlegungen für den Gleitpfad, müsstest Du auch berücksichtigen, wie hoch Deine Rendite sein muss, damit Du Dein Ziel bzw. Deine Ziele erreichst.

Für den Vanguard FTSE All-World gehe ich persönlich ganz vorsichtig von einer langfristigen Rendite von 6-7% p.a. (ohne Inflation) aus. Pro 10% Anleihen im Depot nehme ich eine Renditeminderung von ca. 0,5% p.a. an.

Persönlich halte ich es für vertretbar bis zum Alter von 40-45 Jahren ganz auf Anleihen zu verzichten, insbesondere wenn das Portfolio noch nicht so groß und/oder die Risikotoleranz hoch ist.

Hier sollten aber auch weitere Überlegungen in Deine Berechnungen mit einfließen: Sind zwischenzeitlich größere Anschaffungen geplant (z.B. eine Immobilie)?

Was Du dann noch machen musst? Na, natürlich einmal im Jahr rebalancen. Normalerweise stellst Du durch Rebalancing Deine Startallokation einfach wider her.

Hier kannst Du diese Gelegenheit dazu nutzen, das Mischungsverhältnis der beiden ETFs zueinander mit Deinem Gleitpfad abzustimmen und ggf. anzupassen.

3 Beispiel für den Gleitpfad bei den 2 ETFs als Altersvorsorge und fürs Leben

Die folgenden drei Beispielen sind ein paar der vielen Möglichkeiten, wie Du Deinen Gleitpfad entsprechend Deiner Risikotoleranz ausrichten kannst. Wie Du Deine Risikotoleranz ermittelst, erfährst Du hier.

Bei der defensiven Ausrichtung habe ich etwas früher damit begonnen, die Anleihen beizumischen. Bei der moderaten und offensiven Variante kommen sie deutlich später dazu.

Persönlich bevorzuge ich die offensive Variante und das ist auch in etwa der Ansatz, den ich privat verfolge. Allerdings verteilt sich mein Aktienanteil auf mehr als 2 ETFs.

Du musst Dich natürlich auch nicht notwendiger Weise nur auf diese 2 ETFs beschränken. Die 2 ETFs könntest Du, zum Beispiel, sehr gut mit der  Beimischung eines Small Caps-ETF ergänzen.

Ebenso kannst Du einen entsprechenden Gleitpfad auch einfach auf das Portfolio mit über 12.000 Einzelwerten anwenden, das ich Dir vor Kurzem vorgestellt habe.

2 ETFs als Altersvorsorge und fürs Leben: defensiver Gleitpfad

Alterbis 3035404550556065
Aktien-Anteil
Vanguard FTSE All-World
100%90%80%70%60%50%40%30%
Anleihen-Anteil
Vanguard Global Aggregate Bond
0%10%20%30%40%50%60%70%

Mit diesem defensiven Beispiel-Gleitpfad für die 2 ETFs als Altersvorsorge bist Du in jungen Jahren noch zu 100% in Aktien investiert. Am Ende erreichst Du aber die gleiche Zielallokation wie die Vanguard-Zielfonds.

Zeitlich erfolgt der Wechsel allerdings etwas früher, da dieser DIY-Target Date Fonds darauf abzielt, die endgültige Zielallokation zum angenommen Renteneintrittsalter von 65 Jahren zu erreichen.

2 ETFs als Altersvorsorge und fürs Leben: moderater Gleitpfad

Alterbis 404550556065
Aktien-Anteil
Vanguard FTSE All-World
100%90%80%70%60%50%
Anleihen-Anteil
Vanguard Global Aggregate Bond
0%10%20%30%40%50%

Bei diesem moderaten Gleitpfad für die 2 ETFs als Altersvorsorge bist Du zwar noch bis zum Alter von 40 jahren voll in Aktien investiert, gleitest dann aber rasch zu einer moderaten Zielallokation von 50%/50% über.

2 ETFs als Altersvorsorge und fürs Leben: offensiver Gleitpfad

Alterbis 404550556065
Aktien-Anteil
Vanguard FTSE All-World
100%90%85%80%75%70%
Anleihen-Anteil
Vanguard Global Aggregate Bond
0%10%15%20%25%30%

Anders als bei den vorhergehenden beiden Gleitpfaden behältst Du bei dieser eher offensiveren Ausrichtung des DIY-Zielfonds auch langfristig einen hohen Aktienanteil von 70% aufrecht.

Bei welcher Depotbank kannst Du die DIY-Zielfonds gut umsetzen?

Zum Besparen der 2 ETFs als Altersvorsorge für die DIY-Zielfonds empfiehlt sich ein kostenloses Online-Depot. Die Depots von Filialbanken sind leider oft ziemlich teuer.

Noch dazu musst Du damit rechnen, dass Du ständig Beratungsangebote erhältst, bei denen man Dir “bessere” bzw. teurere Lösung vorschlagen wird.

Den Vanguard All-World UCITS ETF haben fast alle bekannten Online-Depotbanken im Programm. Den  Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF gibt es in der thesaurierenden Variante hingegen derzeit nur bei 3 Online-Depots als Sparplan: DKB, flatex, 1822direkt.

Die DKB sehe ich bei den Kosten für den DIY-Zielfonds ganz vorne, nicht nur weil Du die Vanguard-ETFs dort derzeit noch bis 31.12.2020 als Aktions-ETFs besparen kannst.

Der Anbieter flatex hat sich für mich in Deutschland leider durch die gerade eingeführten Depotgebühren disqualifiziert.

2 ETFs als Altersvorsorge: der DIY-Target Date Fonds 3

In der ausschüttenden Variante gibt es die ETFs zusätzlich zu den drei genannten auch bei der Comdirect. Alle Angebote haben ihre Vor- und Nachteile und ein Vergleich lohnt sich sicher.

2 ETFs als Altersvorsorge: der DIY-Target Date Fonds 1

Für Österreicher bietet sich aus Gründen der steuerlichen Einfachheit wohl vor allem flatex an. Die Depotgebühren wurden zunächst nur bei flatex-Deutschland eingeführt.

2 ETFs als Altersvorsorge: der DIY-Target Date Fonds 5

Fazit

Target Date Fonds bzw. Zielfonds sind für mich die bessere Alternative zu fondsgebundenen Rentenversicherungen. Da sie ohne aufwendigen Versicherungsmantel auskommen, sind sie in der Regel kostengünstiger und leichter in der Umsetzung.

Du kannst durch diese Zielfonds direkt an den Renditen des Kapitalmarktes teilhaben. Das Risiko reduziert sich mit fortschreitendem Lebensalter ganz automatisch, bis die endgültige Zielallokation des Portfolios erreicht ist.

Leider sind sie in Deutschland noch nicht so verbreitet wie in den USA, wo sie häufig in der privaten Altersvorsorge zum Einsatz kommen. Dort gibt es daher auch eine große Auswahl an guten und günstigen Target Date Fonds.

Durch Kombination der zwei gezeigten ETFs, dem Vanguard FTSE All-Word UCITS ETF und dem Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF lässt sich ein Target Date Fonds aber auch leicht selbst nachbilden.

Wichtig ist hierbei, dass Du den Gleitpfad definierst. Damit legst Du den Fahrplan fest, wie Du nach und nach den Aktienanteil des Portfolios reduzierst und entsprechend in risikoärmere Anleihen-ETF umschichtest.

Der Ansatz der 2 ETFs als Altersvorsorge bietet Dir dabei viel mehr Flexibilität als ein Target Date Fonds. Du kannst ihn für die Altersvorsorge verwenden oder auch schon früher einsetzen.

Gemäß Deines eigenen Plans kannst Du das DIY-Zielfonds-Portfolio, zum Beispiel, verwenden, um für einen Immobilienerwerb zu sparen oder die selbstfinanzierte, vorgezogene Frührente bzw. den Wechsel in die Altersteilzeit zu vollziehen.

Du kannst ihn außerdem, nach eigenem Ermessen, erweitern. Falls Du zum Beispiel Gold als Stabilitätsanker für wichtig hältst oder gerne auch Small Caps beimischen möchtest, dann ist das kein Problem.

Dass Du nicht bis zu einem vorher definierten Stichtag warten musst, birgt natürlich auch eine gewisse Gefahr. Du könntest Dein Portfolio theoretisch vorzeitig plündern.

Aber vermutlich ist meine Sorge völlig unbegründet. Immerhin hast Du diesen langen Artikel, mit dem ich an der Bloggerparade von extraETF.com zum Thema private Altersvorsorge teilnehme, bis zum Ende gelesen.

Es mangelt Dir also nicht an Durchhaltevermögen und das ist beim Portfolio der 2 ETFs als Altersvorsorge definitiv gefragt.

Es geht hier nicht darum, schnell reich zu werden. Wie beim Langstreckenlauf ist nicht der erfolgreich, der viel zu früh zum Sprint ansetzt oder ständig auf und ab springt. Beharrlichkeit setzt sich langfristig durch

Auf Deine Kommentare und Anregungen zu den DIY-Zielfonds mit den 2 ETFs als Altersvorsorge freue ich mich! Hinterlasse doch gerne eine kurze Nachricht und sag mir, was Du von dem Artikel hältst. Neben Lob und freundlichen Worten sind kritische Anmerkungen ebenfalls willkommen. Sie helfen mir dabei, den Artikel zu verbessern.

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Achtung: Auch bei diesem Artikel gilt: die dargestellten Inhalte geben einfach meine Meinung wieder und sind keine Anlageempfehlungen. Alle Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, aber ich übernehme keine Gewähr für ihre Richtigkeit. Alle Kapitalmarktanlagen haben hohe Risiken, die zum Verlust des eingebrachten Kapitals führen können.

6 Antworten zu “2 ETFs als Altersvorsorge: der DIY-Target Date Fonds”

  1. Hallo Rolf,

    interessant, von Target Date Fonds hatte ich bisher tatsächlich noch nichts gehört. Aber bei den Kosten und der nicht-Verfügbarkeit in Deutschland ist das ja auch nicht weiter schlimm 🙂

    Der Gleitpfad (bzw. die abgeleitete Regel 100(+X)-Lebensalter = Aktienquote) klang zu beginn auch für mich nach einem einleuchtenden und interessanten Konzept. Dann bin ich aber auf die Studie von Rob Arnott von 2012 (The Glidepath Illusion https://www.researchaffiliates.com/content/dam/ra/documents/F_2012_Sep_The_Glidepath_Illusion.pdf) gestoßen.
    Die Quintessence hier ist, dass ein konstantes Portfolio, oder sogar ein inverser Gleitpfad (von geringer zu hoher Aktienquote) insgesamt zu einem höheren Endvermögen bzw. sich daraus ergebenen Entsparraten (und das über alle Percentile hinweg) führt.

    Daraus habe ich für mich dann die Konsequenz gezogen, dass ich mein (Altersvorsorge) Portfolio über die Zeit konstant halte. Ich habe mich für eine Aufteilung 85% Aktien/ETF, 7% Anleihen und 8% Tagesgeld entschieden. Die “geringe” Aktienquote deshalb, weil ich mir nicht sicher war, wie ich auf Verluste reagiere. Die Aufteilung in Cash und Anleihen daher, weil ich über Cash einfacher Rebalancen kann (ich muss nicht verkaufen) und weil ich über Anleihen noch ein fünkchen Rendite bekomme (ich weiß, das ist nicht der Sinn der Anleihen). Wie beim Sequence of Return Risk Artikel von dir bereits geschrieben, peile ich als Zielwert für den risikoarmen Teil etwa 3 Jahresausgaben von mir an. Wenn also mit ca. 55 absehbar wird, dass ich dieses Ziel mit meiner jetzigen Allokation nicht erreiche, dann muss ich dann mit dem absehbaren Horizont neu rechnen und die Aufteilung entsprechend anpassen.

    In die Altersvorsorge gehen fix 15% meines Einkommens und ich plane nicht an dieser Aufteilung etwas zu ändern. Je nachdem, mit welcher Rendite man die FIRE Rechner füttert ergibt sich aus der Sparquote eine Zeit von 30-40 Jahren bis zur finanziellen Unabhängigkeit. Da mir noch 35 Jahre bis zum offiziellen Renteneintritt verbleiben und ich ja auch noch eine staatliche und eine betriebliche Rente bekomme reicht mir das. Geld, das ich jetzt darüber hinaus übrig habe wird einkommensorientiert (angelehnt an Luis Pazos’ Hochdividendenwerte) investiert.

    Bei den Anleihen hat man ja letztlich drei Risikotreiber: Laufzeit, Kreditqualität und Währung. Um die Anleihen wirklich als Sicherheitsanker zu benutzen sollten alle drei minimal sein (0-3 Jahre, AAA-AA-, Heimatwährung). Bei den von dir angesprochenen Aggregate Bonds trifft das aber nur zu relativ kleinen Teilen zu (Laufzeit <30%, Kreditqualität <55%, Währung <25%). Nach der reinen Lehre finde ich die daher als Anker eher ungeeignet.

    1. Lieber Timo,
      Super. Den Artikel zur Glidepath Illusion kannte ich noch gar nicht und werde ihn mir gerne näher ansehen. Dafür, dass er ja doch schon ein paar Jahre alt ist, scheint er bisher aber doch wenig Einfluss gehabt zu haben. Die 100(+x)-Lebensalter-Formel mag ich gar nicht, deshalb habe ich sie hier nicht verwendet. Sie suggeriert ja irgendwie, das alle gleich sind. Tatsächlich ist ja jeder Anleger vollkommen anders. Ja, mit 15% Sparrate und 35 Jahren dürftest Du in der Tat auf der ziemlich sicheren Seite sein. Super. Bei uns ist der Prozentsatz deutlich höher, wir sind aber auch schon dichter dran und haben etwas aufzuholen.

      Persönlich verfolge ich kein reines Einkommensportfolio mit dem Fokus auf Hochdividendenwerte, setze aber auch gerne auf Ausschütter, wie Du weißt. Aufgrund meines Value-Fokus sind die 3,5% bzw. aktuell wohl sogar deutlich mehr, an Ausschüttungen auch sehr nett, werden aber bisher immer schön reinvestiert. Mir hilft das, die Aktienquote sehr entspannt hoch zu lassen.

      Bei den Anleihen hast Du natürlich recht. Sie sind kein reiner Stabilitätsanker. Der Bloomberg Barclays Global Aggregate Float Adjusted and Scaled Index bildet, so wie es der FTSE All-World für Aktien im Large und Mid Caps-Segment tut, die ganze Bandbreite von Anleihen ab. Stabilisierend wirkt das natürlich auch, aber kurzlaufende Euro-Staatsanleihen mit hohem Rating sind da noch eine Schippe defensiver. Das hatte ich so nicht klar formuliert und habe es etwas angepasst. Danke noch einmal für Deinen Kommentar!

    2. Okay. Ich habe den Artikel jetzt überflogen. Für mich sieht das ja ein bisschen wie ein Taschenspielertrick aus. Um das wirklich sauber vergleichen zu können, müsste man die Glide Paths so auf einander abstimmen, dass über die gesamte Laufzeit durchschnittlich gleich viele Assets in Aktien und Anleihen stecken. Das geschieht hier aber nicht. Im einen Fall wird von Aktien/Anleihen 80/20 mit der Zeit in 20/80 umgeschichtet, ganz wie bei einem Target Date Fonds. Im anderen Fall startet man genau umgekehrt wie bei Zielfonds mit 20/80 Aktien/Anleihen und schichtet dann in Aktien um.

      Der Ansatz sieht zwar scheinbar vergleichbar aus, da im Beispiel aber Dollar Cost Averaging praktiziert wird, trügt der Schein. Die monatlichen Sparbeträge bewirken Folgendes: Beim gewöhnlichen Glide Path (Umschichtung von Aktien zu Anleihen) stecken am Anfang, wenn das Portfolio noch klein ist, natürlich geringere Summen in Aktien. Diese können dann auch weniger arbeiten. Beim umgekehrten Glide Path (von Anleihen zu Aktien) sind dann ja am Ende sehr viel größere Summen am Aktienmarkt aktiv. Daraus resultieren die höheren Ergebnisse.

      Im Durchschnitt ist der Aktienanteil über die gesamte Laufzeit dabei halt viel höher und entsprechend ist dann auch die Rendite bei diesem Ansatz höher. Allerdings nehmen die Schwankungen gegen Ende zu. Das ist dann letztlich wieder eine Frage der Risikotoleranz. Klar, wenn Du bereit bist, das Risiko hochzuhalten, sind höhere Renditen drin.

      Wenn Du am Ende das Risiko hochhältst könntest Du ja aber auch gleich von Anfang an den Aktienanteil hoch lassen. Da braucht es diesen unsinnigen inversen Ansatz nicht. Bei der Erhöhung des Anleihenanteils gegen Ende geht es ja nicht um Renditemaximierung, sondern darum, das Risiko zu reduzieren, wenn das Portfolio groß ist und Anleger ggf. Angst bekommen. Gerät ein großes Portfolio in einen Crash, wirken die Verluste ja deutlich bedrohlicher als bei einem kleinen, da die Summen ganz andere sind.

      Im Fazit bestätigt mich der Artikel aber in meiner Auffassung, das junge Anleger (sofern ihre Risikotoleranz da mitmacht), in jungen Jahren möglichst lange einen hohen Aktienanteil halten sollten und dann spät mit den Umschichtungen anfangen. Persönlich habe ich nicht vor, am Ende mehr als 20-30% Anleihen in meinem Portfolio zu haben, aber das ist, wie gesagt, sehr individuell und hängt davon ab, was man aushalten kann.

      1. Ja, der inverse Gleitpfad ist aus Anlegersicht kompletter Humbug! Das ist auch glaube ich mehr aus dramaturgischer sicht (seht her, ich mache das genaue Gegenteil von dem üblicherweise empfohlenen) gewählt worden, nicht als “Strategieempfehlung”.
        Interressant finde ich auch den Vergleich mit nen konstanten 50/50 Portfolio, was ja immer noch besser abschneidet als der Gleitpfad. Es ist klar, dass wer später 80% Aktien verkraftet der sollte das in jungen Jahren erst recht können.

        Der Crash jetzt hat mir mental nichts ausgemacht und solange das so bleibt lasse ich die Quote so. Sollte ich später nervös werden, weil so ein Absturz nicht mehr nur 4-stellige Buchverluste sondern vielleicht 5/6-Stellige Buchverluste bedeutet, dann kann ich immer noch die Aktienquote drücken.

        Meine Sparrate ist auch eher bei 30% derzeit. Wie gesagt, die 15% fix gehen ins Weltportfolio, alles darüber hinaus ist für mich Spielgeld, das ich momentan nicht brauche, das geht in mein Einkommensdepot. Einfach darum weil mich das Konzept von Luis angesprochen hat und ich mir meine Version davon aufbauen und austesten möchte.
        Aus total return-Sicht werde ich sicherlich den ein oder anderen Tausender an Endvermögen liegen lassen, aber meine Rentenlücke schließe ich ja bereits durch das Weltportfolio, insofern ist das für mich in Ordnung. Geld ist ja schließlich kein Selbstzweck.

        1. Na ja, ich habe es nicht sauber durchgerechnet, aber selbst die Verwendung von 50/50 als Vergleich scheint mir unfair zu sein. Da liegen, würde ich sagen, über den gesamten Anlagehorizont betrachtet, immer noch mehr Assets in Aktien als beim normalen glide path. Die Reihenfolge bei den Returns ergibt sich für mich ganz einfach daraus, dass hier jeweils unterschiedlich lang, unterschiedlich viel des Geldes in Aktien investiert ist.

          Beim normalen Gleitpfad ist die Gesamtaktienquote über den Anlagehorizont wohl am niedrigsten, gefolgt von 50/50 in der Mitte. Am höchsten scheint sie mir, wenig erstaunlich, eindeutig beim inversen Gleitpfad zu sein. Die ganze Sache steht und fällt also mit der Frage: wie hoch ist Deine Risikotoleranz? Da war aber auch schon vor diesem Artikel bekannt, dass eine höhere Aktienquote langfristig mit höherer Rendite einhergeht.

          Bei mir ist es ähnlich wie bei Dir. Der aktuelle Corona-Crash hat mich bisher noch nicht Mal ansatzweise nervös gemacht. Auch wenn ich jetzt noch nicht sicher bin, ob da nicht noch mehr kommt, ist das erst Mal ein gutes Gefühl und ich bleibe entspannt. Den Aktienanteil möchte ich auch langfristig hoch halten und mindestens 10% bleiben langfristig in den aktienähnlichen EM-Anleihen. Portfolioschwankungen stören mich eigentlich wenig, solange das Risiko von Einzelaktien einigermaßen gering ist.

          Die Hochdividendenwerte-Strategie von Luis ist durchaus erwägenswert, insbesondere, wenn man nicht mehr so weit von der Rente entfernt ist. In den letzten 5-10 Jahren vor dem Entsparen könnte es durchaus sinnvoll sein, auf hochausschüttende ETFs zu setzen. So bieten die Hochdividendenwerte gleich bei Renteneintritt einen höheren Cashflow. Das wäre eigentlich eine reizvolle Idee, die zwei Portfoliokonstruktionen im Aktienanteil zu mischen: in der ersten Phase ein normales ETF-Portfolio und in der letzten Phase eher Hochdividendenwerte…

          1. „ In den letzten 5-10 Jahren vor dem Entsparen könnte es durchaus sinnvoll sein, auf hochausschüttende ETFs zu setzen. So bieten die Hochdividendenwerte gleich bei Renteneintritt einen höheren Cashflow. “
            Genau das geht mir auch durch den Kopf. Ich warte zunächst noch den neuen Kommer Ende Mai ab. Wenn dort nicht dringend von solchen Plänen abgeraten wird werde ich auch ein paar ausschüttungsstarke ETF ergänzen.
            Ich strebe zur Entnahmephase eine Aktienquote von mindestens 60% an. Die habe ich jetzt auch schon. Mehr als 70% sollen es nicht werden.
            Liebe Grüße Heppi

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