Titelbild zum Artikel über Panik, Depotauflsöung und Emotionen

Depot in Panik aufgelöst – Was tun?

Ich habe mein Depot aufgelöst und die Kurse steigen wieder. Was soll ich tun? Diese Frage stellt sich vielleicht der/die eine oder andere.

Es war ein nervenaufreibendes Jahr an den Börsen. Die Schlagzeilen überschlugen sich nach dem  Amtsantritt von Trump: „Trump verhängt neue Strafzölle“, „Handelskrieg eskaliert“, „China kontert“ – die Finanzmärkte reagierten prompt. Die EU erhebt Gegenzölle und nimmt dann gleich wieder ein paar davon zurück. Innerhalb weniger Tage rauschten die Kurse in den Keller. Viele von uns, die in ETFs oder Aktien investiert hatten, standen vor einer schwierigen Entscheidung: Halten oder verkaufen?

Manche entschieden sich für den Verkauf – aus Angst, aus Panik oder weil es sich schlichtweg „richtig“ anfühlte. Und dann, fast über Nacht, änderte sich das Bild erneut: Donald Trump kündigte eine 90-tägige Atempause in der Zollpolitik an. Die EU setzt ihre Gegenzölle für die nächsten 90 Tage ebenfalls aus. Die Märkte atmeten auf – und stiegen plötzlich wieder an. Der Rest ist bekannt. Auf das Jahr gesehen liegen gängige MSCI-World-ETFs mit über 7% im Plus.

Wer also in der Talfahrt sein Depot verkauft hat, schaut nun mit einem mulmigen Gefühl auf die neuen Kursstände. War das ein Fehler? Was soll ich jetzt tun?

In eigener Sache

Bevor wir da jetzt aber ins Detail gehen, erst einmal eine Entschuldigung an alle Leserinnen und Leser dieses Blogs.

Es hat jetzt doch sehr lange gedauert, bis hier mal wieder ein neuer Artikel erschien. Vielleicht bekommt es tatsächlich auch niemand mehr mit, weil niemand mehr hier nachschaut. Das kann gut sein.

Das letzte Jahr war für mich eine sehr bewegte Zeit. Ich nahm mir hier auf dem Blog eine Auszeit, die dann etwas ausgeuffert ist.

Erst durfte ich für ein halbes Jahr eine Professur in München übernehmen, was viel Spaß gemacht hat, aber auch ziemlich anstrengend war. Danach lief meine bisherige Stelle aus und ich musste mich umsehen und etwas Neues finden. Im persönlichen Umfeld gab es auch ein paar Ereignisse, die Kraft kosteten.

Das hatte dann einfach Priorität, leider. Aber jetzt bin ich ja wieder da – und gleich zurück zum Thema.

Emotionen und Börse: Eine explosive Mischung

Zunächst einmal: Du bist nicht allein. Die Börse ist kein Ort der kühlen Rationalität. Sie lebt von Erwartungen, Emotionen und – ja – manchmal von irrationalem Verhalten – in Zeiten eines Präsidenten Trump natürlich sowieso. Wenn plötzlich überall vom Handelskrieg die Rede ist, wenn Experten Crash-Szenarien skizzieren und das eigene Depot täglich an Wert verliert, dann ist es nur menschlich, die Reißleine ziehen zu wollen.

Die Phase der Zölle und Strafzölle ist mittlerweile fast vergessen. Aktuell ist dann wieder die Rede davon, dass die Märkte heiß gelaufen sind und sich insbesondere die  Technologiewerte überhitzt haben. Ein Crash steht vor der Tür. Klar. Kann sein. Vielleicht aber auch nicht.

Der Wunsch nach Sicherheit ist tief in uns verwurzelt, ebenso wie unser Fluchtreflex. Letzterer ist ein evolutionäres Erfolgsrezept. Er hat unseren Vorfahren das Überleben gesichert.

Nur: An der Börse hilft das leider gar nicht. Sicherheit bedeutet hier nicht, sich dem Sturm zu entziehen, sondern mit ihm zu leben, ihn auszuhalten und sich langfristig nicht davon abbringen zu lassen.

In Panik verkaufen – ein klassischer Fehler, leider

Der klassische Fehler ist dabei leider, die Flucht anzutreten und in Panik zu verkaufen. Das ist wie ein Torwart, der sich aus Angst vor dem Ball abwendet. Das muss einfach schiefgehen.

Wenn du dein Depot gerade in einem Anfall von Panik verkauft hast, hast du genau das getan, was man laut Theorie immer vermeiden will: Du hast im Affekt verkauft. Schlechter Trost: Du bist damit sehr wahrscheinlich nicht allein, denn es geht vielen so.

Dabei ist das Problem nicht nur, dass du – sehr wahrscheinlich – zu einem schlechten Preis verkauft hast – sondern dass du oft auch zu einem höheren Preis wieder einsteigen musst.

Panik und Emotionen, wenn die Börse crasht.
Panik und Emotionen, wenn die Börse crasht.

So entsteht der klassische Verlust durch psychologische Fehlentscheidungen: tief verkaufen und hoch einkaufen. Dabei wollte man doch eigentlich genau das Gegenteil tun.

Aber sei dir bewusst: Das ist kein Zeichen von Dummheit. Es ist ein Zeichen dafür, dass du ein Mensch bist – mit Emotionen, mit Ängsten, mit einem natürlichen Bedürfnis nach Kontrolle.

Der „Ich-halte-es-nicht-mehr-aus“-Ansatz um den Markt zu timen, funktioniert leider nicht.

Die 90-Tage-Pause: Plötzliche Erholung

Dass sich Trump nach all der anfänglichen Rhetorik plötzlich auf eine 90-tägige Verhandlungspause einließ, war für viele eine Überraschung. Den Tag davor sah es noch ganz anders aus. 

Die Börsen reagierten mit einer beeindruckenden Erholung. Innerhalb weniger Stunden machten viele Indizes einen Großteil der Verluste wieder wett.

Im Rückblick ist das Schnee von gestern.

Und danach? Viele Investoren standen ratlos da. Sie hatten verkauft, saßen nun auf ihrem Bargeld – und die Kurse zogen wieder an. Wieder einzusteigen, fühlt sich da dann falsch an. Aber draußen zu bleiben auch. Ein echtes Dilemma.

Was tun? Akzeptieren – lernen – nach vorne blicken

Wenn du dich in dieser Situation wiedererkennst, ist der erste Schritt ganz klar: Akzeptieren, was passiert ist.

Ja, du hast in einer Phase voller Emotionen eine Entscheidung getroffen, die sich im Nachhinein als suboptimal erwiesen hat. Aber: Das ist okay. Wirklich. Niemand trifft immer die richtigen Entscheidungen – nicht an der Börse, nicht im Leben.

Oh, du hast noch nie im Leben einen Fehler gemacht, und wenn, dann sind immer die anderen schuld? I see. Das kenne ich natürlich auch, aber außer mir selbst, nimmt mir das leider niemand ab…

Irren ist menschlich, aber wichtig ist, dass du daraus lernst. Und der wichtigste Lerneffekt könnte lauten: Geduld zahlt sich aus.

Und daher solltest du jetzt einen Entschluss fassen: Ja, du hast Lehrgeld gezahlt, aber nur einmal. Von nun an passiert dir das nicht noch mal.

Triff daher den festen Entschluss, von jetzt an – zumindest bei breit diversifizierten ETF-Anlagen – keine Panikverkäufe mehr vornehmen.

Geduld ist eine Tugend, aber auch eine Anlageklasse

Viele erfolgreiche Investoren – egal ob in Einzelaktien oder in ETFs – betonen immer wieder, wie entscheidend Disziplin und Geduld sind. Nicht das perfekte Timing macht langfristigen Erfolg aus, sondern das Durchhalten in schwierigen Zeiten.

Wenn du in einen weltweit diversifizierten ETF investiert bist, etwa in den MSCI World oder den FTSE All-World, dann bist du anteilig nicht an Hunderten, sondern sogar an Tausenden Unternehmen beteiligt.

Diese Firmen werden nicht einfach alle auf einmal verschwinden, nur weil es politische Unruhen gibt. Die Allermeisten passen sich an, sie stellen sich neu auf, sie überstehen Krisen – genau wie die Wirtschaft als Ganzes.

Und genau deshalb ist Zeit dein bester Verbündeter. Nicht der schnelle Euro beim Einstieg oder der schnelle Verkauf.

Was jetzt? 4 Schritte, um ein besseres Investor zu werden

Wenn du nun also wieder investieren willst – aber unsicher bist, wie – dann könnten dir die folgenden 4 Schritte dabei helfen:

  1. Unterstützung suchen bzw. sich informieren
  2. Schädliches Verhalten bedauern und akzeptieren
  3. Beschluss fassen, es von jetzt an anders zu machen
  4. Gegenmittel verwenden

Diese Herangehensweise habe ich von buddhistischen Lehrwerken übernommen und adaptiert, in denen es darum geht, wie man ganz allgemein mit eigenem destruktiven Verhalten umgehen kann und dieses allmählich verbessert.

1.Unterstützung suchen bzw. sich informieren

Hier gibt es zwei mögliche Ansätze: entweder, du suchst dir einen Berater, der sich wirklich auskennt und dabei auch wirklich nur deine Interessen verfolgt. Das sollte, meiner Meinung nach, niemand sein, der sich über Provisionen finanziert, sondern ein Honorarberater. Ja, das kostet, aber bitte nicht am falschen Ende sparen.

Die andere Option: Du musst dich selbst informieren. Damit meine ich nicht dubiose Blogs wie diesen, YouTube- oder Social-Media-Beiträge, sondern Fachliteratur, wie z.B. Souverän investieren von Dr. Gerd Kommer* oder auch Genial einfach investieren von Prof. Dr. Martin Weber*.

2. Schädliche Verhalten bedauern und akzeptieren

Wenn du dir die Situation anschaust, mach‘ dich ehrlich. Es ist dumm gelaufen und es macht keinen Sinn, sich jetzt etwas vorzulügen. Durch dein Verhalten hast du Geld verloren. Kann passieren.

3. Den Beschluss fassen, es von jetzt an anders zu machen

Klingt banal, ist aber entscheidend. Ja, du hast Mist gebaut. Ja, du hast Geld verloren. Kann passieren – aber bitte nur einmal. Du hast nämlich auch etwas gewonnen: Weisheit und Erfahrung. Deshalb entscheidest du jetzt fest und unumstößlich, dass dir das nicht noch einmal passiert. Nie wieder

Egal, was kommt, du lässt dich nicht wieder von deinen Emotionen überrollen und verkaufst von jetzt an nicht mehr in Panik. Du bleibst einfach investiert, komme, was wolle. Aber Achtung, der Ratschlag gilt für ETFs und Indexfonds und nicht für Einzelinvestments.

4. Gegenmittel nutzen

Du hast dich informiert, bedauerst dein vorheriges Verhalten und hast den Beschluss gefasst, so etwas nicht mehr zu tun. Dann geht es jetzt daran, das Ganze in die Praxis umzusetzen. Aber wie? Wie kommst du jetzt wieder in den Markt hinein und bleibst investiert?

a. Langsam wieder einsteigen: Der Sparplan-Ansatz

Statt alles auf einmal wieder zu investieren, kannst du mit einem monatlichen ETF-Sparplan Stück für Stück in den Markt zurückkehren. So vermeidest du das Risiko, erneut zum falschen Zeitpunkt alles auf eine Karte zu setzen.

Dieser Ansatz – auch bekannt als „Cost Averaging“ – hilft dabei, Emotionen rauszunehmen und langfristig wieder eine solide Position aufzubauen.

Ist es ideal? Nein. Vielleicht verpasst du mit einem Teil deines Geldes etwas, wenn du nicht gleich alles investierst.

Egal. Deine Investition muss nicht perfekt sein. Lass die Vorstellung los, immer alles richtig oder hundertprozentig machen zu wollen. Das geht bei der Geldanlage nur schwer.

b. Einmalige Reinvestition – und dann Augen zu und durch

Wenn du damit mental leben kannst, ist es auch möglich, das Bargeld auf einmal wieder zu investieren. Studien zeigen: Wer lange wartet, in der Hoffnung auf günstigere Einstiegskurse, verpasst oft mehr, als er gewinnt – und das gilt auch für einen Teil deines Geldes beim stufenweisen Wiedereinstieg.

Klar, es kann nochmal runtergehen. Aber genauso gut kann es weiter hochgehen. Und am Ende zählt nicht, ob du „perfekt“ eingestiegen bist, sondern wie lange du investiert bleibst.

Mir ist es tatsächlich schon passiert. Ich bin mit einer größeren Summe genau zum falschen Zeitpunkt vor einem Crash eingestiegen. Es fühlt sich mies an, keine Frage. Zum Glück habe ich die Nerven aber nicht verloren, blieb investiert und ein halbes Jahr später war alles wieder im Plus.

Wenn du aber generell ängstlich bist – und ein bereits erfolgter Panikverkauf würde darauf schließen lassen – kann es sinnvoll sein, erst einmal langsam in mittels mehrerer Tranchen wieder einzusteigen.

c. Einsteigen, aber mit der richtigen Mischung

Egal, ob du nun allmählich wieder einsteigst oder mit einer einmaligen Reinvestition – du brauchst eine gut diversifizierte Geldanlage, mit der du nicht so schnell wieder in Panik gerätst.

Hierzu ist es wichtig, dass du deine Schwankungstoleranz gut kennst und dein Portfolio entsprechend ausrichtest. Ein Depot, das zu 100% aus Aktienwerten besteht, schwankt schon mal recht ordentlich.

Wenn du stattdessen 30%, 50% oder sogar 70% Anleihen dazu mischst, wird zwar die langfristige Rendite mit zunehmendem Anleihenanteil geringer, das Depot schwankt aber in der Regel nicht mehr so stark.

Schau dir zum Beispiel mal den Arero-Weltfonds an. Er hat eine Zielgewichtung von 60% Aktien, 25% Anleihen und 15% Rohstoffen. So hat er es seit seiner Auflage im Jahr 2011 bis heute auf ca. 6,8% Rendite pro Jahr gebracht.

Das ist sehr ordentlich. Vor allem hat er das aber auch mit deutlich geringeren Schwankungen als ein MSCI World erreicht.

d. Und wenn dann doch die Panik kommt?

Und wenn dich doch die Panik einholt, dann halte dich an den Hitchhikers Guide through the Galaxy: Don’t Panic. Du kannst natürlich auch diesem buddhistischen Ratschlag für den Umgang mit Emotionen folgen: Sei wie ein Baum! Soll heißen, lass dich nicht von Emotionen übermannen, sondern sitze es aus.

Aktieninvestments sind da ja wie ein Obstbaum. Wenn du die Aktieninvestments in Ruhe lässt und ruhig abwartest, kommen die Früchte. Sie erholen sich nach dem Sturm und bringen dir zwischendrin vielleicht sogar weitere Ausschüttungen ein.

Und wenn die Unsicherheit dann doch gar zu groß wird, suche dir Unterstützung, wie oben beschrieben. Auch wenn ein Honorarberater teuer erscheinen mag. Wenn er dich in einem Gespräch davon abhält, einen Panikverkauf zu tätigen, hat er dir das Honorar vermutlich mehr als wieder hereingebracht.

Lehrgeld – eine unbequeme, aber wertvolle Lektion

Du hast jetzt vielleicht „Lehrgeld“ gezahlt. Das klingt unangenehm – aber viele erfahrene Anleger berichten, dass gerade diese Fehler die wertvollsten Lektionen für sie waren. Wer einmal den Schmerz eines schlechten Timings gespürt hat, wird beim nächsten Mal anders handeln.

Börsenerfahrung ist wie das Leben: Es besteht aus Erfolgen und Niederlagen. Und wer nur auf Sicherheit spielt, wird nie die Rendite erreichen, die die Märkte über die Jahrzehnte hinweg bieten.

Eine blutige Nase ist am Anfang nicht so schlimm. Besser, man lernt diese Lektion gleich, als wenn das Depot schon eine gewisse Größe erreicht hat.

Fazit: Nicht der Fehler zählt, sondern der nächste Schritt

Du hast dein Depot aufgelöst und die Kurse sind wieder gestiegen? Dann ist das bitter – keine Frage. Aber es ist auch eine Gelegenheit: eine Gelegenheit, deine Strategie zu überdenken, dich neu aufzustellen und aus der Erfahrung zu lernen.

Wie schon ein früherer FDP-Vorsitzender sagte: Probleme sind nur dornige Chancen. 

Geduld, Disziplin und ein langer Atem sind die Schlüssel zu erfolgreichem Investieren. Wenn du jetzt den Mut findest, zurückzukehren – mit klarem Plan und gefestigtem Mindset – dann wirst du langfristig erfolgreich sein. Daran habe ich keine Zweifel.

Mit jedem Abschwung, den Du aussitzt und hinterher wieder höher dastehst, kommen dann auch das Vertrauen und die Zuversicht, die dir durch die nächste Krise helfen.

An der Börse gilt: Nicht wer am schnellsten handelt, sondern wer am längsten durchhält, gewinnt.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine stets entspannte und ausgeglichene Haltung bei der Geldanlage, aber auch im Leben!

 * * *

 

Depot in Panik aufgelöst - Was tun? 1

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Kommentare

12 Antworten zu „Depot in Panik aufgelöst – Was tun?“

  1. Hallo Yogi,

    wer sein gesamtes Depot im Trump Crash verkauft, hat sicher seine eigene Risikobereitschaft deutlich überschätzt. Ein ehrliches Überdenken der eigenen Angst vor dem potentiellen Verlust ist hier dringend notwendig. Die Lektüre eines guten Buches- Gerd Kommer wurde ja schon erwähnt- sollte vor einem erneuten Einsteigen ins Börsengeschäft Pflicht sein.

    Drei Fragen: Was hab ich- was will ich- wie komme ich da hin? sind dabei entscheidend:

    1. Was habe ich? Vor einer Investition sollten Schulden (Ausnahme langfristige Immobilien) abgebaut werden. Insbesondere Auto- und Konsumkredite haben bei Tilgung eine garantierte Rendite >5%. Keine Schulden- prima! Ist aber eine Notgroschen vorhanden? Falls nein- aufbauen!

    2. Was will ich? Geld, das an der Börse investiert ist, sollt für 10-15 Jahre nicht benötigt werden. Eine Anzahlung für einen Immobilienkredit (Eigenkapital) sollte nicht an der Börse angelegt werden. Der Rest aber unbedingt!

    3. Wie komme ich da hin? Günstige ETF (niedrige TER) bei einer Online Bank mit niedrigen Gebühren, MSCI World, FTSE All World, ARERO, alles gute Adressen, am besten Sparplan über fixe Summe, am Tag nach Zahlungseingang vom Gehaltskonto abbuchen lassen- pay yourself first.

    Alles darüber hinaus kann, aber muss man nicht machen und man sollte sich der Konsequenzen bewusst sein. Mir persönlich wäre das oben genannte zu langweilig, aber meine Rendite aus Einzelaktien liegt nicht über der aus EFT- sondern über Jahre gemittelt ziemlich genau in gleicher Höhe. Aber es macht mir eben Spaß, man könnte es auch als Hobby bezeichnen. 85% der Anleger fahren aber mit den oben genannten 3 Punkten besser- also sollte man mal damit anfangen. Dann kommt Freude auf, wenn der POTUS aus einer Laune für Sonderangebote beim Einkauf von ETF Anteilen sorgt…

    1. Hallo Medicus,

      ja, da stimme ich Dir zu. Diese Dinge habe ich hier auch schon in anderen Artikeln besprochen. Alles ließ sich jetzt in diesen Artikel nicht hineinpacken, der ohnehin schon etwas länger wurde. 😉
      Die Frage, wofür und wie lange man investiert, ist wichtig und wurde von mir schon oft thematisiert (z.B hier) und zum Risiko habe ich auch schon viel gesagt, z.B. hier .

      Klar, kann man auch Einzelanlagen in Form von Aktien betreiben, aber wie Du selbst sagst: es erfordert mehr Aufwand sowie Aufmerksamkeit und muss quasi als Hobby betrieben werden – und in der Regel bringt es auch nicht mehr – meist sogar eher das Gegenteil auf lange Sicht.

      ETFs sind hingegen langweilig – aber das ist bei der Geldanlage nicht unbedingt etwas schlechtes. Wenn ich Nervenkitzel suche, gibt es ja andere Möglichkeiten. 😉

      Auf jeden Fall herzlichen Dank für den netten Kommentar und weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage!

  2. Ich bin heute zum ersten Mal auf deine Seite gestoßen (über Finanzblogroll). Habe direkt mal alles überflogen. Klingt nach einem spannenden Leben – danke für’s Teilen! Finde ich immer sehr spannend zu lesen – mein Werdegang ist deutlich geradliniger, aber auch viel langweiliger. Das ist für mich wohl das, was mich an meinem Leben am meisten stört. Da ich aber ziemlich kreativlos bin, werde ich wohl bis zur finanziellen Unabhängigkeit weitermachen (müssen) wie bisher. Daher ist es für mich besonders schön, von anderen zu lesen, die da einen besseren Weg gefunden haben!

    Zum Beitrag: ich kann mir gar nicht vorstellen, in Panik zu verfallen bei einbrechenden Kursen. Im Gegenteil – das bedeutet in aller Regel steigende Dividendenrenditen bei Nachkäufen. Allerdings bin ich auch erst seit 2017 am Markt und habe noch keine Krise a la Dotcom oder Lehman-Pleite 2008 erlebt… Denke aber, halbwegs gut gewappnet zu sein für den nächsten großen Crash – der unweigerlich irgendwann kommen wird.

    Viele Grüße.

    1. Hi und willkommen hier sowie vielen Dank für Deinen Kommmentar!

      Oh, ich denke, alles hat Vor- und Nachteile. Mein Akademikerleben hat bisher zwar zu vielen Ortswechseln geführt – und das war häufig echt spannend – aber familiär ist das natürlich nicht so toll. Außerdem hatte ich bisher noch nie eine Dauerstelle, denn in der Wissenschaft regiert ja leider das Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Manchmal wäre mir etwas langweiliger ganz recht…

      Das ist doch super, wenn Du das aufrechthalten kannst. Es kommt, für mein Empfinden, auch auf die Depotgröße an. Wenn das Depot z.B. ca. 10.000 € ausmacht, sind 50% Verlust gerade einmal 5.000€. Wenn es hingegen 300.000€ umfasst, machen 20% Verlust bereits 60.000€ aus. Ist es für Dich okay, wenn Du von heute auf morgen plötzlich 60.000€ weniger im Depot hast? Wenn Dich also jemand fragt, ob es okay ist, 60.000€ zu verlieren, was macht das dann mit Dir? Die Risikobetrachtung kann sich also auch ändern im Lauf der Zeit. Je nach Risikoneigung kann es Sinn machen, das Risiko etwas zu reduzieren, wenn das Depot größer wird, aber das ist natürlich individuell.

      Es klingt aber so, als ob Du Dir schon viele Gedanken gemacht hast. Wie man im Fall der Fälle reagiert, weiß man halt erst dann.

      in jedem Fall, Grüße zurück und viel Erfolg bei Deinen Anlageplänen!

      1. Ich komme ursprünglich aus Niedersachsen und bin mittlerweile über NRW ins Saarland gekommen. Ich bin im Automotive-Bereich tätig – aber wirklich sicher waren meine Stellen leider auch nicht bislang. Arbeitgeber 1 (1. Standort Niedersachsen, 2. und 3. Standort NRW) ist 2020 in Insolvenz in Eigenverwaltung gegangen. 2022 dann Jobwechsel, Einstieg per Arbeitnehmerüberlassung für 1,5 Jahre, seit 2024 dann direkt im Unternehmen beschäftigt. Allerdings befristet bis 2026 und die Perspektive ist zZ. alles andere als rosig. Würde mir ohne Depot aber auch mehr Sorgen machen – knapp 340.000€ stecken mittlerweile im Portfolio. Bei einem richtigen Crash wären es wohl >100.000€ an Kursverlust und damit mehr als zwei Nettojahresgehälter, die ich verlieren würde. In meinem Kopf „bleibe ich cool“, wenn das passiert. Mein größter Drawdown (in absoluten Zahlen) war die Ankündigung der Zölle zeitgleich mit der Abwertung des Euros zum US-Dollar; da ging es etwa 30.000€ runter. Fühlte sich nicht toll an, aber war noch auszuhalten. Vielleicht ginge es mir auch schlecht damit, wenn es jetzt einen 40%-Crash gäbe – aber verkaufen würde ich mangels mir einfallender Alternativen wohl auch nicht.

        Wie würdest du – in dem Fall, dass deine Depotgröße deine Wunschvorstellung erreicht hat – das Depot absichern bzw. das Risiko reduzieren? Das Problem bei langen Entnahmezeiträumen – wie bei mir zumindest theoretisch geplant – ist ja, dass Anleihen zwar die Safe Withdrawal Rate für ~30 Jahre erhöhen, aber eben nicht mehr bei 40 oder 50 Jahren… ich versuche mir momentan damit zu helfen, tendenziell auf weniger volatile Aktien zu setzen. Ist aber natürlich entsprechend hoher Aufwand und eine Garantie, dass diese wirklich stabiler laufen, gibt es ebenso wenig…

        1. Hi, das ist doch sehr beachtlich. Gratuliere! Unsere Situation ist ähnlich, denn meine aktuelle Stelle geht auch nur noch bis 2026. Mit einem guten Depot im Hintergrund ist das aber natürlich mittlerweile nicht mehr so bedrohlich.

          Na ja, Anleihen sind die eine Stellschraube. Eine andere Stellschraube ist die Depotzusammensetzung im Aktienanteil. Gerade mit Small Cap Value – und die Avantis-ETFs gibt es ja endlich auch hierzulande – lässt sich die langfristige Gesamtperformance etwas verbessern, ohne das Risiko zu erhöhen.

          Ein weiterer Punkt ist natürlich die Frage, wie man entspart bzw. ab wann. Tendenziell bin ich ein Freund davon, lieber zu übersparen und dann statt einer fixen Entsparrate eine flexible zu nehmen, also z.B. immer 4% vom aktuellen Depotstand statt der berühmten 40.000 + Inflation bei einer Millionen. In schlechten Börsenjahren entnimmt man dann weniger und in besseren etwas mehr. Das kann dann gerade am Anfang bedeuten, dass man den Gürtel etwas enger schnallen oder sich etwas hinzuverdienen muss, aber da geht das ja in der Regel noch. Mit weiter wachsendem Depot wird es dann aber immer unproblematischer. Außerdem kann man aus der Entnahme in guten Jahren dann ja auch eine Rücklage bilden bzw. die Rücklage wieder aufstocken.

          1. Danke – für die ausführliche Antwort und die Blumen! 🙂

            Ich bin ziemlich sicher auch in der Schublade „übersparen“ zu Hause. Allerdings habe ich genau deshalb auch etwas bedenken, dem „another-year-syndrome“ zu verfallen. Prinzipiell immer schwierig, einen guten Kompromiss aus Absicherung und annehmbares Rest-Risiko für sich zu finden.

            Den Punkt, flexibel zu entnehmen, finde ich grundsätzlich auch gut. Wobei das vor allem für meine Psyche wahrscheinlich wichtiger ist als für die SWR am Ende. Zumindest muss man schon deutlich flexibel sein in den ersten Jahren, falls es eine hohe Volatilität (insbesondere nach unten) gibt. Ich vermute, dass ich – wenn ich mich denn mal entschieden habe, FI zu sein – auch eher die Stunden peu a peu nach unten ausphase, anstatt einen harten Cut zu machen. Zum einen, um die KV noch ein bisschen zu „optimieren“, zum anderen weil man so im worst case leichter wieder ins Arbeitsleben finden sollte, als wenn man es sich schon 2 Jahre gemütlich gemacht hat in seiner Rolle als „Privatier“.

            Einen gewissen Cash-Puffer halte ich auf jeden Fall auch für sehr wichtig. Gerade sind meine Eltern in der Situation (regulär Rentner seit März, aber geringe Einkünfte aus der GRV aufgrund langer Selbständigkeit meines Vaters), dass sie von ihrem Ersparten leben müssen. Eine für mich hohe Verantwortung – mittlerweile haben meine Eltern gemerkt, dass Finanzen „mein Ding“ sind und meine Ratschläge zumindest nicht schlechter sind als die der Bankberater der letzten 20 Jahre (die Messlatte wurde zugegebenermaßen nicht sehr hoch gehängt). Trotzdem wünsche ich mir natürlich das beste für sie und hoffe, dass meine (sehr vorsichtigen) Hinweise dazu führen, dass sie einen finanziell unaufgeregten Lebensabend verbringen können. Aktuell sind 400k in ETF investiert (innerhalb der letzten 2 Jahre, es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich getraut haben) mit aktuellem Wert von 440k, etwa 250k sind noch in Festgeldern zu 3-4% p.a. angelegt.

            Meine Idee dazu wäre, etwa 50k jedes weitere Jahr „in den Markt“ (ETF) zu kippen und die letzten 50k als Cash-Puffer zu bewahren. Klar, rein statistisch wäre ein „all in heute“ sinnvoller – aber bei den Bewertungen der Indizes / Shipper Cape Ratio fühlt sich das nicht richtig an. Andererseits sind ja auch hauptsächlich die Treiber der Indizes so heftig bewertet (Mag7). Klassiker wie eine P&G, ADP, PepsiCo, uvm. sind vom KGV teils ja sogar unter dem langjährigen Durchschnitt. Einzelaktien-Wetten mache ich aber nur mit meinem eigenen Depot – wenn das schiefgeht, steht viel mehr auf dem Spiel als für mich. Unter Umständen könnnte ich mir noch einen Equal-Weight-Ansatz vorstellen…

            Nunja, im worst case würde ich meine Eltern natürlich auch finanziell unterstützen. Allerdings wären meine Eltern vermutlich zu stolz, Geld anzunehmen und – so ehrlich muss ich sein – war das von mir angesparte Geld natürlich auch für eigene Projekte geplant.

          2. Hallo Kevin,

            ich finde es super, dass Du Deine Eltern unterstützt. Ja, die Empfehlungen der Bankberater durfte ich bei meinen Eltern und mir auch betrachten und denke auch, dass man diese Messlatte leicht überspringen kann. 😉 Dazu habe ich ja mal ganz früh einen Artikel gemacht (Teil 1 und Teil 2) und über meine direkten Erfahrungen einer Bankberatung geschrieben. Eigentlich sollte ich mal ein Update dazu machen und schreiben, was mir das vorgeschlagene Investment gebracht hätte. 😉

            Ja, zum Cash-Puffer. Keine Frage ist das, je nachdem, eine wichtige Sache und gibt vor allem dann Sicherheit, wenn das die hauptsächliche Altervorsorge darstellt.

            Mit flexibler Entnahme meinte ich nicht – nur um das noch einmal klar zu machen – das man mal mehr oder weniger entnimmt, je nachdem, wie man es für richtig hält. Das wäre dann der Versuch von Market-Timing bei der Entnahme. Mir ging es da um ein regelbasiertes System. Das einfachste ist natürlich, immer einfach jedes Jahr zum Fixdatum 4% oder 5% zu entnehmen vom jeweiligen Depotstand. Das macht das Ganze schon recht sicher, weil man in schlechten Phasen automatisch weniger entnimmt und in hohen Phasen mehr. In hohen Phasen kann man dann ggf. die Rücklage wieder aufstocken oder sogar erhöhen und in schlechten greift man dann teilweise darauf zurück. So ist das Depot abgepuffert und das Renditereihenfolgerisiko ist minimiert. Insgesamt erhöhen sich auch die Entnahmen, da sich diese dem voraussichtlich wachsenden Portfolio anpassen. Auf der Webseite der Merriman Financial Education Foundation gibt es diese schöne Chart, die Dir zeigt, wie sich ein 1 Mio-USD-Portfolio bei verschiedenen Entnahmen von 3% (defensiv)-6%(sehr aggressiv) in verschiedenen Aktien-Anleihen-Verhältnissen im historischen Backtest seit 1970 entwickelt hätte. Hier der Link zum Dokument.

            Man sieht da sehr schön, dass eine geringere flexible Rate über die Gesamtlaufzeit zu höheren Gesamtentnahmen führt.

            Persönlich würde ich wohl auch in Tranchen in den Markt gehen. Nicht aus Angst vor Überhitzung, aber eher mit dem Blick auf Deine Eltern, da es psychologisch leichter fällt. Habe kurz vor dem Corona-Crash ein Einzelinvestment getätigt und wenn das mit dem Geld meiner Eltern passiert wäre, weiß ich nicht, ob sie da ruhig geblieben wären.

          3. Avatar von Mannigfalter
            Mannigfalter

            Da hätte ich mal gleich eine Frage an den Small-Cap-Value-Spezialisten:
            Ich habe ca. 20-30% des Depots in Small-Caps, davon wiederum 45% in US-Small-Cap-Value und 25% in EU-Small-Cap-Value (die SPDR-ETFs natürlich).

            Kannst Du es empfehlen, auf diesen neueren Avantis Global-Small-Cap-Value zu switchen (Steuerbelastung mal außen vor gelassen)?

          4. Empfehlen darf ich natürlich gar nichts. Privat werde ich nicht weiter in die anderen EU/US Small Caps investieren. Umsteigen ist bei mir, weil ich sie schon länger halte, aus steuerlichen Gründen tatsächlich schwierig. Zukünftig geht bei mir aber alles in punkto Small Cap Value in einen Avantis-ETF. Sie sind ähnlich wie die DFA Fonds konzipiert, was ich für sehr vorteilhaft halte. Avantis wurde ja von ehemaligen DFA-Mitarbeitern gegründet.

  3. Avatar von Mannigfalter
    Mannigfalter

    Hallo,

    schön, dass Du zurück bist! Bin mittlerweile weg vom Verfolgen der „finanzblog-news“-Seite und nur ganz zufällig hier und dann gerade jetzt ein neuer Artikel!

    Ich persönlich kann sagen, dass ich keine Panik verspüre, wenn es nach unten geht wie heuer bei der Zoll-Thematik.
    Es ist eher so, dass ich eine Chance wittere, die wohl so süß wie der Apfel im Paradies zu sein scheint: Recht früh aussteigen und bei einem Crash dann bei -20 bis -30% wieder rein – was ja einer zusätzlichen Rendite in dieser Größenordnung gleichkäme!
    Also das ist immer eine regelrechte Versuchung, zu verkaufen, weniger aus Angst als aus Gier! 🙂

    Auf ein solches psychologisches Muster wollte ich in dem Zusammenhang nur mal hinweisen. Also ich würde behaupten, ich habe eine Art zweiter Stufe der Finanzpsychologie erreicht, bin aber noch ein Stück weit entfernt von der letzten Stufe der Weisheit. 🙂

    1. Danke für Deinen Kommentar und schön, dass Du hier mal wieder vorbeigeschaut hast.
      Klar. Das wünschen wir uns alle: oben zum richtigen Zeitpunkt aussteigen und dann zum Tiefpunkt wieder rein. So leicht das klingt, so schwer ist es halt leider, das umzusetzen. Wer weiß schon, wann wir oben sind und wann der Boden erreicht ist? Wenn wir aussteigen, kann es sein, dass sich der Kurs erst einmal verdoppelt, bis er 20% fällt. Da ist dann halt leider nichts gewonnen. Unten einsteigen, trauen sich auch viele nicht – und wer weiß schon, wann wir wirklich unten sind? Wenn man zu lange auf das Einsteigen wartet, kann der Kurs auch ganz schnell wieder oberhalb von dem liegen, bei dem man ausgestiegen ist. Gerade in dieser Zeit, wo alles so schnell gehen kann. Dann wird es psychologisch richtig schwer, wieder einzusteigen.

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