Angst essen Depot auf: Die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie & Umfrage

Angst essen Seele auf - Umfrage - Investmentscherz Crash schlimmer als Scheidung

Aktuell herrscht ja große Angst an den Börsen. Der berühmte Fear & Greed-Index, also der Angst-und-Gier-Index, liegt im roten Bereich bei 36 und steht damit klar auf Angst.

Der alternative Crypto Fear & Greed-Index für Kryptowährungen liegt mit 24 sogar im Bereich der extremen Angst.

Gegen Ende des Artikels findest Du (hier) daher heute eine kleine Umfrage zur aktuellen Situation. Es würde mich sehr freuen, wenn Du kurz mitmachst.

Welche Auswirkungen können Angst und Panik auf Dein Depot und Dein Anlageverhalten haben?

Für mich gilt ganz klar: Angst essen Depot auf. Angst und Panik sind ein großes Risiko für Dein Geld, insbesondere, wenn Du dann zur Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie greifst.

In einem Crash gibt es eigentlich nur ganz wenige Dinge, die Du beachten musst, um ihn gut zu überstehen. Die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie gehört für mich nicht dazu.

Wenn Du den Artikel gelesen hast, weißt Du Bescheid, was Du bei Korrektur oder Crash besser tust oder lässt.

… und versprochen: das ist jetzt erst einmal der letzte Artikel zum Thema Crash.

Die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie

Kaum geht es an den Börsen mal wieder etwas turbulenter zu, laufen die Foren heiß. Ein paar Prozentpunkte Abwärtsbewegung genügen und viele Privatanleger und -anlegerinnen bekommen es mit der Angst zu tun.

Eine wiederkehrende Frage lautet dann: ist es nicht besser, jetzt auszusteigen, bevor der Crash kommt oder es noch weiter nach unten geht?

Die Frage existiert natürlich in zahlreichen Variationen und Ausprägungen.

Im Prinzip spiegelt sich darin die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie wieder. Okay, ob es sich um eine echte Strategie handelt, sei dahingestellt.

Vermutlich ist es eher das Verhalten jener, die keine Strategie haben oder im Ernstfall vor lauter Panik vergessen, wie ihre Strategie war.

In guten Börsenzeiten hat man sich an der höchsten Rendite orientiert: “Klar, mein Depot besteht zu 100% aus Aktien!” oder “Ich diversifiziere nur mit Kryptowährungen.” Logisch, denn Anleihen sind ja schlecht für die Rendite, heißt es gerne.

Und nun? Kaum wird es etwas unruhiger und der Depotstand sinkt, sinkt auch die Bereitschaft, alles so zu lassen wie es ist.

100% Aktien oder ein hoher Anteil Kryptowährungen können im Ernstfall halt doch ganz schön an die Nieren gehen.

Im Falle eines Crashs geht es dann irgendwann nicht mehr länger um rationale Überlegungen, sondern der Antrieb ist Angst. Es ist pure Angst, Verzweiflung und Panik, dass Dein angelegtes Geld verloren geht.

Der Bauch regiert und es kommt, was kommen muss: Du verkaufst zum wahrscheinlich denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, weil Du es einfach nicht mehr aushältst.

Angst essen Depot auf

Das Problem der Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie ist: es ist die gefährlichste Art von Market Timing.

Diese Art von Market Timing, die von Angst getrieben ist, ist ein Garant für Börsenverluste: Angst essen Depot auf.

Damit ist es fast sicher, dass Du an einem Punkt verkaufst, der für Dich ungünstig ist.

So werden Verluste realisiert. Mit etwas Pech liegst Du mit Deinem Ausstieg sogar ziemlich genau am Tiefpunkt.

Du hältst es aktuell für ein Drama, wenn Du ein paar Euro beim Kauf Deiner ETFs zu viel ausgibst oder die laufenden Kosten bei einem ETF höher sind als bei einem anderen?

Die 1-2 Prozent Rendite im Jahr, die Dich Anleihen im Portfolio kosten würden, findest Du unerträglich?

Überlege Dir aber einmal, was Dich eine Depotauflösung mitten im Crash kosten kann, wenn Dich die Angst packt.

Dann kann ein Crash finanziell in der Tat schlimmer sein als eine Ehescheidung, zumindest materiell. Mit etwas Pech ist da mehr als die Hälfte Deines Geldes weg.

Wenn es dumm läuft, ist der Ärger beim Partner bzw. der Partnerin darüber so groß, dass der Haussegen zusätzlich schiefhängt.

Ein Crash am Aktienmarkt ist schlimmer als eine Scheidung!

Wieso?

Na, Du verlierst dier Hälfte Deines Vermögens, aber Deine Ehefrau / Dein Ehemann ist immer noch da.

Anders als bei diesem Witz, ist Dein Partner oder Deine Partnerin dann vielleicht auch noch weg.

Meistens ist in einer Beziehung ja ein Teil offener gegenüber Risiken als der andere. Selbst wenn Du selbst im Crash ruhig bleibst, bist Du Dir wirklich sicher, dass es Dein Partner oder Deine Partnerin genauso sieht?

Wie lange hältst Du durch, wenn er oder sie panisch wird?

Die Ich-steige-ein-wenn-die-Börsen-wieder-steigen-Strategie

Eines ist gewiss: den richtigen Ausstiegszeitpunkt erwischt niemand gezielt. Wenn doch, dann ist das einfach Glück.

Aber lass mich Teufelsadvokat sein. Nehmen wir an, es gelingt Dir tatsächlich entgegen aller Wahrscheinlichkeiten am Anfang eines Crashs oder einer Rezession auszusteigen.

Was dann? Das zieht doch gleich das nächste Problem nach sich. Wie kommst Du wieder in den Markt hinein?

Die einfache Antwort: du kaufst, wenn die Kurse wieder steigen. Das wäre dann also die Ich-steige-ein-wenn-die-Börsen-wieder-steigen-Strategie.

Angst essen Depot auf: Die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie & Umfrage 1

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Kann es so einfach sein? Leider nicht. Auch die Ich-steige-ein-wenn-die-Börsen-wieder-steigen-Strategie geht sehr sicher daneben. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zufall gleich zweimal auf Deiner Seite ist, ist einfach gering.

Wenn Du Dir das zutraust, kannst Du auch beim Roulette zweimal auf Zahl setzen und hoffen, dass Du damit jedes Mal richtig liegst.

Umfrage – Korrektur, Crash oder heiße Luft?

Schauen wir uns die Börse aktuell an. Gerade ging es ja für Aktien ordentlich nach unten. Während ich diesen Artikel fertigstelle, beruhigt es sich aber bereits wieder.

Hört das jetzt hier auf? Haben wir also den Tiefpunkt schon erreicht und steigen die Kurse von jetzt an wieder?

Oder sinkt die Börse doch wieder und wenn ja, wie lange? Vielleicht kommen wir jetzt ja aber auch in eine längere Seitwärtsbewegung.

Da bist Du jetzt gefragt. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Umfrage ausgeht. Ich lasse sie bis zum 15. Februar offen und dann schauen wir uns mal das Ergebnis an.

Die Umfrage lief bis einschließlich 15.2.2022

Frage: Wie geht es jetzt an der Börse weiter?

Hier das Ergebnis der Umfrage:

Abgegebene Stimmen: 80

  • Ehrlich? Wieso fragst Du so etwas? Ich habe keine Ahnung. (56%, 45 Votes)
  • Wir stehen vor einer längeren Seitwärtsbewegung. (24%, 19 Votes)
  • Das war nur eine kleine Korrektur und die Kurse werden jetzt langsam wieder steigen. (14%, 11 Votes)
  • Das war erst der Anfang und die Kurse werden jetzt erst richtig anfangen zu fallen. (6%, 5 Votes)

Wie das Ergebnis ausging wusste ich natürlich noch nicht, als ich diesen Artikel schrieb. Eine Besprechung des Ergebnisses, findest Du hier.

Ich-steige-ein-wenn-die-Börsen-wieder-steigen klingt erst einmal gut. Doch wo befindet sich bitte der richtige Punkt für den Wiedereinstieg. Ich gestehe es offen und ehrlich: ich habe nicht den Hauch eines Schimmers.

Das heißt nicht, dass ich nicht eine Meinung habe. Ich bin ja prinzipiell jemand, der erst einmal vom schlimmsten ausgeht, um sich dann zu freuen, wenn es anders kommt.

Ich habe also für: sie fallen noch eine Weile weiter gestimmt. Gleichzeitig gestehe ich mir aber ein, dass es ziemlich egal ist, was ich denke.

Entsprechend hätte ich genauso gut für die 1. Option “Ehrlich? Wieso fragst Du so etwas? Ich habe keine Ahnung.” stimmen müssen. Stand 16.2.2022 habe ich immer noch keine Ahnung, wie es weitergeht – und das wird auch zukünftig so bleiben.

Beispiele aus der Praxis: Dirk Müller

Selbst gestandene Fondsmanager scheitern daran regelmäßig. Wir erinnern uns an Dirk Müller, der direkt nach dem Corona Crash mit seinem Dirk Müller Premium Aktien Fonds gut dastand, weil er ja eine dauerhaft defensive Ausrichtung hat und schon (sehr, sehr) lange vor einem Crash warnte.

Er erklärte dann auch, dass es nach diesem Crash keinen Grund mehr gäbe, weiter so defensiv zu fahren. Jetzt wäre es Zeit, die Anker zu lichten und die Segel zu setzen für die Aufwärtsphase. Da würden jetzt nicht gleich wieder neue Crashgefahren lauern.

Beim folgenden Aufschwung verpasste er allem Anschein nach aber den rechtzeitigen Einstieg. Während sich die Märkte sehr rasch wieder nach oben bewegten, fiel sein Fonds im Wert. Der Anker war wohl doch noch am Grund.

Von seinem Höchststand mitten im Corona-Crash am 20.3.2020 von 107,20€ schraubte er sich hinunter auf aktuell 89,5€ pro Anteil.

Zum Vergleich dazu der thesaurierende iShares Core MSCI World-ETF. Von seinem Tiefststand von 40,485€ am 27.3.2020 lief dieser gerade nach oben und rangierte – trotz ordentlichem Rücksetzer – zuletzt bei 72,112€ pro Anteil.

Angst essen Depot auf - Dirk Müller Premiumfonds vs iShares Core MSCI World ETF
Dirk Müller Premium Aktien Fonds (violett) vs iShares Core MSCI World ETF (blau); Quelle: onvista.de

Dirk Müller ging wohl vermutlich – wie so viele – davon aus, dass der Crash noch nicht zu Ende war und es noch einmal weiter nach unten gehen würde.

Ich sage es nicht gerne, aber ehrlich: ich da voll seiner Meinung. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch pessimistisch gestimmt.

Mir war klar, dass Corona so schnell nicht vorüber sein würde. Es hat mich ziemlich verwundert, wie schnell sich die Märkte wieder erholt hatten.

Mit der Ich-steige-ein-wenn-die-Börsen-wieder-steigen-Strategie hätte ich den richtigen Zeitpunkt definitiv verpasst. Ich hatte immer das Gefühl, da kommt noch was. Kam es aber nicht.

Gut, dass ich die ganze Zeit voll investiert geblieben bin, auch wenn es etwas weh tat.

Was tun bei Angst essen Depot auf?

Glück oder Geduld?

Wenn Panik regiert und die Gefahr von Angst essen Depot auf besteht, musst Du Geduld entwickeln.

Zum Glück bin ich mir bewusst, dass ich keine Ahnung habe, was als nächstes an der Börse passiert. Ich gebe es offen zu und meine Kritiker haben es sicher schon lange vermutet: ich bin ignorant.

Es kann das eintreten, was ich annehme, dessen Gegenteil oder etwas ganz anderes. Tatsächlich behaupte ich aber, dass es allen anderen auch so geht. Ich weiß jedenfalls, dass ich nichts weiß.

Wer den richtigen Zeitpunkt erwischt – ganz egal ob durch Berechnung, Erfahrung oder Astrologie ermittelt – hat einfach Glück.

Auch wenn das Leben es oft gut mit mir gemeint hat, an der Börse will ich mich aber nicht nur auf mein Glück verlassen. Das geht dann früher oder später doch schief, vor allem wenn die Angst mitregiert.

Hier ist etwas anderes gefragt: Geduld. Geduld ist für mich die Fähigkeit, negative Erfahrungen ertragen zu können.

Es heißt ja immer, dass Du an der Börse Geduld brauchst. Hast Du Dir jemals Gedanken gemacht, was das heißt.

Damit ist nicht gemeint, dass Du einfach nur bequem warten musst, bis sich Dein Geld gemütlich vermehrt hat.

Mal ehrlich: wann, wenn nicht in einer Korrektur oder einem Crash ist wirklich Geduld gefragt?

Wenn die Börsen sich nach oben bewegen, ist doch alles ganz einfach. Da kommst Du doch von alleine gar nicht auf die Idee zu verkaufen.

Nur wenn es wirklich hart auf hart kommt, kannst Du Dich in Geduld schulen. Siehe eine Korrektur oder einen Crash daher als Gelegenheit, Dich in Geduld zu üben.

Da ich im Corona-Crash immer voll investiert geblieben bin, war mein Portfolio schnell wieder oben auf und es steht selbst nach den aktuellen Rücksetzern noch gut im Plus. (Hoffentlich beende ich den Artikel schnell genug, bevor sich das am Ende noch ändert.)

Der Corona-Crash 2020 war aber auch kein so gutes Beispiel. So schnell und so heftig wie er gekommen war, war er auch wieder vorbei.

Es dauerte nur wenige Monate um die vorherigen Verluste wieder auszugleichen. Im Prinzip war das ein idealer Anfänger-Crash, um sich in Geduld zu üben.

In manchen Fällen, insbesondere wenn da parallel eine handfeste Rezession abläuft, kann es auch Jahre dauern, bis sich die Aktienwerte wieder erholen. Hier ist echte Geduld – also Leidensfähigkeit – gefragt.

Ein wetterfestes Depot

Um das auszusitzen, brauchst Du neben Geduld ein Portfolio, auf das Du wirklich vertrauen kannst.

Das ist nichts für Stockpicker mit 6 Aktien, die noch nie einen echten Crash erlebt haben. Ich meine hier wirklich ein wetterfestes Portfolio.

Worum es mir auch nicht geht sind teure Absicherungen durch aktives Management wie beim Dirk Müller Premium Aktien Fonds.

Für mich ist das ein Fonds, der so sicher ist, dass man damit ziemlich sicher auch keine Rendite macht.

Ebenso wenig geht es um ETFs im Versicherungsmantel, also sozusagen das “Beste” aus zwei Welten: die Sicherheit einer Versicherung und die Rendite von Aktien.

Die Idee, dass es so etwas wie ein wirklich sicheres Aktieninvestment gibt, muss ich Dir leider nehmen.

Es ist nun einmal klar: Rendite bedeutet Risiko. Wenn Dir jemand erzählt, er oder sie könnte Dir eine hohe Rendite bieten, ganz ohne Risiko, dann lässt das für mich nur einen Schluss zu: Du wirst angelogen.

Entweder sind da doch noch versteckte Risiken oder die Sache ist so sicher, dass die Rendite dann auch auf der Strecke bleibt. Rendite ohne Risiko gibt es nicht – das ist: “Wasch mich, aber mach mich nicht nass!”

Es gibt Risiken, die Du begrenzen kannst, wie z.B. das Ausfallrisiko einzelner Aktien. Wenn Du einfach mit einem breit diversifizierten ETF den ganzen Markt kaufst, können Dir individuelle Pleiten egal sein.

Ein weiteres Risiko ist ein Fondsmanager. Was, wenn der im Crash anfängt zu kaufen und zu verkaufen? Das geht oft schief. Da setze ich lieber auf einen passiven Indexfonds.

Einer Korrektur oder einem Crash entgehst Du so natürlich nicht. Nein. Du machst ihn voll mit. Wie voll Du das aber mitmachen muss, hast Du zumindest ungefähr in der Hand.

Wenn Du Deinem Portfolio Anleihen beimischst, dann schmälert das die Rendite, ja. Der Zweck von Anleihen ist aber auch nicht, Deine Rendite zu verbessern.

Du kannst damit ganz gut steuern, wie hoch Deine Verluste in einem Crash maximal sein dürfen. Wenn Du nicht mehr als 25% temporären Niedergang im Portfolio erträgst, sollte Deine Aktienquote Pi mal Daumen wohl nicht höher sein als ca. 50%.

Liegt Deine Aktienquote bei 100%, dann musst Du Dich auf einen wilden Ritt gefasst machen. Da kann es zweitweise auch mal 50% oder sogar 70% nach unten gehen.

Benötigst Du Dein gesamtes angelegtes Geld im Laufe der nächsten 5-10 Jahren zu einem festgelegten Termin wieder, dann macht es keinen Sinn, es am Aktienmarkt anzulegen.

Kurzum, ein wetterfestes Portfolio ist ein Portfolio, das einigermaßen ordentlich konstruiert ist, dem Du vertraust und das zu Dir persönlich passt.

Das Portfolio muss nicht irgendeinem Experten, Influencer oder Mitglied bzw. Admin Deines Aktien-Forums gefallen.

Beim Portfolio wie in der Liebe gilt, darum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich noch was Besseres findet. Einmal gefunden, solltest Du dann aber Deiner Strategie treu bleiben.

Angst essen Depot auf: Die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie & Umfrage 2Angst essen Depot auf: Die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie & Umfrage 3

Werbung – auf einem solchen Desktop-Bike schreibe ich übrigens am Abend meine Artikel. Nach der Arbeit im Büro benötige ich ja Bewegung.

Fazit: Die Augen-zu-und-durch-Strategie

Hast Du so ein wetterfestes Portfolio, finde ich die Augen-zu-und-durch-Strategie sehr gut. Du machst während einer Korrektur oder Crashs also genau das, was an der Börse oft am besten ist: nichts.

Falls Du natürlich gerade noch Geld hast, dass Du ohnehin gerne anlegen möchtest, kannst Du natürlich auch nachkaufen oder ein Rebalancing vornehmen.

Während eines Crashs ist in der Regel jedenfalls der falsche Zeitpunkt, Deine Strategie zu ändern oder Dein Portfolio umzuschichten.

Das setzt aber, wie gesagt, voraus, dass Du ein Portfolio hast, das dafür geeignet ist. Du solltest Dein Portfolio also im Vorhinein so ausgerichtet haben, dass Du Dir jetzt im Crash keine Gedanken mehr machen musst.

Mit einem breit diversifizierten Portfolio von passiven Indexfonds musst Du Dir keine Sorgen machen, dass Du alles verlierst. Der breite Markt mit mehreren tausend Unternehmen weltweit geht sehr wahrscheinlich nicht Pleite.

Wenn Du dazu noch einen Anleihenanteil im Portfolio hast, der Deiner Risikotoleranz entspricht, musst Du Dir wenig Sorgen machen.

Den Corona-Crash konnte ich so komplett entspannt durchstehen und meine einzige Anpassung war, die Sparrate zu erhöhen.

Wenn Du nach dem Rückgang von zuletzt 7% beim MSCI World nervös wurdest, solltest Du Dich fragen, ob der Aktienanteil in Deinem Portfolio nicht doch zu hoch ist.

War Dein Rückgang deutlich höher, bist Du vermutlich stark in Techwerte oder Einzelaktien investiert und solltest das hinterfragen.

Wichtig ist für Dich also: Du solltest Dein Geld so angelegt haben, dass Du nachts ruhig schlafen kannst und tagsüber einigermaßen entspannt bleibst.

Mit Einzelaktien ist Buy and Hold natürlich herausfordernder als mit einem marktbreiten Index-ETF, weil Einzelaktien ja durchaus schon mal dauerhaft crashen können.

Auch Sparten und einzelne Regionen können stark fallen und auch längerfristig am Boden bleiben. Bitcoins sind natürlich ohnehin nur etwas für starke Nerven und gehören für mich – wenn überhaupt – maximal als geringfügige Beimischung in ein Portfolio.

Und nun?

Steigen die Kurse wieder oder sinken sie nun? Deine Meinung erfahre ich ja durch die Umfrage. Wie es tatsächlich weitergeht finden wir dann demnächst heraus.

In jedem Fall hoffe ich, es ist klar geworden, was Angst essen Depot auf bedeutet und warum die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie keine gute Strategie ist.

Sie führt außerdem unweigerlich dazu, dass Du dann auch zur Ich-steige-ein-wenn-die-Börsen-wieder-steigen-Strategie greifen musst.

Persönlich bevorzuge ich daher ein wetterfestes Depot und die Augen-zu-und-durch-Strategie.

Alles andere geht meiner Meinung nach auf Dauer schief, zumindest als Do-it-yourself-Anleger.

Das war’s eigentlich schon für heute. Na ja, nicht ganz. Wenn Dir der Artikel gefällt, dann teile ihn doch gerne mit Deinen Freunden oder like bzw. kommentiere ihn auf Facebook oder Instagram. Vielen Dank!

Vielleicht hast Du ja auch eine Frage, eine Bemerkung oder sogar einen Fehler gefunden, den ich dringend beseitigen sollte? Auch inhaltliche Kritik ist willkommen, denn so lerne ich auch etwas dazu. Dann kannst Du natürlich auch die Kommentarfunktion unten verwenden.

Wenn Dich interessiert, wie Du ganz einfach in ETFs einsteigen kannst, findest Du hier meine Kurzanleitung.

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12 Antworten zu “Angst essen Depot auf: Die Ich-halte-es-nicht-mehr-aus-Strategie & Umfrage”

  1. Au fein, Rate-Spielchen, hier meine kruden Erguesse/wilden Spekulationen:

    ToDo
    1) Nicht verkaufen, wenn man das Geld nicht braucht. Durchhalten!
    2) Zielmarken setzen fuer Nachkaeufe (zB 10, 15, 20, 25%) und Kauflimits VORHER platzieren.
    3) Sparplaene weiterlaufen lassen, wenn Ansparziel in weiter Ferne (>3J).
    4) Rechtzeitig um Entnahmesystematiken kuemmern (zB bei Georg auf finanzen-erklaert)

    zu 2) Markettiming/Wann Nachkaufen?
    Es ist doch ganz einfach:
    Ist mehr Nachfrage (Geld) da, steigen die Kurse.
    Fehlt die Nachfrage (Geld), stagnieren die Kurse oder fallen gar, wenn mehr Verkaeufer da sind.

    Jetzt muss man nur schaetzen, wer mittelfristig (6-18 Monate) die Oberhand behaelt.
    Die Faktoren sind:
    – a) Geld an der Seitenlinie, Anleger, die noch in den Markt wollen? Schon noch viele?! -> keine grosse Fallhoehe?
    – b) Geldversorgung, im System? “Soll” etwas restriktiver werden? -> Geld wird knapper werden?
    – c) Risikobudgets fuer Aktien-Kaeufe der Big-Players stagnieren/sinken bei stagnierenden/steigenden Zinsen -> weniger Aktien-Kaeufe aus dieser Richtung
    – d) Weitere Margin Calls in ueberbewerteten Assets (Tech, Kryptos), koennen zu erratischen Abverkaeufen auch in breiten Indices durch Spekulanten fuehren?
    – d) Erhoehte Inflation? Wird etwas abflauen aber erhoeht bleiben? -> Umschichtungsdruck aus Geld-Anlagen bleibt hoch, gut fuer Aktien?
    – e) Unternehmensgewinne bedingen etwas die Bewertungsniveaus: stagnieren oder steigen weniger stark als frueher? -> neutral bis leicht negativ fuer Aktien
    – f) Nach soviel Hunger-Jahren fuer Short-Player wird bei Abwaertsbewegungen jetzt mal kraeftiger draufgehauen -> Staerkere (Abwaerts)Bewegungen in Einzel-Aktien voraus?

    Fazit: das Wahrscheinlichste (ohne externe Schocks, wie Wirtschaftskriege etc) ist ein laengerer Saegezahnmarkt (18-36 Mo). Eine grosse Korrektur kommt eher nicht. Deutlich neue Hochs auch nicht.
    Das wird fuer neue Anleger eher zermuerbend sein. Die Amplitude im Saegezahnmarkt wird eher zunehmen als abnehmen (zu erst kaufen die Ungeduldigen, dann haben sie kein Geld mehr und es faellt tiefer …)? Erst, wenn es vielen “schlecht wird” gehts wieder ruhiger?

    Viel Erfolg und schoen im Sattel bleiben
    Joerg

    1. Vielen Dank Joerg!
      Zu den To Dos: Kann man so machen. D’accord.
      @Nachkaufen: ja, wenn man nicht schon voll investiert ist, sind Zielmarken mit vorherigem Kauflimit sinnvoll. Ich bin zuletzt einfach komplett in den Markt rein, als das Geld da war.
      Ob ein Sägezahnmarkt kommt, wir werden sehen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Das wahrscheinlichste ist ja doch, dass sie steigen. Ich habe ja geschätzt, dass die Kurse erst einmal sinken werden – kaum schreibe ich es, steigen sie wieder. 😉
      Wie gut, dass ich immer alle Prognosen ignoriere – auch bzw. vor allem meine eigenen – und munter weiterkaufe.
      Dir ebenfalls alles Gute! Wollen wir mal sehen was das Jahr so bringt. Es wird sicher nicht langweilig.
      Viele Grüße
      Rolf

  2. Wie geht es weiter? Keine Ahnung! Ist mir aber auch egal, weil es keine Auswirkung für mich hat. Sparpläne laufen weiter, Cash auf der Seitenlinie habe ich nicht, das Geld aus den Sparplänen brauche ich aktuell nicht.

    Also alles wie immer. Strategie aufstellen, nur Geld investieren, dass man mindestens mittelfristig (>5-15 Jahre) nicht benötigt, Strategie umsetzen. Fertig.
    Die Börse steigt über viele Monate ohne nennenswerten Rücksetzer? -> Strategie umsetzen.
    Die Börse zeigt einen typischen Rücksetzer (5-10% minus)? -> Strategie umsetzen.
    Die Börse fällt innerhalb weniger Wochen um 30% und mehr? -> Strategie umsetzen.

    “There is nothing new under the sun”. Jeder, der jetzt nervös wird und handeln will hat zwei der 4Gs von Kostolany nicht (Gedanken und Geduld) und wird damit keinen (finanziellen) Erfolg haben. “Back to square one”

  3. Ich fahre 100 % Aktien (ETFs auf 50 % World, 20 % World Small Cap, 30 % EM IMI) und gehe bei jedem Einknicken richtig mit, weil ich radikales Buy and Hold praktiziere.

    Das Einzige, was mich interessiert: ETF-Anteile sammeln, und zwar immer dann, wenn Geld dafür da ist.

    Ich bin 37 Jahre alt und mein Depot schwankt jeden Tag um Faktoren mehr, als ich durch meine berufliche Tätigkeit am selben Tag verdiene. Im damaligen Corona-Crash habe ich versucht, mich für die schnellen und heftigen Verluste zu interessieren, aber es ging einfach nicht: zu langweilig, so als Thema. Mein Geist hatte keine Lust, darüber nachzudenken. Ich fand es etwas aufregend, dass es mal wieder ordentlich scheppert, und habe es genutzt, um meine Charakterfestigkeit zu testen und zu trainieren.

    Außerdem habe ich in diesem Jahr das Kunststück vollbracht, ziemlich exakt vor der Korrektur einen höheren Betrag zu investieren. Ist mir aber auch egal.

    Man muss es sich klarmachen: Im Leben gibt es keine Sicherheit, keine Kontrolle, niemals. Ich hätte auch ein Unternehmen gründen und damit pleitegehen können. Ich hätte auch ein grlßtenteils fremdkapitalfinanziertes Haus kaufen können und mein Eigenkapital komplett verlieren. Habe ich aber nicht. Stattdessen kaufe die die sinnvoll investierbare börsengehandelte Weltwirtschaft – besser kann man es nicht machen. Alles andere liegt nicht in meiner Hand.

    Im Crash zeigt sich, aus welchem Holz jemand geschnitzt ist. Bei schönem Wetter kann Börse jeder.

    1. Tolle Einstellung! Bei uns sind es ja ebenfalls quasi 100% Aktienquote (wenn man mal von den paar EM-Anleihen absieht, die sich aktienähnlich verhalten).

      Es stimmt schon, bei Crash/Korrektur können wir Buy and Hold-Anleger inhaltlich natürlich nur immer wieder das Gleiche sagen. Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass ich es tun muss, auch wenn ich mir dann fast wie ein Papagei vorkomme. Wenn es sich deswegen nur eine Person anders überlegt und nicht zum falschen Zeitpunkt verkauft, dann war es das wert.

      Im Übrigen ist es ja bei vielen Themen rund um ETFs so. Wie Jason Zweig über seinen Beruf als Finanzjournalist sinngemäß sagt: es ist die Kunst, mit immer anderen Worten das Gleiche zu vermitteln. 😉

      Ja, auf den ersten Blick hattest Du wohl schlechtes Timing, aber wer weiß was als nächstes passiert. Wir haben ja auch erst vor einem halben Jahr einen großen Betrag investiert. Aktuell sind wir damit trotzdem noch im Plus. Langfristig ist es ja sehr wahrscheinlich egal. Der Index steigt halt von Tiefstand zu Tiefstand.

      Genau so meinte ich das oben beim Thema Geduld: im Crash kannst Du Dich als Anleger beweisen und Geduld entwickeln. Bei steigenden Kursen kann ja jeder geduldig sein.

      1. So ist es. Ich glaube, dass passive Investoren, die in der Öffentlichkeit auftreten, auch diese Rolle gut übernehmen können: vermitteln, dass man nicht allein ist mit den Verlusten, dass es jedem so geht, dass es niemandem gefällt, aber eben dazugehört. Falls die Korrektur sich zu einem Crash ausweitet, mache ich auch nochmal ne Sonderfolge im Podcast 😉

  4. Ich las neulich eine Zusammenfassung einer Studie (war die hier zitiert?), die schön durchrechnete, dass man gar nicht früh genug einen Markteinbruch mitnehmen kann, sofern man konstant und breit anlegt. Grund: wer früher preiswert kauft, holt nach hinten mehr raus. Von daher ist’s mir Wurscht, und sogar fast lieber jetzt als später, wenn es etwas kracht, sofern Wirtschaft und Staat weiter funktionieren.

    Aber mal eine rein technische(!) Frage an alle, wenn ich darf, hat direkt mit Diversifikation, wetterfest, und weitgehender Unmöglichkeit von Market Timing zu tun und passt hier glaube ich rein:

    Ich habe einen einsamen Banktitel im Depot. Volatil, aber modernes Unternehmen, gute Dividende, vor langen Jahren gekauft; geplante Haltezeit war eigentlich ewig (Buffet) – bis ich mich mehr mit breit streuenden ETFs befasste. Die kann man erst recht ewig halten. Ich würde ihn daher nicht neu kaufen, aber er ist nunmal da, ich zahle keine Gebühr für die Aufbewahrung, und ich habe es eigentlich nicht eilig mit dem Verkauf, abgesehen vom Diversifikationswunsch. Er ist europäisch. Habe kürzlich begonnen, einen europäischen Dividenden ETF zu besparen, der viele meiner Wünsche abdeckt, außer, dass er für meinen Geschmack im Moment einen zu hohen Anteil an Finanztiteln enthält. Nahe liegende Lösung: Einzeltitel verkaufen, ETF kaufen, Diversifikation erreicht. Würdet ihr 1:1 raus/rein gehen, oder den ETF zukaufen und den Einzeltitel per trailing stop verkaufen? Klar, ist immer eine Abwägung von Wahrscheinlichkeiten. Da ich bisher praktisch alles immer gehalten habe, habe ich mich nie groß mit Verkaufen befasst. Es geht hier um keine große Summe, ist eher eine Verständnisfrage. Die Summe ist auch so klein, dass sich Teilschritte aufgrund der Gebühren nicht lohnen. Falls es zu sehr off-topic ist, ignoriert es bitte einfach.

    1. Hallo Karsten, danke für Deinen Kommentar / Deine Frage. Es kann schon sein, dass ich das hier verlinkt hatte. Mir ist auch dunkel so, als hätte ich das mal thematisiert. Ganz so leicht ist es zwar nicht, aber im Prinzip ist es richtig. Was Du früh preiswert kaufen kannst, ist (fast immer) am besten. Ausnahmen gibt es z.B. bei Einzeltiteln, Branchen oder einzelnen Länder-Indizes, die ggf. auch mal länger auf Tauchstation gehen können. Wichtiger als der positive Effekt – der je nach Anlagezeitraum gar nicht unbedingt so groß sein muss – ist vor allem das Mindset, das dadurch entsteht: statt sich über Einbrüch ärgern oder in Angst geraten, sie als Chance erkennen, sich freuen und weiter investieren.

      Tja. Ich habe auch noch so eine Altaktie im Depot – genau genommen sogar zwei. 😉 Eine ist ein Mahnmal, die ich behalte. Sie liegt aktuell bei 95% und soll mich daran erinnern, auch mal eine gute Investment-Idee auszulassen und bei ETFs zu bleiben. Die andere ist BASF. Teils halte ich sie noch aus sentimentalen Gründen, da ich einen persönlichen Bezug zum Unternehmen habe. Außerdem ist es eine Value-Aktie und ich bin ja gerne Value-Investor. Zum anderen denke ich, dass sie als Zykliker doch irgendwann mal wieder gewaltig steigen sollte und ich sie dann mit gutem Gewinn verkaufen kann. Objektiv betrachtet: hätte ich sie vor 3 Jahren verkauft und in einen ETF investiert, hätte ich jetzt wahrscheinlich mehr, als wenn ich weiter darauf warte, sie irgendwann mit Gewinn verkaufen zu können. Es ist zum Glück eine kleine Position um die 1.000€ und daher vergesse ich sie meistens einfach. Im Prinzip macht es aber wenig Sinn, darauf zu warten, ob sich eine Einzelaktie irgendwann doch wieder berappelt. Bei einer Einzelaktie gibt es einfach keine größere Wahrscheinlichkeit auf einen Kursgewinn als bei der Gesamtheit aller Aktien. Wenn ich sie behalte, ist es letztlich eine Wette, dass sie besser läuft als der Durchschnitt aller Aktien bei deutlich erhöhtem Risiko.

      Na gut, ich habe mich jetzt immerhin selbst überzeugt und werde BASF wohl bei nächster Gelegenheit verkaufen. 😉

      Viele Grüße
      Rolf

  5. Der Yogi zeigt Aktiensentimentalität, wer hätte das gedacht 😉 Aber ich kann das verstehen mit dem persönlichen Bezug. Meine Anilin bleibt, und wenn es die letzte ist! Mögen sich eines fernen Tages die Erben dran erfreuen.

    1. Ja. Mein Vater war Aniliner und hat mir jahrzehntelang das hohe Lied auf die BASF vorgesungen. 😉 Es ist auch die einzige Aktie, die er je besessen hat und über die ich als Kind zum ersten Mal von Aktien zu hören bekam.

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