Vorhersagen – Warum bei der Geldanlage Prognosen vertrauen?

Vorhersagen - Bei der Geldanlage Prognosen vertrauen

Das chinesische Neujahr hat gerade begonnen. Auf den Erd-Hund (2018) folgt nun das Erd-Schwein (2019). Wird es für Anleger am Ende des Jahres heißen „Schwein gehabt” oder warten da wieder ein paar Schweinereien an der Börse auf uns? Neujahr ist doch die Zeit, in der die Börsengurus traditionell ihre Prognosen für das kommende Jahr kundtun. Doch was taugen die Vorhersagen? Sollte man bei der Geldanlage Prognosen wirklich vertrauen?

Vorhersagen und Prognosen, damals wie heute

Orakelknochen als Beispiel früher Vorhersagen. Auch heute noch werden bei der Geldanlage Prognosen eingesetzt.
Orakelknochen, 12./13. Jhdt. vor Christus, der zur Vorhersage verwendet wurde, Quelle: National Museum of China [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3

Ob Leberschau im alten Orient, Divination mit pāśaka-Würfeln in Indien oder die Börsenprognosen der Aktiengurus, eines haben sie gemein. Die Menschen suchen, damals wie heute, nach Antworten. Was wird die Zukunft bringen? Diese grundlegende Ungewissheit treibt sie an. Dass, was nicht gewusst werden kann, möchte man so gerne in Erfahrung bringen. In vielen Situationen ist unklar, was richtig oder falsch ist. Es hilft nichts. Entscheidungen müssen getroffen werden und da stützt man sich gerne auf Vorhersagen und Prognosen. Sie bieten Orientierung.

Sehr deutlich zeigt sich diese Ungewissheit heute an der Börse. Vielfältig kommen vor der Geldanlage Prognosen zum Einsatz, wie z.B. die technische Analyse. Die Ansätze zur Vorhersage von Aktienkursen sind vielfältig. Die technische Analyse ist eine eigene Wissenschaft für sich. Man schaut nach Mustern wie dem Doppelhoch, Dreifachhoch, der Schulter-Kopf-Schulter-Formation usw. Es gibt da viel zu lesen und zu interpretieren. Viele der Prognosen und Interpretationsmöglichkeiten sind am Ende widersprüchlich.

Geldanlage und Prognosen

Wie verlässlich sind Vorhersagen?

Eine ketzerische Frage hinsichtlich Geldanlage und Prognosen muss ich nun einfach stellen. Der Finanzguru hält in der Chart nach dem Hindenburg-Omen Ausschau, das den drohenden Crash ankündigt. Der Shang-Priester sieht in bestimmten Rissen von Orakelknochen ein Vorzeichen für die drohende Katastrophe. Ist der Unterschied hier wirklich so groß, dass man im einen Fall von Wissenschaft und im anderen von Aberglaube sprechen kann? Kann man auf der Grundlage solcher Betrachtungen verlässliche Aussagen über die Zukunft erwarten?

So räumte Jörg Scherer, Leiter der Technischen Analyse bei HSBC Trinkaus & Burkhardt gegenüber dem Handelsblatt ein, die technische Analyse sei „zumindest keine exakte Wissenschaft, eher eine Kunst und ganz viel Erfahrung“. Solche Aussagen würde man auch genau so von Astrologen erhalten, die man zu ihrer Zunft befragt. Sie würden sich ebenfalls darauf berufen, dass sehr viel Erfahrung und Wissen notwendig ist, um die Sterne richtig zu deuten. Es gibt in beiden Fällen keine empirisch belegbaren Beweise, dass diese Systeme funktioneren und zuverlässige Prognosen hervorbringen.

Jeden Moment können sich an der Börse große Dramen abspielen oder unerwartete Erfolge einstellen. Wir der DAX 2019 steigen? Kommt der große Crash? Was passiert bei einem harten Brexit? Wird Trump heute auf Twitter den Wirtschaftskrieg mit China weiter anfachen oder beilegen? Stoppt jemand den Brexit und wenn nicht, wird er hart oder weich? Und sollte das eine oder das andere passieren, geht die Börse dann hoch oder runter? Prognostizieren kann das keiner. Welchen der oft widersprüchlichen Vorhersagen sollte man also folgen? Sollte man bei der Geldanlage Prognosen überhaupt berücksichtigen?

Das Primaten-Portfolio hat traurige Berühmtheit erlangt. So sind Schimpansen, die willkürlich 1000 Aktien auswählen, die besseren Anleger. Wenn man sie mit Börsenprofis vergleicht, haben sie über einen Zeitraum von 43 Jahren die Nase vorn. Gerne nutzen erfahrene Fondsmanager bei der Geldanlage Prognosen. Das gezielte Stock Picking der Börsen-Spezialisten scheint auf jeden Fall keine verlässlichen Anlageerfolge zu versprechen. Mit den vorausschauenden Fähigkeiten scheint es nicht ganz so weit her zu ein.

Kann man sich auf die großen Crash-Propheten verlassen?

Die Angst vor dem Crash ist groß. Verständlicherweise möchten Anleger ihr Geld daher rechtzeitig absichern. Man darf aber berechtigte Zweifel haben, ob sich Crashs vorhersagen lassen? Die letzten Jahre waren auf jeden Fall keine gute Zeit für die Crash-Propheten dieser Welt. Entgegen all ihrer Prophezeiungen blieben die Märkte doch überwiegend stabil und entwickelten sich nach oben. Auch heute fehlt vom großen Crash noch immer jede Spur. Letzlich lief es für die Crash-Propheten dann doch nicht so schlecht, denn ihre Bücher verkauften sich gut. Sie tingeln durch die Talkshows und genießen die Publicity.

Die ist sicher nützlich, denn die meisten von ihnen verdingen sich schließlich auch als Fondsmanager. Ihre Performance ist dabei aber oft auch nicht besser als die der Konkurrenz, im Gegenteil. Der Focus hat dies in einem gerade veröffentlichten Artikel eindrücklich gezeigt. Er nimmt die Fonds von Dirk Müller (Machtbeben – Die Welt vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten) und Max Otte (Der Crash kommt) etwas genauer unter die Lupe.

Im vergangenen Jahr wahren ihre Fonds zwar eine gute Wahl, doch über die letzten Jahre betrachtet sieht es anders aus. Da liefen sie dem Markt hinterher. Das Fazit ist verheerend. Die Süddeutsche zitiert den Chefanalysten Ali Masarwah (Morningstar) wie folgt: “Wenn ein Fonds nur darauf ausgerichtet ist, in einem Crash zu performen, dann kann das kurzfristig gut gehen.” Er ergänzt: “Ob das langfristig glücklich macht und das eigene Geld vermehrt, wage ich aber zu bezweifeln.”

Der Crash kommt – Nur wann?

Aber nach all den guten Jahren, wird der Crash da nicht doch bald kommen? Gewiss. Wenn wir eines aus der Vergangenheit gelernt haben, dann, dass es immer wieder zu Crashs kommt. Der nächste große Crash ist bereits überfällig. Die Frage ist nur: wann genau kommt er? Doch darauf liefern die Vorhersagen und Prognosen leider keine exakte Antwort. Sie bleiben vage und nebulös. Sie begnügen sich mit Zeitangaben, die von “in der nahen Zukunft” über “bald” bis hinzu “er ist eigentlich schon überfällig” reichen. Was soll man als Anleger denn mit so etwas anfangen?

Darin besteht eine weitere Gemeinsamkeit mit traditionellen Weissagungstechniken. Auch hier fehlt es meist an Präzision was den genauen Zeitpunkt angeht. Prophezeit man apokalyptische Zustände, hat man es natürlich besonders schwer. Was, wenn der jüngste Tag einfach nicht kommen will? Sagt man hingegen ein Ereignis wie einen Börsencrash voraus, sieht es anders aus.

In der Vergangenheit kehrten kleinere und größere Crashs in unregelmäßigen Abständen wieder. Wartet man nach dem letzten Crash einfach ein paar Jahre, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine Prognose nahe am Ereignishorizont liegt. Dann kann man mit stolz geschwellter Brust durch die Talkshows ziehen und verkünden, “Seht her, ich habe es Euch doch schon immer gesagt!” Potentielle Anleger wähnen sich auf der sicheren Seite. Die Crash-Propheten werden daher nicht müde, den großen Knall vorherzusagen. Und ja, er wird kommen. In der Tat haben sie immer recht. Doch helfen einem bei der Geldanlage Prognosen wie diese? Sollte man seine Anlageentscheidungen wirklich darauf aufbauen?

Gibt es nicht doch Prognosen, die funktionieren?

Konkrete zukünftige Ereignisse lassen sich einfach schlecht vorhersagen. Ja, das ist nicht schön. Das Einzige, was uns als Anlegern in der Gegenwart hilft, um Entscheidungen zu treffen, ist das Wissen über die Vergangenheit. Hier kann es in der Tat Sinn machen, nach Mustern zu suchen. Aus diesen lassen sich durchaus Schlüsse ziehen. Haben bestimmte Verhaltensweisen über sehr lange Zeiträume verlässlich funktioniert, dann ist es wahrscheinlich, dass sie dies auch zukünftig tun werden. Sicher ist es nicht, es besteht aber zumindest eine große Chance.

Schauen wir uns daher kurz an, welche Herangehensweisen an die Geldanlage in der Vergangenheit funktioniert haben. Hier gibt es einige gut untersuchte Muster, wie z.B. die Folgenden, die man sich zu nutzen machen kann:

  • der Aktienmarkt bot kurzfristig zwar hohe Gewinne und Verluste, langfristig ging die Tendenz aber immer nach oben;
  • eine breite Diversifikation über unterschiedliche Anlageklassen und Regionen minimierte die Risiken und erhöhte die Rendite;
  • geringe Kosten bei Indexfonds/ETFs führten durchschnittlich zu höheren Renditen, während höhere Kosten bei Fonds zu niedrigeren Renditen führten;
  • Nebenwerte (Small Caps) hatten eine höhere Rendite als Standardwerte (Large Caps);
  • Selbst Anlageklassen, die historisch eine besonders hohe Rendite einbrachten, konnten auch mal jahrzehntelang dem Markt hinterherlaufen;
  • aktiv gemanagte Fonds hatten tendentiell schlechtere Renditen als passive Indexfonds/ETFs;
  • Substanzwerte schlugen langfristig die Wachsumswerte;
  • ständiges Kaufen und Verkaufen schmälerte die Rendite.

Das war in aller Kürze ein Versuch, die Frage zu beantworten, ob oder warum man bei der Geldanlage Prognosen vertrauen sollte – und wenn ja, welche? Persönlich würde ich aus den genannten Gründen bei der Geldanlage immer eine Strategie bevorzugen, die sich nicht auf konkrete Vorhersagen von Ereignissen stützt. Sofern sich die Zukunft so verhält wie die Vergangenheit, sollte man mit einer Strategie, die auf den oben genannten Punkten aufbaut, nicht allzu schlecht fahren. Ob das sicher ist? Da wage ich keine Prognose, denn wie Paul Merriman betont: Es gibt kein Risiko in der Vergangenheit.

Zu guter letzt noch eine Vorhersage in eigener Sache. Leider bleibt hier nun keine Zeit mehr, diese Punkte weiter auszuführen. Es bestehen allerdings gute Chancen, dass ich darauf in einem zukünftigen Artikel etwas genauer eingehen werde.

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