Der Fall Wirecard und die verschwundenen 1,9 Milliarden

Der Fall Wirecard - Warum ich Wirecard nun aus meinem DACH-wikifolio geschmissen habe?

Wirecard ist in große Probleme geraten und bestimmt Mal wieder die Schlagzeilen. Diesmal ist die Lage allerdings Ernst und auch der Börsenkurs des Unternehmens, dass erst Ende 2018 in den DAX aufgenommen wurde, ist dramatisch gefallen. Ausnahmsweise widme ich diesen Artikel daher Mal einem Einzelunternehmen. Dabei begründe ich auch, warum ich die Aktie auch aus meinem DACH-wikifolio geschmissen habe.

Der Fall Wirecard erregt aktuell die Gemüter und daher möchte ich hier auch ein paar Worte dazu sagen.

Vielleicht wunderst du Dich jetzt, dass ich Wirecard ausgerechnet auf einem ETF-Blog bespreche.

Hier spielen Einzelaktien doch normalerweise keine große Rolle. Selbst bin ich auch nicht in Wirecard investiert.

Tatsächlich betreibe ich aber auch drei wikifolios und in einem davon, „Alternativer Dachs“, war Wirecard bis gestern dabei.

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Wie gesagt, „war“, denn ich habe ich hier nun die Reißleine gezogen.

Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe, die ich gerne darlegen möchte.

Der Fall Wirecard und die verschwundenen 1,9 Milliarden

Ein DAX-Unternehmen, dem so eben Mal 1,9 Milliarden Euro abhanden gekommen sind. Das kann doch nicht sein, oder? Anscheinend doch.

Man kennt das ja:

 „Schatz! Wo sind eigentlich die 50,00 €, die ich dir gegeben habe?“

„Keine Ahnung. Ich weiß nicht mehr, was ich damit gemacht habe.“

So etwas kann schon mal passieren – wenn man nicht gerade ein Zahlungsdienstleister ist, und eine Tochtergesellschaft Wirecard Bank AG, mit Banklizenz hat. Dann ist das doch irgendwie peinlich.

Ja. Hier besteht ein Risiko, dass die 1,9 Milliarden einfach verschwunden bleiben.

Die mehrfach verschobene Veröffentlichung des Jahresabschlusses fiel gestern jedenfalls aus.

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young verweigerten dies mit der Begründung, dass entscheidende Belege für Bankguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro fehlen würden.

So bestätigte Vorstandschef Markus Braun mittlerweile in einem Video:

„Laut EY gibt es Hinweise darauf, dass den Wirtschaftsprüfern von einem Treuhänder –  oder aus dem Bereich dieser Banken – zu betrügerischen Zwecken falsche Saldenbestätigungen vorgelegt wurden.“ … „Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard AG in einem Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist.“

Autsch! So schnell kann es gehen. Kaum war dieser Artikel online, trat Markus Braun auch schon zurück…

Kredite in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro in Gefahr

Als wäre das nicht schlimm genug, wurde gestern bekannt, dass Kredite in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro in Gefahr sind.

Sie können anscheinend gekündigt werden, wenn das Unternehmen heute keinen von den Wirtschaftsprüfern testierten Jahres- und Konzernabschluss vorlegen kann – was wohl schwer vorstellbar ist.

Manche mutmaßen nun, dass dem Unternehmen nun sogar die Insolvenz drohen könnte.

Wirecard und mein wikifolio-Musterportfolio “Alternativer Dachs”

Alternativer Dachs

Wie oben erwähnt, befindet sich Wirecard auch in meinem wikifolio „Alternativer Dachs“.

In diesem Musterportfolio sind hauptsächlich Aktienwerte aus dem DACH-Raum, also Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH), aber auch andere mit Deutschland-Bezug (z.B. Airbus).

Hier finden sich also vorallem Werte aus DAX, MDAX, SDAX, TecDAX, SMI, SMI MID und ATX.

Was tun mit Wirecard im DACH-wikifolio?

Da stand ich also nun vor der Entscheidung: was tun mit Wirecard im DACH-wikifolio?

Gestern habe ich erst einmal die Entwicklungen abgewartet, aber auch heute sieht es nicht besser aus.

Normalerweise habe ich mich ja – auch in den wikifolios – dem ultimativen Buy & Hold verschrieben und wollte dies auch in den wikifolios so aufrecht halten.

Anbetracht der Situation, habe ich mich nun aber doch entschlossen, zu verkaufen.

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Die nächste Frage wird nun sein, wer Wirecard ersetzen soll.

Vielleicht hast Du ja einen Vorschlag für mich? Dann hinterlasse doch unten einen Kommentar.

Wirecard und Vertrauen

Einerseits, erinnert mich die Situation ein bisschen zu sehr an Steinhoff. Andererseits, gab es ja in der Vergangenheit schon viele Gerüchte rund um Wirecard.

Neben der brenzligen Situation, ist der Grund, für mich nun auszusteigen, aber noch ein weiterer: bei Banken und Zahlungsdienstleistern ist Vertrauen sehr wichtig.

Das sehe ich hier massiv beschädigt . Sätze, wie der folgende, von der Webseite der Wirecard AG, klingen doch jetzt irgendwie wenig glaubwürdig:

“Um Sie bei der digitalen Zahlungsabwicklung optimal vor Zahlungsausfällen, Datenmissbrauch und Betrugsversuchen zu schützen, setzt Wirecard auf modernste Sicherheitstechnologien.”

The blind leading the blind?

Mancher Kunde wird sich nun sicher fragen, wie ihn ein Unternehmen vor Betrugsfällen schützen will, dem vielleicht gerade so eben Mal 1,9 Milliarden Euro abhanden gekommen sind.

Mir würde das Vertrauen in Wirecard jetzt jedenfalls fehlen.

Selbst wenn das Unternehmen jetzt noch die Kurve bekommt, die 1,9 Milliarden wieder auftauchen und die Kredite nicht verloren gehen, hat es für mich nun ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem.

Im wikifolio habe ich Wirecard daher verkauft, wenn auch mit deutlichen Verlusten.

Ich sehe hier kurzfristig zu viel Gefahr und mittelfristig wenig Chancen.

Den Fehler habe ich einmal gemacht, einen Wert einfach weiterlaufen zu lassen und zulange zuzuschauen.

Er liegt heute noch als Depotleiche im Portfolio – wobei es sogar eine Chance auf Erholung gibt. (Nein. Es ist nicht Steinhoff.)

Da realisiere ich nun lieber einen kleinen Verlust, gehe aber nicht ganz auf 0.

Mittelfristig sehe ich einfach wenig Spielraum, dass Wirecard sich schnell wieder erholt und die Konkurrenz dürfte nun einfach das Feld übernehmen.

Mir fehlt hier jetzt auch als Anleger das Vertrauen in Wirecard.

Ich habe diese ständigen Skandale langsam auch irgendwie satt. Auch im normalen Leben mag ich keine Divas…

Aber vielleicht irre ich mich da auch. Denn mit Vorhersagen, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen, tue ich mich schwer und Einzelaktien sind ja sonst nicht so mein Ding.

Der Fall Wirecard und die Aktienkultur in Deutschland

Auch für das zarte Pflänzchen der Aktienkultur ist der Fall Wirecard ein herber Schlag.

Die Deutschen haben doch auch so schon Angst vor Aktien. Jetzt werden sich viele erst recht bestätigt fühlen. Leider.

Dabei gibt es doch so viele andere gute Unternehmen oder – am besten – gleich einen breit diversifizierten ETF auf globale Titel.

Persönlich investiere ich mein Geld auch weiterhin viel lieber in ETFs.

Ein Fall, wie der aktuelle ist zum Glück eher selten, aber Einzelaktien bringen eben immer etwas Aufregung mit sich.

Da kann halt auch Mal etwas Unvorhergesehenes passieren.

Bei der Geldanlage brauche ich das eigentlich eher nicht und schlafe lieber gerne ruhig.

Wie siehst Du das? Hast Du selbst Wirecard-Aktien? Mache ich da einen Fehler? Sollte ich es dieses Mal besser auch wieder aussitzen?

Auf Deine Kommentare und Anregungen freue ich mich bereits! Hinterlasse doch gerne eine kurze Nachricht und sag mir, was Du von dem Artikel hältst. Neben Lob und freundlichen Worten sind kritische Anmerkungen ebenfalls willkommen.Sie helfen mir dabei, den Artikel zu verbessern.

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5 Antworten zu “Der Fall Wirecard und die verschwundenen 1,9 Milliarden”

  1. Hallo lieber Yogi, ich habe auch Wirecard Aktien, hatte vor ca. 5 Monaten für 8000 Euro gekauft, bevor Wirecard in den Dax kam. Klang alles gut und wurde auch von diversen Aktienzeitschriften empfohlen. Es ist so schade, denn in der Tat sind viele Deutsche aktienscheu (was ich bis heute nicht verstehe). Ein Traum wäre es, wenn sich herausstellt, dass wirecard doch keine Gelder veruntreut hat, aber offenbar schwinden die Chancen.

    1. Hallo Robert,

      das zeigt für mich wieder einmal, wie sinnvoll ein weltweites, marktbreites ETF Portfolio ist. Erst Lufthansa, nun Wirecard..selbst für DAX-ETF Anleger war das Jahr nochmal deutlich turbulenter als für alle anderen.
      Und Bilanzen zu lesen hilft offenbar auch nur so lange, wie die Bilanzen auch echt sind.

    2. @Robert,
      im Namen aller Breit-Index-Weltportfolio-ETF-Anleger sprechen wir dir Beileid aus.

      Wir alle haben uebrigens auch Wirecard-Aktien im Depot: im iSh core MSCI WORLD ist Wirecard mit ungefaehr 0,00% ausgewiesen bei iShares.com, also 0,001%, in der Marktkapitalisierungs-Rangliste knapp um Platz 1.590 (von zZ ~1.620 Bestandteilen, sampling).

      Allerdings trifft es einen von uns nominal erst so schlimm, wie dich, wenn das Depot 8.000€ / 0,00004 = 200 Mio€ gross waere.
      Du warst mutig (ueberconfident?) und hast auf Einzelaktien gesetzt. Das hat sich diesmal nicht ausgezahlt.
      Viel Glueck beim naechsten Mal …

      LG Joerg
      (oder doch mehr Breit-ETFs in’s Depot?)

      1. aha, wenn man die kleiner und groesser Zeichen verwendet, heisst das “Auslassen”
        ich hatte geschrieben:
        ist Wirecard mit ungefaehr 0,00% ausgewiesen bei iShares.com,
        ” also kleiner 0,005% und groesser 0,001%,”
        in der Marktkapitalisierungs-Rangliste knapp um Platz 1.590 (von zZ ~1.620 Bestandteilen, sampling)

    3. Hallo Robert, tut mir Leid, dass zu hören. Mittlerweile scheint es ja in der Tat so, als würden die Hoffnungen immer geringer. Mir haben auch immer wieder Leute aus meinem Umfeld geraten, in Wirecard zu investieren, da das viel lukrativer wäre als ETFs. Natürlich haben die tollen Performances gelockt, aber Performance hängt halt meist auch eng mit Risiko zusammen. Anlagefehler macht jeder. Ich habe auch meine Depotleichen. Es ist eben die Frage, wie man damit umgeht. Persönlich habe ich mich irgendwann entschieden, nur noch auf ETFs zu setzen. Das muss aber jeder selbst wissen.

      Für die Zukunft viel Erfolg und Deine Verluste tun mir ehrlich Leid!
      Gruß,
      Rolf

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