Taschengeld, Kindererziehung & 3 Töpfe

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Taschengeld und Kindererziehung sind ein schwieriges Thema. Zunächst einmal reden wir nicht gerne über Geld, auch nicht mit unseren Kindern. Die werden das doch schon irgendwo lernen in der Schule. Ach so, tun sie gar nicht? Na ja, dann aber immerhin irgendwann später in Ausbildung oder Uni. Wie? Selbst im Studium der Betriebswirtschaftslehre gibt es da wenig praktisches?

Tja, von wem soll Dein Kinder es dann also lernen? Da hätte ich einen Tipp. Schau doch einfach mal in den Spiegel. Wenn man wirklich möchte, das ein Kind etwas lernt, sind die Eltern gefragt. Kinder lernen ja zuallerst einmal von unserem Vorbild.

Sind wir da aber überhaupt ein gutes Vorbild? Leider gehen viele Eltern selbst schlecht mit Geld um. Wenn wir das feststellen, sollte das aber umso mehr ein Ansporn sein, sich eine ordentliche finanzielle Grundbildung anzueignen. In dem Fall, hat unser Kind dann gleich doppelt etwas davon: es kann dann wirklich von unserem Vorbild lernen und werden später einmal vielleicht nicht von der finanziellen Unterstützung unsere Kindes abhängig sein oder noch besser: haben am Ende sogar noch etwas zu vererben.

Spaß beiseite. Die Forschung, insbesondere die behavioral finance, zeigt die Bedeutung der Verbindung zwischen dem Umgang mit Geld und unseren Emotionen auf. Auch Eltern, die sich nicht beruflich mit Finanzen beschäftigen, sollten ein Interesse daran haben, ihren Kindern ein paar grundlegende Prinzipien zu vermitteln, die für ihr ganzes Leben bedeutsam sein könnten.

Zum Glück gibt es heutzutage ja für alles Ratgeber und Anleitungen. Vor kurzem bin ich auf folgendes Buch aufmerksam geworden, dass einige wertvolle Anregungen enthält: Ron Lieber, The Opposite of Spoiled: Raising Kinds Who are Grounded, Generous and Smart About Money*.

Für alle die nicht gerne Englisch lesen, gleich die freudige Nachricht. Als ich anfing an dem Artikel zu schreiben, stellte ich fest, dass das Buch unter dem Titel Die Verwöhnfalle * längst auch auf Deutsch erhätlich ist. Ich würde nicht alles, was in dem Buch steht, direkt unterschreiben, es hält aber wirklich ein paar interessante Ratschläge bereit. Über einiges kann man Nachdenken. Ein paar der Ideen möchte ich Dir hier gerne präsentieren.

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Lasst uns über Geld reden

Die Verwöhnfalle * beginnt gleich mit dem eindringlichen Appell, mehr über Geld zu reden. Die Botschaft ist klar. Das Thema Geld wird unsere Kinder wohl ihr ganzes Leben begleiten. Es ist nichts, was wir ausblenden sollten. Es fängt beim Thema Taschengeld an, der Frage welchen Wert Dinge haben und warum manche mehr und manche weniger besitzen. Wie immer man dazu stehen mag, es ist kein Thema, das man tabuisieren sollte.

Über Geld zu reden, führt nicht dazu, das Kinder geldgierig oder geizig werden, sondern es befriedigt ihr grundlegendes Bedürfnis, zu lernen. Wenn Sie Fragen dazu stellen, sollten wir sie daher nicht abblocken sondern zunächst einmal versuchen herauszufinden, worum es ihnen dabei geht, also z.B. “Warum fragst Du?” Manchmal kann sich hinter der Frage nach den Finanzen der Eltern auch eine Angst verbergen.

Aber auch für uns Erwachsene ist das ein guter Tipp. Es kann sich auch für uns lohnen über Geld nachzudenken. Wie legen wir unser Geld an. Bilden wir uns zum Beispiel selbst eine Meinung, was wir mit unserem Geld anlegen oder vertrauen wir Beratern? Sparen wir mit kostengünstigen ETFs oder Vertrauen wir in Einzelaktien oder Fonds?

Taschengeld für Kind muss sein, klar

Taschengeld ist natürlich sinnvoll. Dadurch lernt das Kind, mit Geld umzugehen. Darin liegt der primäre Zweck des Taschengeldes. Es geht nicht darum, Kinder dadurch für die Mitarbeit im Haushalt zu belohnen. Machen wir das Taschengeld von der Mitarbeit im Haushalt abhängig, gerät die Arbeit in das Zentrum der Aufmerksamkeit und Geld ist dann nur die dazugehörige Belohnung.

Taschengeld ist in erster Linie eine Gelegenheit, den Umgang mit Geld zu erlernen. Kinder lernen, zu sparen und auszugeben. Es ist doch besser, wenn sie das mit wenig Geld als Kinder lernen, als wenn sie ihre Fehler erst im Erwachsenenalter mit deutlich mehr Geld machen.

Dementsprechend kann man mit kleinen, regelmäßigen Beträgen beginnen, sobald die Kinder zählen können. Dadurch entwickeln sie dann vielleicht auch ein Interesse an leichten Rechenübungen. So lernen sie dann vielleicht bereits Geduld. Mein Sohn ist 6 und spart aktuell ganz fleißig auf eine “größere Anschaffung”. Nach 5 Monaten des eifrigen Sparens ist er jetzt kurz vor seinem Ziel.

Gerade in unserer schnellen Welt, die auf maximale Bedürfnisbefriedigung in kürzester Zeit optimiert ist, haben Kinder es schwer, Geduld zu lernen. In diesem Zusammenhang kann man Taschengeld gezielt einsetzen. Kinder müssen erst einmal sparen und warten, bis sie sich eine bestimmte Sache leisten können.

So kann man Geld geschickt verwenden, um Kinder bei der Entwicklung bestimmter Charaktereigenschaften und Eigenschaften wie der Geduld, aber eben auch Freigiebigkeit oder Bescheidenheit zu unterstützen. In diesem Zusammenhang findet sich im Buch ein hervorragender Tipp zum Thema Belohnungsaufschub (delayed gratification).

Die drei Töpfe und Belohnungsaufschub

Lieber schlägt vor, das wir beim Taschengeld auf drei Töpfe zurückgreifen. Der erste Topf “Ausgeben” (Spend) für Impulskäufe reserviert, der zweite Topf “Sparen” (Save) für “größere Anschaffungen” und der dritte Topf “Spenden” (give) für wohltätige Gaben. Gemeinsam mit dem Kind handelt man aus, wieviel jeweils in welchen Topf geht.

Beim Thema Sparen rät Lieber dazu, dass man Anreize für Sparen schaffen sollte. Das könnte dann zum Beispiel so aussehen. Für jeden Betrag, der zum Beispiel ein halbes Jahr im Topf sparen bleibt, erhält das Kind einen kleinen zusätzlichen Betrag (Zins). So erhält das Kind einen Anreiz und lernt den Belohnungsaufschub.

Besonders gut gefällt mir auch der “Spenden”-Topf. Hier lernt das Kind, wie schön es ist, anderen etwas zu schenken. Da sollte man das Kind dann auch durchaus ermutigen, Nachforschungen anzustellen und sich zu überlegen, wofür es spenden möchte.

Auch in diesem Punkt ist es gut, wenn die Eltern Kinder über ihre eigenen Spenden informieren. Die Eltern können dann als Vorbild fungieren. Wenn Kinder nicht mitbekommen, dass ihre Eltern spenden, wie sollen sie es sonst auch lernen.

Taschengeld, Kindererziehung und Belohnungaufschub

Natürlich darf bzw. muss es auch Grenzen geben, wenn Kinder Dinge kaufen möchten, die ihr als Eltern für unsinnig oder schädlich erachten. Nicht jede Entscheidung muss hier ausdiskutiert werden.

Gerade das Thema Belohnungsaufschub halte ich für sehr wichtig. Der berühmte Marshmallow-Test hat dies eindrucksvoll gezeigt. Der Psychologe Walter Mischel testete damit bei 4-6 Jährigen, wie diese auf Verlockungen reagieren. Schafft man es zu warten und bekommt dann eine Belohnung oder holt man sich das Objekt seiner Begierde sofort?

Es stellte sich im Langzeitversuch dabei heraus, das die Disziplinierten, die lange warten konnten, später besser in der Schule waren, eher einen Uni-Abschluss schafften, seltener Drogen nahmen und ein stabileres Sozialleben hatten.

Das deckt sich auch mit buddhistischen Vorstellungen, die Geduld als eine wesentliche Tugend definieren, die entscheidend ist für den Erfolg in allen Lebensereichen und so sagt der indische Meister Shantideva, dass es keine innere Kraft gibt, die mit jener der Geduld vergleichbar sei.

Das Gute ist, der Belohnungsaufschub lässt sich erlernen und die von Lieber aufgezeigte Methode mit den 3 Töpfen eignet sich da ganz hervorragend dafür.

Jugendliche dürfen durchaus arbeiten

Der folgende Ratschlag betrifft vor allem ältere Kinder. Selbstverständlich geht es hier nicht um Kinderarbeit, aber ab einem gewissen Alter können Kinder durchaus kleinere Tätigkeiten gegen Bezahlung verrichten. Wenn ich zurückblicke, hatte ich vor dem Abitur doch bereits eine ganze Menge Jobs. Bereits früh trug ich die evangelische Gemeindezeitung aus, arbeitete dann eine kurze Zeit in der Getränkerücknahme eines Supermarktes, als Verkäufer in einem Jeansgeschäft und machte Telefonmarketing.

Für kurze Zeit war ich nach der Schule sogar als Finanzberater für den Allgemeinen Wirtschaftsdienst tätig. Ich erhielt da zahlreiche Schulungen, konnte am Ende aber nur einen einzigen zahlenden Kunden vorweisen: mich selbst. Das Geschäftsmodell mit der Pyramidenstruktur sah vor, dass man zunächst das eigenen Umfeld nach Kunden abgrasen sollte. Das widerstrebte mir zutiefst und ich verweigerte mich. Den geschlossenen Immobilienfonds, den ich mir selbst verkaufte, hielt ich immerhin knapp 10 Jahre. Er erwies sich aber nicht gerade als der beste Renditetreiber und ich bin froh, dass ich ihn keinem meiner Verwandten oder Freunde angedreht hatte.

Auch wenn mir das damals nicht bewusst war, hatte ich in all diesen Tätigkeiten viel gelernt und profitiere sicher noch heute von einigen der Kompetenzen. Ich habe gelernt zu verkaufen, professionelle Geschäftstelefonate zu führen und bin gegen Finanzberater immunisiert. Solche Erfahrungen sollten wir unseren Kindern doch nicht vorenthalten.

Außerdem habe ich natürlich gelernt, das Geld nicht auf den Bäumen wächst und harte Arbeit anstrengend ist und eine gute Ausbildung sehr viel wert. Auch das ist eine Einsicht, die ich mir für mein Kind wünsche.

Fazit

Lieber schafft es in die Verwöhnfalle recht gut, aufzuzeigen, wie wir Geld in der Erziehung konstruktiv einsetzen können und verhindern, dass wir unsere Kinder zu sehr verwöhnen bzw. verziehen. Persönlich habe ich mir aus der Lektüre einige Anregungen mitgenommen. Das Thema Belohnungsaufschub halte ich für sehr wichtig. Die Drei Töpfe möchte ich demnächst sehr gerne aufgreifen und bei der Erziehung unsere Kindes ausprobieren.

Was hältst Du von diesen Ideen? Ich würde mich sehr über Dein Feedback oder Deine eigenen Erfahrungen freuen!

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2 Antworten zu “Taschengeld, Kindererziehung & 3 Töpfe”

    1. Hallo,
      schöner Artikel. Ja, das Feedback bekommst Du noch. Aktuell sind bei mir so viele Überstunden angesagt, dass ich für den Blog nicht ausreichend Zeit finde, aber eventuell schaffe ich es dieses Wochenende.
      Gruß, Rolf

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