DISQ-Test: Wertpapier-Sparpläne von 16 Finanzinstituten

DISQ-Test: Wertpapier-Sparpläne von 16 Finanzinstituten 1

Bei Wertpapier-Sparplänen gilt: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Um die Entscheidung etwas leichter zu machen, testete das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) bei 16 deutschen Finanzinstituten die Angebote für Wertpapier-Sparpläne.

Zinsen für Tages- und Festgeldangebote sind dank Negativzinsen derzeit nicht gerade attraktiv für Sparer. Viele Anleger orientieren sich daher um. Sie halten nach Wertpapieren Ausschau. In diesem Segment gibt es derzeit viele Möglichkeiten mit Wertpapier-Sparplänen systematisch an der Vermögensbildung zu arbeiten.

Die Palette reicht von Aktien-Sparplänen, Zertifikate-Sparplänen und klassischen Fonds-Sparplänen bis hin zu den von mir präferierten ETF-Sparplänen. Das Angebot ist dabei ebenso vielseitig wie Konditionen, Service und Preis.

So stellt DISQ in einer aktuellen Pressemitteilung fest: “Es gibt deutliche Unterschiede, nicht zuletzt bei den Kosten. Das zeigt der Test des Deutschen Instituts für Service-Qualität, das die Sparplan-Produkte von 16 überregionalen Finanzinstituten untersucht hat. “

… und mal ehrlich. Kosten ist ja das, was uns Anleger bei Wertpapier-Sparplänen doch am meisten interessiert, oder nicht?

Flexibilität im Angebot bei Wertpapier-Sparplänen

Bei den Mindestsparraten gibt es große Unterschiede. Kannst Du bei manchen Wertpapier-Sparplänen bereits mit 25€ pro Monat einsteigen, sind bei anderen Anbietern 50€ oder gar 100€ notwendig. Beim neuen Discount-Broker Smartbroker, den ich vorgestern ausführlich besprochen habe, sind es in der Regel 25€. Bei Aktien-Sparplänen beträgt die Mindestsparrate allerdings 125€.

Auch die Sparintervalle unterscheiden sich deutlich und variieren meist zwischen folgenden Optionen: monatlich, zweimonatlich, quartalsweise, halbjährlich und jährlich.

Laut DISQ-Pressemeldung ist bei allen der 16 “untersuchten Instituten eine monatliche Einzahlung in den Sparplan möglich, sieben der 16 Banken bieten aber deutlich größere Flexibilität: Hier haben Anleger die Wahl zwischen vier oder fünf verschiedenen Sparintervallen.”

Kosten und Gebühren

Generell gilt bei Wertpapierkäufen häufig das Motto “Im Einkauf liegt der Gewinn.” Bei Wertpapier-Sparplänen finden jedoch regelmäßige Käufe statt, die dazu führen, dass Anleger die Papiere zum Durchschnittskostenpreis (Cost Average) erwerben.

Bei Wertpapier-Sparplänen liegt der Fokus daher natürlich mehr auf Kosten und Gebühren. Den Löwenanteil machen hier natürlich die Produktkosten aus. Hier haben sicherlich Aktien und ETFs, aber auch Zertifikate, einen Vorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds, die oft sehr hohe jährliche Gebühren haben.

“Anleger sollten zunächst die individuell passende Produktkategorie wählen und im zweiten Schritt die Konditionen vergleichen – gerade im Bereich der ETF-Sparpläne gibt es zum Beispiel zahlreiche Angebote ganz ohne Ordergebühr”, so DISQ-Geschäftsführer Markus Hamer in der Pressemitteilung.

Bei ETFs gibt es mittlerweile in der Tat zahlreiche kostenlose Wertpapier-Sparpläne. Die meisten beschränken sich auf Aktionsangebote, aber mit Trade Republic gibt es bereits auch einen Anbieter, der dauerhaft kostenlose ETF-Sparpläne für iShares-ETFs anbietet.

Welche Finanzinstitute wurden von DISQ getestet?

Hier eine alphabetische Übersicht der von DISQ getesteten Finanzinstitute nebst Kategorien in denen diese für den Test der Wertpapiersparpläne angetreten sind:

Consorsbank (ETF, Fonds, Zertifikate, Aktien), Comdirect Bank (ETF, Fonds, Zertifikate, Aktien), Commerzbank (ETF, Fonds, Zertifikate), Flatex (ETF, Fonds), DKB Deutsche Kreditbank (ETF, Fonds), GLS Bank (Fonds), Hypovereinsbank (ETF, Fonds), ING (ETF, Fonds, Zertifikate, Aktien), Maxblue (ETF, Fonds, Zertifikate, Aktien), Moneyou (Fonds), Onvista Bank (ETF, Fonds, Zertifikate), Postbank (ETF, Fonds), S Broker (ETF, Fonds, Zertifikate, Aktien), Targobank (ETF, Fonds), Volkswagen Bank (ETF, Fonds) und 1822direkt (ETF, Fonds, Zertifikate).

Test-Ergebnisse der Wertpapier-Sparpläne

Test-Ergebnis der ETF-Sparpläne

Da ich das Ergebnis des Tests der ETF-Sparpläne besonders interessant finde, gebe ich ihn voll wieder. In diesem Test finden sich nur 14 der 16 Finanzinstitute, da 2 (Moneyou und GLS) keine ETF-Sparpläne anbieten.

RangFinanzinstitutPunkteQualitätsurteil
1.Flatex 83,0sehr gut
2.Comdirect Bank80,6sehr gut
3.Consorsbank 80,2sehr gut
4.DKB Deutsche Kreditbank77,0gut
5.Maxblue 76,0gut
6. S Broker74,6gut
7. 1822direkt64,5befriedigend
8. Onvista Bank63,9 befriedigend
9. Postbank 59,8ausreichend
10 ING 54,5ausreichend
11. Commerzbank54,3ausreichend
12. Volkswagen Bank49,6ausreichend
13. Targobank 49,5ausreichend
14. Hypovereinsbank 43,5ausreichend

Quelle: DISQ

Beim Vergleichstest 2018 war flatex noch nicht in der Kategorie ETF dabei und schafft es gleich aus dem Stand von 0 auf Platz 1. Die Comdirect verbessert sich um 2 Plätze vom vierten auf den 2. Platz. Die Consorsbank, Gewinner des letzten Tests, wird auf Platz 3 durchgereicht. Die letzten drei Plätze bleiben hingegen unverändert wie im letzten Jahr.

Test-Ergebnis Fonds-Sparpläne

Bei den Fonds-Sparplänen wurden 16 Finanzinstitute getestet. Die ersten Plätze gingen an:

1. Consorsbank, 2. Flatex und 3. Targobank.

Test-Ergebnis Zertifikate-Sparpläne

Bei den Zertifikate-Sparplänen hatten alle der 16 Finanzinstitute Angeboite, die getestet werden konnten. Die ersten Plätze belegten:

1. Comdirect Bank 2. Consorsbank und 3. S Broker.

Test-Ergebnis Aktien-Sparpläne

Bei den Aktien-Sparplänen waren 8 Finanzinstitute im Rennen. Die vorderen Plätze gingen an:

1. Consorsbank, 2. S Broker und 3. Comdirect Bank.

Alle ausführlichen Ergebnisse findest Du hier.

Fazit zum Test-Ergebnis der ETF-Sparpläne

Das Deutsche Institut für Service-Qualität zieht folgendes Fazit:

Testsieger in der Kategorie Fonds-Sparplan ist die Consorsbank. Das Finanzinstitut offeriert über 600 aktiv gemanagte Fonds; auch die Zahl an entsprechenden Produkten ohne Ausgabeaufschlag ist vergleichsweise hoch. Den ersten Rang im Bereich der ETF-Sparpläne belegt Flatex mit dem größten Angebot; zudem wird für eine Vielzahl an ETFs keine Kauf-/Ordergebühr erhoben. Bester Zertifikate-Sparplan-Anbieter ist die Comdirect Bank. Die Direktbank profiliert sich etwa mit niedrigen Einstiegsraten von 25 Euro, einem großen Produktportfolio und vergleichsweise geringen Gebühren. In der Kategorie Aktien-Sparpläne rangiert wiederum die Consorsbank auf Platz eins. Mitentscheidend ist ein sehr großes Angebot, das auch Sparpläne auf ausländische Aktien umfasst, sowie moderate Kosten.

Wie aussagekräftig sind Tests von Wertpapier-Sparplänen eigentlich?

Vergleichbarkeit von Tests – Wenn Gewinner und Verlierer die Plätze tauschen

In der Kategorie Wertpapier-Sparpläne ETF unterscheidet sich das Ergebnis von DISQ dadurch ziemlich von der Wertung des Broker-Vergleichs 12/2019 von extraetf.com. Beim voreingestellten Ordervolumen von 1.000€ belegt flatex dort lediglich die Note gut und damit den 10. Platz. Der extraetf.com-Testsieger ING landet bei DISQ hingegen abgeschlagen auf Platz 10.

In zwei zeitlich doch sehr nahe beieinander liegenden Test, tauschen hier Erstplatzierter und ein Mitbewerber von den hinteren Rängen mal locker die Plätze. Schon erstaunlich.

Wundern tut mich das nicht. Das Ranking steht und fällt mit den Testkriterien. Ich lege bei Brokern und Wertpapier-Sparplänen meine eigenen Kriterien an und da würde es vermutlich keiner der beiden auf den ersten Platz schaffen.

Was schließe ich daraus. Jeder der am Test beteiligten Broker könnte es im Prinzip wohl auf eine der Top-Positionen schaffen. Es kommt einfach auf die Beurteilungskriterien an, die angelegt werden.

Nicht das ich DISQ oder extraetf.com hier Manipulationen zugunsten eines der Finanzinstitute unterstelle. Keineswegs. Doch würde man es darauf anlegen, könnte man solche Test tatsächlich sehr leicht beeinflussen. Es käme nur darauf an, die Beurteilungskriterien passend zu definieren.

Letztlich solltest Du Dir überlegen, welche Kriterien Dir bei der Broker-Wahl wichtig sind. Dann ist es notwendig, selbst zu recherchieren. Globale Tests wie dieser können Dir zwar eine Hilfe sein und erste Orientierung geben, darauf verlassen solltest Du Dich jedoch nicht.

Im Vergleich – sozusagen ein Vergleichs-Vergleich – scheint mir der Test und Vergleich von extraetf.com reifer und besser aufgebaut zu sein. Er ist deutlich flexibler und einzelne Parameter lassen sich verändern, wodurch sich das Ranking interaktiv anpasst. Das ist sehr sinnvoll.

Kritik am DISQ-Test von Wertpapier-Sparverträgen

Flexibilität bei den Sparintervallen und -raten schwer vergleichbar

Auf die Flexibilität bei Sparintervallen und -raten legt der DISQ-Test viel wert. Das ist auch durchaus ein wesentlicher Aspekt. Im direkten Vergleich ist er aber nur bedingt aussagekräftig, insbesondere wenn die Parameter unterschiedlicher Anleger nicht flexibel in den Test mit einfließen.

Wertpapier-Sparpläne im Test. Das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) hat Sparpläne von Fonds, ETFs, Zertifikaten und Aktien bei 16 Finanzinstituten untersucht.

Schau Dir z.B. Broker mit niedrigen pauschalen Ausführungsgebühren an, wie OnVista oder die DKB. Diese haben logischerweise weniger Ausführungsintervalle und wäre damit unflexibler.

Wieso? Nun. Das ist eine reine Kostenfrage. Bei prozentualen Ausführungsgebühren ist es natürlich unerheblich, ob ein Kunde seine Sparraten bündelt oder nicht. Bei 12 Ausführungen à 100€ ergeben sich 1.200€ pro Jahr. Bei Kaufkosten von 1,75% kommst Du so auf 21€ pro Jahr.

Bei einem Wertpapier-Sparplan mit pauschalen Kaufkosten von 1€ und jährlicher Ausführung würdest Du für die 1.200€ pro Jahr dann lediglich 1€ zahlen.

Verständlicherweise sind Broker mit pauschalen Kaufkosten etwas “unflexibler” bei den Intervallen. Sie bieten neben monatlicher und zweimonatlicher Ausführung meist noch maximal eine quartalsweise Ausführung an.

Kosten hängen von den Sparraten ab

Die exakten Auswahlkriterien liegen mir nicht vor, jedoch wird angegeben, dass “neben den Resultaten der Kostenanalyse auch Angebots- und Leistungskriterien” in die Beurteilung einflossen.

Gerade die Kostenanalyse ist jedoch schwierig, da diese stark von Sparrate und -modus abhängt. Pauschale Betrachtungen sind hier nicht wirklich aussagekräftig. Das Thema ist eng mit der Flexibilität verknüpft.

So gestalten sich die “Kosten” bei Brokern mit pauschalen und prozentualen Kaufkosten doch sehr unterschiedlich. Wertpapier-Sparpläne mit prozentualen Kaufkosten glänzen oft bei niedrigen Sparraten während jene mit pauschalen Kaufkosten bei hohen Sparraten einen Vorteil haben.

In meinem persönlichen Ranking landen daher DKB und OnVista, die niedrige pauschale Kaufgebühren haben, deutlich weiter oben. Wie die 1822direkt es in beiden Tests so weit nach oben schafft, ist mir hingegen – aus der Kostenperspektive – nicht wirklich klar.

Zumindest, wenn der Fokus auf ETF-Sparplänen liegt. Lässt man temporäre Aktionsangebote außen vor, kostet die reguläre ETF-Sparplanausführung doch stolze 2,95€ pro Ausführung. Anscheinend sind die Aktionsangebote jedoch stark in die Beurteilung eingeflossen.

Einige Broker, die Wertpapier-Sparpläne anbieten, fehlen

Was mir spontan missfällt ist das Fehlen einiger sehr interessanter, vor allem neuerer, Broker, die ebenso Wertpapier-Sparpläne anbieten. Trade Republic bleibt ebenso außen vor wie JustTrade, Smartbroker oder Gratisbroker.

Von den etablierten Anbietern vermisse ich jedenfalls auch wüstenrot. Degiro nicht zu berücksichtigen ist vielleicht vertretbar, da der Broker in den Niederlanden beheimatet ist und daher die Steuer nicht automatisiert abgeführt werden. Ohnehin wurde Degiro gerade von flatex gekauft.

Fazit

Der Test ist interessant und kann vielleicht eine vage Orientierungshilfe leisten. Bei der individuellen Broker-Auswahl erscheint er mir aber nur bedingt hilfreich.

Zu unterschiedlich sind die individuellen Situationen der Anleger. Möchtest Du einen Wertpapier-Sparplan neu anlegen, musst Du Dir wohl doch etwas Zeit für eigene Recherchen nehmen.

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2 Antworten zu “DISQ-Test: Wertpapier-Sparpläne von 16 Finanzinstituten”

  1. Hallo Rolf,
    wie du schon selbst schreibst, kommt es doch sehr auf die Kriterien an. Mir fehlen als Anbieter für Fonds die Fondsdepotbanken (über einen Fondsvermittler). eBase z.B. verlangt für Sparpläne auf aktive Investmentfonds gar nichts, und für ETFs lediglich 0,2%. Lohnt sich also bei typischen Sparraten von 100 oder 200 Euro durchaus. Man sollte allerdings ergänzen, dass die Fondsvermittler (die ja indirekt von den Management Fees der aktiven Fonds leben müssen) für ein kostenloses Fondsdepot u.U. ein gewisses Mindestvolumen an aktiven Fonds voraussetzen. Bei meinem Vermittler z.B. derzeit 1500,- Euro.
    Viele Grüße vom Finanzologen, mach weiter so!

    1. Hallo, und vielen Dank für Deinen Kommentar, die Hinweise und die Ermunterung!
      Leider war er als Spam markiert und ich musste ihn erst Mal finden. Daher die kurze Verzögerung. Sorry.

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