Unterschied zwischen ETFs und Fonds – Und was sind Indexfonds?

Was ist der Unterschied zwischen ETFs und Fonds? Was sind Indexfonds? Warum John Bogles ETFs anfangs nicht mochte. Bild vom Ende der Welt, Schlossgarten Schwetzingen.

Oft liest man, das ETFs einen Index abbilden, also Indexfonds sind. Oder es heißt, dass alle Fonds bzw. Aktienfonds aktiv gemanagt werden, während ETFs passive Geldanlage sind. In der Regel ist das zwar nicht wirklich falsch, aber eben auch nicht ganz richtig.

Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen ETFs und Fonds? Und was sind eigentlich Indexfonds? Ist das einfach ein anderer Name für ETFs oder gibt es da doch einen Unterschied? Gibt es auch Indexfonds, die keine ETFs sind?

In meinen Blogartikeln bemühe ich mich, im Bezug auf die Kategorien sprachlich klar zu bleiben, aber wahrscheinlich ist gerade das manchmal auch verwirrend.

Nach dem letzten Artikel, ein Interview mit dem Chef von Vanguard Germany, Sebastian Külps, erhielt ich folgende Frage von Leser Julian.

Du fragst “Bei den Indexfonds gibt es bereits einen Global Small Cap Index Fund. Im ETF-Bereich fehlt der aber noch in der Vanguard-Palette. Wird das noch kommen?”

Worin liegt der Unterschied zwischen Indexfonds und ETF?

Eine sehr willkommene Frage, denn tatsächlich wollte ich darüber schon vor einiger Zeit mal ausführlicher schreiben, hatte es dann aber vergessen. An dieser Stelle also noch einmal vielen Dank an Julian!

Unterschied zwischen ETFs und Fonds

Was sind Fonds bzw. Investmentfonds?

Um zu klären was der Unterschied zwischen ETFs und Fonds ist, müssen wir uns erst einmal die verschiedenen Kategorien näher ansehen.

Kurz gesagt, sind sowohl ETFs als auch Indexfonds zunächst einmal Investmentfonds, kurz auch Fonds. Investmentfonds bündeln das Geld der Investoren und das Fondsmanagement legt das Geld dann in deren Namen an und verteilt es auf unterschiedliche Investments.

Vereinfachend heißt es dann oft, Fonds seien wie ein Topf, in den viele Anleger ihr Geld hineinstecken. Aus diesem Topf wird dann das Geld über viele verschiedene Anlagen gestreut. Am Ende bekommen die Anleger dann gemäß ihrer Anteile am Gesamtinvestments wieder Geld aus diesem Topf heraus. Vielleicht liegt es ja an dem Beispiel Topfes, dass so viele Anleger von Fond (ohne -s) – also einer Brühe – statt Fonds sprechen.

Fond oder Fonds - Unterschied zwischen ETFs, Fonds und Indexfonds
Fond oder Fonds – Egal. Hauptsache ein großer Topf.

Aktienfonds sind wohl die häufigste Form der Investmentfonds. Sie investieren das Geld der Anleger in börsennotierte Aktien von Unternehmen. Meist versuchen Sie ihre Benchmark – meist ein Index wie der DAX oder MSCI World – zu schlagen, was langfristig nur den wenigsten gelingt.

Normale Investmentfonds werden in der Regel außerbörslich über das Fondsmanagement gekauft und verkauft. Dies geschieht bei Investmentfonds in der Regel nach Börsenschluss zum jeweiligen Preis. In den meisten Fällen fällt hier dann auch ein Ausgabeaufschlag an. Bei sogenannten geschlossenen Fonds, einer Sonderform, sind Kauf und Verkauf oft noch etwas komplizierter. Bei manchen Fonds gibt es zusätzlich sogar noch Erfolgsboni, wenn der Fonds sich gut entwickelt.

Was sind ETFs?

ETF steht für Exchange Traded Fund, was so viel bedeutet wie börsengehandelter Investmentfonds. ETFs sind also eine Sonderform des Investmentfonds, die sich vor allem dadurch von anderen Fonds absetzt, dass sie an der Börse gehandelt werden können.

ETF-Yogi vor dem Ende der Welt, Schlossgarten Schwetzingen. Was ist der Unterschied zwischen ETFs und Fonds? Was sind Indexfonds? Warum John Bogles ETFs anfangs nicht mochte.
Es ist kein Geheimnis: ich finde ETFs gut… Bild: Ende der Welt, Schlosspark Schwetzingen

Du kannst ETFs also zum jeweiligen Kurs während der Börsenöffnungszeiten an den Börsen, an denen der ETF gelistet ist, kaufen und verkaufen. Ganz oft liest man in Definitionen von ETFs auch, dass ETFs einen Index abbilden. Das ist nicht vollkommen falsch, denn bei den meisten ETFs stimmt das aktuell auch.

Die allermeisten ETFs sind zurzeit passive Indexfonds, die einen Index abbilden. Doch das gilt eben nicht für alle ETFs. Mehr dazu im nächsten Abschnitt. Einen ausführlicheren Artikel zum Thema ETfs findest Du hier.

Und was sind Indexfonds?

Indexfonds sind ein Spezialfall. Indexfonds bilden einfach einen Index wie den DAX, den S&P 500 oder den MSCI World ab. Diese Fonds haben also kein aktives Management, das entscheidet welche Unternehmen in welchen Mengenverhältnissen im Fonds enthalten sind.

Die Zusammensetzung wird durch den Index bestimmt. Es gibt also fondsseitig niemanden, der entscheidet, was gekauft oder verkauft wird, sondern es wird einfach versucht, die Entwicklung des Index nachzubilden, auf den sich der Indexfonds bezieht.

Bei der Art der Indexabbildung gibt es dann verschiedene Möglichkeiten. So kann das z.B. mittels vollständiger physischer Abbildung erfolgen. Dann kauft der Fonds sämtliche Werte des Index gemäß ihrer Gewichtung. Werden nicht alle gekauft, sondern nur ein repräsentativer Anteil, spricht man von physischer Abbildung mittels Sampling.

Darüber hinaus gibt es auch noch die synthetische Abbildung mittels SWAP. Dann investiert der Indexfonds nicht notwendigerweise in die zugrundeliegenden Aktien, sondern sichert den Anleger nur eine entsprechende Entwicklung zu und schließt dafür ein Tauschgeschäft (SWAP) mit einem Partner ab.

Egal wie die Abbildung des Index erfolgt, ist es dabei erst einmal unerheblich, ob ein Indexfonds an der Börse als ETF gehandelt wird oder als klassicher Investmentfonds über den Emittenten. Beides ist möglich.

Sind alle ETFs Indexfonds und alle Investmentfonds, die nicht an der Börse gehandelt werden, aktiv gemanagt?

Eingangs hatte ich ja schon erwähnt, dass die Aussage “Alle ETFs sind Indexfonds” bzw. “alle Investmentfonds sind aktiv gemanagt” so nicht ganz richtig ist.

Indexfonds sind einfach Fonds, ganz egal ob ETFs oder klassische Investmentfonds, die einen Index abbilden, ob nun als SWAP oder physisch replizierend.

Auch wenn die allermeisten ETFs heute Indexfonds sind, der Unterschied zwischen Fonds und ETFs liegt vor allem in der Handelbarkeit, wie der Name Exchange Traded Funds eigentlich auch ausdrückt.

Zunehmend werden aber auch aktiv gemanagte Investmentfonds an der Börse gehandelt bzw. legen auch bekannte ETF-Anbieter aktiv gemanagte ETFs auf. Außerdem gibt es schon lange Indexfonds, die nicht an der Börse gehandelt werden.

Bereits 1975 brachte John Bogle zum Beispiel den ersten Indexfonds auf den S&P 500, den Vanguard 500, heraus. Er schuf damit auch die ersten Fonds, die ohne einen Ausgabeaufschlag auskamen.

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Investmentfonds, Indexfonds oder ETF – was ist besser für Anleger?

Im allgemeinen würde ich einen Indexfonds, ob nun als Investmentfonds oder ETF, einem aktiv gemanagten Fonds vorziehen.

Die Frage, ob ein Indexfonds oder ein ETF – oder sogar ein aktiv gemanagter Investmentfonds – besser für einen Anleger ist, lässt sich eben nicht pauschal beurteilen.

Für disziplinierte Anleger, die an einer langfristigen Geldanlage interessierte sind, kommt es, meiner Meinung nach, auf folgendes an.

Ein ETF sollte billig sein, gut diversifiziert und einem einfachen passiven oder quasi-passiven Ansatz folgen. Ob dieser Fonds dann an der Börse handelbar ist oder nicht, ist zunächst einmal nebensächlich.

Es gibt klassische Investmentfonds, wie die von Vanguard, die einen breiten Index abbilden, niedrige Gebühren haben und bei denen kein Ausgabeaufschlag anfällt. Bei solchen nicht an der Börse gehandelten Indexfonds sehe ich gegenüber ETFs keine Nachteile.

Tatsächlich gibt es auch aktiv gemanagte Indexfonds, sowohl als ETFs als auch als klassische Investmentfonds, die zwar quasi aktiv gemanagt sind, aber vor allem einen passiven Ansatz verfolgen.

Beispiele, die den Unterschied zwischen ETFs und Fonds verdeutlichen

Um etwas klarer zu machen, worin der Unterschied zwischen ETFs und Fonds besteht, folgen hier ein paar Beispiele.

Der Vanguard S&P 500 UCITS ETF ist ein passiv gemanagter Indexfonds im ETF-Mantel. Von Vanguard gibt es da aber auch einen nicht-börsengehandelten Fonds, den Vanguard U.S. 500 Index Fund, der ebenfalls ein passiver Indexfonds ist. Beide Fonds bilden den S&P 500 Index ab.

Während der erst aber ein an der Börse handelbarer ETF ist, handelt es sich beim zweiten Fonds zwar ebenfalls um einen Indexfonds, allerdings im Gewand eines klassischen Investmentfonds. Bei den laufenden Kosten besteht hier aber kein großer Unterschied. Der ETF schlägt mit 0,07% p.a. zu Buche und das nicht-börsengehandelte Pendant liegt bei 0,1% p.a.

Ein weiteres Beispiel ist der Deka MSCI World UCITS ETF. Wie der Name sagt, handelt es sich dabei um einen kostengünstigen ETF auf den MSCI World-Index, der sich mit laufenden Kosten von 0,3% p.a. präsentiert.

Nicht nur Kunden der Sparkasse dürfte bekannt sein, das Deka auch klassische Investmentfonds vertreibt. Mit dem Deka GlobalChampions CF-Fonds gibt es von diesem Emittenten z.B. einen offenen Publikumsfonds, der direkt über den Emittenten gehandelt wird.

Fonds wie dieser folgen einem aktiven Investmentansatz und zeigen eine deutlich andere Kostenstruktur als die Deka ETFs. Neben einem Ausgabeaufschlag von 3,75% fallen hier laufende Kosten von 1,47% p.a. an.

Dieses Beispiel zeigt die scheinbare Zweiteilung in aktiv gemanagte Fonds auf der einen und passive ETFs auf der anderen Seite – und das am Beispiel von zwei unterschiedlichen Produkten des gleichen Emittenten.

Doch so einfach ist die Welt dann auch wieder nicht, denn es gibt sie doch, die aktiven ETFs. So werden zum Beispiel die Vanguard LifeStrategy ETFs aktiv gemanagt.

Diese Multi-Asset-ETFs enthalten zwar andere passive Aktien- und Anleihen-ETFs in vordefinierten Verhältnissen, die genaue Entscheidung über Rebalancing und Gewichtung scheint aber tatsächlich ein aktives Management zu treffen.

Ein solcher “aktiver” Ansatz, der dennoch streng regelbasiert erfolgt – und dazu mit 0,25% p.a. noch äußerst kostengünstig – kann wohl aber als quasi-passiv bezeichnet werden.

So würde ich z.B. auch Fonds wie den Global Targeted Value Fund von Dimensional Fund Advisors bezeichnen, die zwar nicht unbedingt einem festdefinierten Index folgen, aber dennoch nach festgelegten Kriterien eine auf Buy and Hold ausgerichtete sehr breite Streuung (aktuell über 4.000 Einzelwerte) mit alternativer Gewichtung vornehmen.

In den USA gibt es mittlerweile aber auch eine wachsende Zahl von wirklich aktiv gemanagten ETFs und es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis sich dieses Phänomen auch hierzulande stärker zeigt. Eine Sonderform, die es in den USA mittlerweile gibt, sind insbesondere die aktiv gemanagten intransparenten ETFs.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen ETFs, die ihre Holdings täglich offenlegen, erhalten Anleger bei den intransparenten ETFs nur alle 3 Monate Informationen über die Zusammensetzung der Fonds.

Auch wenn das in Europa noch nicht üblich ist und die allermeisten ETFs einem Index folgen, sind nicht alle Indexe automatisch passive Investments. Auch auf der Indexseite gibt es Konstruktionen, die zwar regelbasiert sind, aber schon wieder mehr in eine aktive Richtung tendieren, wie zum Beispiel der Lyxor MSCI Disruptive Technology ESG Filtered (DR) UCITS ETF.

Davon einmal abgesehen sind auch längst nicht mehr alle ETFs wirklich kostengünstig. So fallen bei manchen der ETFs auf digitale Währungen z.B. laufende Kosten um die 1% p.a. an. Die laufenden Kosten des Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF halten sich mit 0,50% p.a. zwar auf den ersten Blick noch im Rahmen, doch hier fällt zusätzlich noch eine SWAP-Gebühr von 0,75% p.a. an.

Warum John Bogle ETFs nicht mochte

Eigentlich kaum zu glauben. Immerhin gilt John Bogle ja nicht nur als Erfinder der Indexfonds. Als Gründer der Vanguard Group wird er natürlich eng mit ETFs in Verbindung gebracht. Doch hat John Bogle ETFs tatsächlich kritisch gesehen?

Tatsächlich hat es den Anschein, dass John Bogle ETFs nicht mochte. Vermutlich waren sie ihm wohl von Anfang an suspekt, was auch mit dem Umfeld zu tun hatte, aus dem heraus sie entstanden.

So brachte die American Stock Exchange den ersten ETF 1980 auf den Markt, “um mit den Terminbörsen zu konkurrieren.”

John Bogle war wohl sicherlich kein Freund des Tradings, sondern propagierte einen Buy and Hold-Ansatz. Privatanleger sollten Indexfonds kaufen und diese dann am Besten dauerhaft halten.

Er strebte sich daher lange dagegen, ETFs aufzulegen und Vanguard vertrieb zunächst Indexfonds als klassische Investmentfonds.

ETFs, die jederzeit schnell gekauft und verkauft werden können, schienen ihm da wohl eher kontraproduktiv zu sein und zum Handeln anzuregen.

Betrachtet man den sorglosen Umgang mit ETFs, der in viele Internetforen sichtbar ist, scheint diese Annahme so falsch nicht zu sein. In den Händen undisziplinierter Anleger, besteht in der Tat ein gewisses Risiko, mit ETFs vorschnelle Handlungen auszuführen.

Klassische Indexfonds lassen sich in einem Crash nun einmal nicht so schnell mit einem Knopfdruck verkaufen wie ETFs und das kann eine Hürde sein, die letztlich Anlegern hilft, die zu voreiligem Handeln neigen.

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Werbung – Mehr zu John Bogles Ansichten über Fonds, kannst Du in dieser Publikation nachlesen.

Zwar sehe ich ETFs nicht so kritisch und finde die Handelbarkeit prinzipiell sehr gut, doch erfordert sie von Anlegern in der Tat ein hohes Maß an Disziplin.

Für mich als langfristig orientierter Anleger spricht daher nichts gegen Indexfonds, die als klassische Investmentfonds vertrieben werden. Diese eignen sich sehr gut für die langfristige Geldanlage.

Von aktiv gemanagten Fonds halte ich in der Regel auch nicht viel. Die einfache Rechnung, die man aber in manchen Foren liest “ETFs = gut; Fonds = schlecht” ist trotzdem etwas zu einfach.

Klassische Investmentfonds wie die von Vanguard, Dimensional Fund Advisors oder der Arero Weltfonds, stehen ETFs in nichts nach.

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1 Antwort zu “Unterschied zwischen ETFs und Fonds – Und was sind Indexfonds?”

  1. Schöner, wichtiger Text. Eine Frage stelle ich mir immer: Wo sind die Risiken am größten, dass der Fondsanteilspreis stärker (nach oben oder unten) vom Nettoinventarwert des Fonds abweicht, bei Indexfonds im ETF- oder im klassischen, nicht börsengehandelten Mantel?

    Je weniger Abweichung und je kürzer die Abweichungen dauern, desto besser ist es natürlich.

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