Die 22 Nachteile von ETFs

Sind ETFs für Anleger gefährlich. Was sind die Nachteile von ETFs, die meist einen Index abbilden?

“ETFs sind toll!”, schallt es durch das ganze Land. Okay, ich höre Dich bereits sagen: “Im letzten Artikel hast Du doch auch gerade in dieses Horn gestoßen und die Vorteile geprießen. Warum jetzt also diese Kehrtwende? Wieso nun ein Beitrag über die Nachteile von ETFs? Und wieso sind es dann auch noch mehr Nachteile als Vorteile? Willst Du den Blog jetzt etwa umbennen?”

Das wäre in der Tat blöd. Nein, ich habe meine Meinung nicht geändert. ETFs bleiben für mich das Mittel der Wahl bei Vermögensaufbau. Basta!

Zugegeben, bin ich bei ETFs voreingenommen, dennoch habe ich hier jetzt versucht, alle Nachteile und Risiken von ETFs auszugraben, die mir einfielen oder die irgendwo umhergeistern. Das war schwer. Seine eigenen Ansichten zu hinterfragen ist selten eine leichte Aufgabe. So viel abr gleich vorneweg. Viele der Nachteile oder Risiken auf die ich gestoßen bin sind fallen in den Bereich der Legenden.

Auch noch diese Warnung: der Artikel ist länger als üblich geworden. Wem es zu viel ist, der kann gleich zum Fazit am Ende des Textes springen und findet dort einen kurzen Überblick.

Warum es mir wichtig war, jeweils etwas ins Detail zu gehen? Will man in ETFs investieren, muss man wissen was ETFs sind. Dazu gehört auch, die Nachteile genau zu kennen. Schließlich legt man da ja sein hart erarbeitetes Geld an. Wenn Du ein neues Handy kaufst, überlegst Du ja auch lange und recherchierst. Ein Mindestmaß an Sorgfalt empfiehlt sich auch bei der Geldanlage.

Nachteil 1 – ETFs sind Finanzprodukte

Ja, eh klar. ETFs sind Finanzprodukte. Was auch sonst? Lehnst Du Finanzprodukte kategorisch ab, weil die Finanzindustrie eben böse ist, dann braucht Du diesen Artikel wohl nicht weiter lesen. Wie steht es dann aber dann mit deinem Sparbuch, Tagesgeld oder Bausparvertrag. Auch das sind Finanzprodukte. Da sollte dann das Gleiche gelten.

Die Besonderheit ist hier, dass bei den meisten ETFs gleich zwei rote Tücher zusammenkommen: Finanzprodukt und Aktien. In der Debatte rund um den Vorstoß von Friedrich Merz zur privaten Altersvorsorge mit Aktien (übrigens ein klarer Fall von echt schlechtem Gespür und Timing) ist es wieder einmal sehr deutlich geworden. Ein Großteil der Deutschen lehnt nach wie vor alles was mit Aktien zu tun hat kategorisch ab.

Da hilft es wohl auch nichts, wenn man darauf hinweist, dass die Finanzindustrie selbst gar nicht so sehr von dem ETF-Boom begeistert ist. Man würde doch viel lieber herkömmliche Fonds verkaufen. Viel zu niedrig sind die Einnahmen bei den kostengünstigen ETFs. Wen wundert es, dass die Kritik an ETFs nicht selten aus dem Umfeld von traditionellen Fondsanbietern kommt.

Nachteil 2 – ETFs enthalten viele schlechte Aktien

Oh je, keine Frage. ETFs bilden einen Index ab, mit allem was darin enthalten ist: gute und schlechte Aktien. Da sind also halt oft auch Aktien drin, die man lieber nicht hätte. Man hat also garantiert auch alle Verlierer des Index dabei.

Das Argument der Fondsindustrie gegen ETFs: Fondsmanager sortieren schlechte Aktien aus und erzielen dadurch eine bessere Rendite. Nur gemanagte Fonds bieten daher die Möglichkeit, den Index zu schlagen.

Schlechte Aktien oder Verliereraktien sind mehrheitlich jene, die wir auch als Substanzwerte oder Value-Aktien bezeichnen. Historisch betrachtet war aber gerade diese Anlageklasse sehr ertragreich. Keine Frage, die angesagten Growth-Aktien haben einen besseren Namen und suggerieren Sicherheit. Value-Aktien sind historisch betrachtet aber ertragreicher als “gute” Aktien bzw. Growth-Aktien.

Ist es wirklich ratsam, Verlierer-Aktien auszusortieren? Gelingt es den Fondsmanagern wirklich, durch Selektion eine bessere Rendite zu erwirtschaften? Die Antwort findet sich im nächsten Abschnitt.

Nachteil 3 – ETFs liefern eine durchschnittliche Performance

Es ist wahr. Index-ETFs erwirtschaften keine Rendite, die (deutlichbesser ist als der zugrundeliegende Index. Da kann man machen, was man will. Mit einem Indexfonds wird man den Markt nicht schlagen. Man bleibt “durchschnittlich”.

Sind aktiv gemanagte Fonds eine Alternative? Ja, es gibt sie, die Fonds, die besser abschneiden als der Index. Wenn man den Bankberater seines Vertrauens aufsucht, wird der einem sicher einen entsprechenden Fonds mitsamt den Charts präsentieren, die das belegen. Es gibt Fonds, die in der Vergangenheit eine bessere Rendite als der Index erwirtschaftete. Ja, er ist natürlich etwas teurer als ein ETF, aber dafür ist ja auch die Rendite besser, oder? Die entsprechende Grafik dazu wird auch sehr überzeugend aussehen.

Es gibt da allerdings einen Haken. Es ist nur ein sehr geringer Teil von aktiv gemanagten Fonds, die vor den Kosten tatsächlich besser abschneiden als der zugrundeliegende Index. Die wunderbar aufbereiteten Charts berücksichtigen die Kosten für die Anleger eben sehr oft nicht. Hinzu kommt, dass sich nicht voraussagen lässt, welcher Fonds es sein wird, der in Zukunft den Index schlägt.

Eine Studie des Instituts für Vermögensaufbau untersuchte 999 Investmentfonds über einen Zeitraum von 15 und 25 Jahren. In den letzten 15 Jahren gelang es dabei lediglich 21,5% der Aktien-Fonds ein positives Alpha (= eine Überrendite gegenüber dem Vergleichsindex) zu erwirtschaften. Im Verlauf von 25 Jahren schafften es 22,6% der Fonds.

Wichtig ist dabei allerdings der Hinweis der Studie, dass das “durchgeführte Experiment mit einem erheblichen Surviviorship Bias behaftet ist” (S. 28). Ein großer Anteil von Aktienfonds, die in den letzten 15/25 Jahren hinter ihrer Benchmark zurückgeblieben sind, wurden sicher geschlossen. Ihre Daten konnten somit gar nicht erst in die Studie einfließen.

Dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit noch einmal niedriger, dass man mit einem aktiven Fonds eine Überrendite erzielt. Sie liegt also bestenfalls bei 1:5. In vier von fünf Fällen hätte man daher mit einem Index-ETF besser abgeschnitten.

Da würde ich sagen: “Ein Hoch auf die Durchschnittlichkeit!”

Nachteil 4 – ETFs sind nicht der Index

Selbstverständlich muss man zwischen dem Index und dem ETF, der den Index abbildet unterscheiden. Da zusätzlich Kaufkosten, Steuern sowie ETF-seitige Verwaltungsgebühren anfallen, sind die Gewinne in der Regel niedriger.

FDas Stichwort lautet Tracking-Differenz. Die Tracking-Differenz bezeichnet den Unterschied in der Rendite zwischen ETF und Index. In der Regel ist die Abweichung nicht groß, aber dennoch. Die meisten ETFs bleiben leicht hinter dem Index zurück.

Alle ETfs? Nein. nicht alle. Eine kleine Anzahl von ETFs schafft es, sogar geringfügig besser als ihr Index abzuschneiden.

Wie kann das sein? Es sind häufig synthetisch replizierende ETFs (siehe Exkurs zu SWAP-ETFs bei Nachteil 21 und 22) oder solche, die eine Wertpapierleihe vornehmen (siehe Nachteil 5).

Nachteil 5 – ETFs betreiben Wertpapierleihe

Zunächst kann man einmal festhalten: alle Investmentfonds können Wertpapierleihe betreiben, auch aktive verwaltete Fonds. Es ist keine Besonderheit von passiven ETFs. Warum dies nun in erster Linie nur bei ETFs als Risiko betrachtet wird, ist schwer zu verstehen.

Bei der Wertpapierleihe verleiht der Fonds einen Teil der darin enthaltenen Werte gegen Gebühr an Dritte. Der Prozentsatz der Werte, die entliehen werden können ist dabei beschränkt. Ebenso es müssen Sicherheiten hinterlegt werden, die mindestens dem Wert der entliehenen Werte entspricht.

Durch die Leihe entsteht also ein zusätzlicher Gewinn, der die Rendite des Fonds verbessert. Fälle, bei denen es zu einem Verlust der Anleger durch Wertpapierleihen kam, sind mir nicht bekannt. Wer sich dennoch daran stört, kann auf ETFs ausweichen, die keine Wertpapierleihe vornehmen. Es gibt zahlreiche ETFs, die keine Wertpapierleihe bertreiben. Details dazu findet man in den jeweiligen Fondsunterlagen.

Ich sehe die Wertpapierleihe als vorteilhaft an. Persönlich investiere ich in gerne in ETFs, die Wertpapierleihen vornehmen. Sie weisen gegenüber vergleichbaren ETFs eine geringfügig höhere Rendite auf.

Nachteil 6 – ETFs sind teurer als Einzelaktien

Laufende Kosten von ETFs sind deutlich niedriger als die von aktiv gemanagten Fonds. Kritiker bemängeln dennoch häufig, dass sie damit aber immer noch teurer sind als ein selbstgemanagtes Aktienportfolio. Hat man die Aktien einmal angeschafft, hätte man keine weiteren Kosten mehr. Ein Buy and Hold-Ansatz wird selbstverständlich vorausgesetzt.

Stimmt das? Nehmen wir den Vanguard FTSE All-World-ETF als Beispiel. Damit ist man in über 3000 Aktien in 46 Ländern investiert. Dafür fallen ETF-seitig eine TER in Höhe von 0,25% pro Jahr an. Bei einer Depotgröße von 100.000,-€ sind das immerhin 250,-€. Die könnte man sich natürlich sparen.

Nur dumm, dass man als Privatperson kein vergleichbares Depot aufbauen kann. Kosten für Kauf und Rebalancing der Werte wären enorm. Auch den Zeitaufwand für die Pflege des Depots darf man nicht vergessen.

Hinzu kommt: einige ETFs haben eine negative Tracking-Differenz (Siehe Nachteil 4). Der Vanguard FTSE All-World weist aktuell eine durchschnittliche Tracking-Differenz von -0,04% pro Jahr aus. Dementsprechend erwirtschaftet das Depot hier trotz Gebühren nicht nur keinen Verlust von 250,-€ gegenüber dem Index, sondern weist auch noch ein Plus von 40,-€ pro Jahr aus.

Nachteil 7 – ETFs eignen sich nicht für die kurzfristige Anlage

Darüber muss man nicht viele Worte verlieren. Vollkommen richtig. Es betrifft natürlich vor allem ETFs mit einem hohen Aktienanteil. Anleihen-ETFs sind wesentlich weniger schwankungsanfällig. Aktien-ETFs eignen sich nicht für kurzfristige Geldanlagen. Das sieht bei Aktien-Fonds aber nicht anders aus. Fünf Jahre Anlagedauer sollten es (aller)mindestens sein, aber am besten zehn bis fünfzehn Jahre. Aktienlastige ETFs sind demnach eine gute Wahl für langfristiges Buy and Hold-Anlagen. Damit sind sie, meiner Meinung nach, ideal für die Altersvorsorge und den langfristigen Vermögensaufbau.

Nachteil 8 – ETFs sind leicht handelbar

Irgendwie klingt das jetzt mehr nach einem Vorteil, aber tatsächlich ist das für mich ein echter Nachteil. ETFs kann man ganz bequem von Zuhause aus über den Online-Broker kaufen und verkaufen. Das macht den Handel fast schon zu einfach. Es verleitet Anleger dazu, damit wie mit Aktien zu handeln bzw. zu zocken. Aber wie es so schön heißt “Hin und her macht Taschen leer.”

Der erfahrene Anleger wird abwinken und sagen, ja, aber bei einer Anlage mit Buy and Hold ist das doch kein Problem. Klar. Letztlich hat man es doch selbst in der Hand. Das sehe ich genauso. Das Problem ist, dass man dafür das nötige Wissen und Disziplin braucht. Sobald es an den Börsen bergab geht, kommt es bei vielen zu einem “Ich halte es nicht mehr aus”-Moment.

Kaum ist die Finanzpornografie voll mit Hiobsbotschaften und rät, Aktien den Rücken zu kehren, werden Scharen von Anlegern resigniert die Segel streichen und ihren unüberlegten Panikverkauf tätigen. Natürlich legen die Artikel plausibel dar, warum dieses Mal alles anders ist und Aktien sich nie, nie wieder erholen werden.

Wird hingegen über den neuesten Hype berichtet, egal ob Robotik, Batterien, neue Energien oder Cannabis, kauft die Herde blind ETFs auf den neuen Megatrend. Dabei kann man sich ja selbst ausrechnen, wie aktuell so ein Trend wohl sein kann, bis in Deutschland ein ETF darauf aufgelegt wird. Man kann davon ausgehen, dass ein Großteil der Gewinne bis dahin schon anderswo gemacht wurden.

Nachteil 9 – ETFs schützen Anleger nicht vor Crash

Vertreter der Fondsindustrie werden nicht müde, darauf hinzuweisen: ETFs sind für Anleger gefährlich, denn man ist dem vollen Marktrisiko ausgesetzt. Es gibt da keinen Fondsmanager, der die Anleger durch kluges Verhalten schützt.

Dabei handelt es sich um ein leicht durchschaubares Verkaufsargument. Es gibt da ein Problem (Marktrisiko) und ich habe die Lösung (Fondsmanager). Schade, dass auch die aktiv gemanagten Fonds regelmäßig in Krisenzeiten versagen. Verschiedene Studien belegen: passive Indexfonds liegen auch in Krisenzeiten vor den aktiv gemanagten Fonds.

Hier greift André Kostolany’s bekannte Börsenweisheit:

An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1.

An den Börsen gibt es ein ständiges auf und ab. Man muss lernen, die Abwärtsbewegungen auszusitzen. Ohnehin kann niemand kann die richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkte zuverlässig vorhersagen, wie ich in diesem Artikel dargelegt habe.

Persönlich praktiziere ich daher ein stoisches Buy and Hold. Ich kaufe marktbreite ETFs und gebe sie (für lange Zeit) nicht mehr her. Heftige Korrekturen sind nicht angenehm, aber man muss da einfach ruhig bleiben und gegebenenfalls nachkaufen .

Im Supermarkt nimmt man ja auch mal etwas mehr mit, wenn es gerade ein Sonderangebot gibt. Da sagt man sich nicht: “Oh, die Nudeln sind gerade zu billig, da warte ich lieber bis sie wieder ihren Normalpreis erreicht haben.”

Abgesehen davon, ist es durchaus ratsam, je nach Alter und Risikoempfinden, Anleihen im Portfolio zu haben.

Nachteil 10 – ETFs sind überwiegend marktkapitalierungsgewichtet

ETFs bilden einen Index ab und die meisten Indexe gewichten ihre Bestandteile nach der Marktkapitalisierung. Das heißt, das Gewicht jeden Unternehmens im Index wird durch seine aktuelle Marktkapitalisierung bestimmt. Die Marktkapitalisierung ist die Summe der im Umlauf befindlichen Aktien multipliziert mit dem Wert dieser Aktien.

Große Unternehmen, d.h. Unternehmen die eine hohe Marktkapitalisierung haben, sind stärker repräsentiert. Für kleine Unternehmen bzw. Unternehmen mit einer niedrigen Marktkapitalisierung ist es genau umgekehrt.

Umfasst der Index mehrere Länder, dann wird das Gewicht jeden Landes durch den Gesamtwert aller Unternehmen in diesem Land bestimmt. Ein Land wie die USA, deren Aktien aktuell eine hohe Marktkapitalisierung haben ist daher überproportional vertreten.

Diese Art der Gewichtung führt dazu, dass große Unternehmen oder Länder mit einer hohen Marktkapitalisierung einen Index dominieren können. Zwei Beispiele:

  • MSCI World: hier investiert man in 23 entwickelte Länder. Effektiv machen US-Werte derzeit etwas über 60% des Index aus. Das schafft ein gewisses Klumpenrisiko.
  • MSCI Emerging Markets IMI: ETFs auf diesen Index sind beliebt, weil sie auch Small Caps beinhalten. Damit ist es aber nicht weit her. Laut Morningstar sind in einem der gängigen ETFs auf den Index gerade einmal 3,88% Small Caps enthalten. Das fällt dann eher in den Bereich der Homöopathie.

Will man die Gewichtung nach Marktkapitalisierung umgehen, bieten sich folgende Alternativen: Nach Bruttoinlandsprodukt gewichtetes Weltportfolio zusammenstellen (die verwendeten Länder-ETFs sind dann aber auch wieder marktkapitalisierungsgewichtet); Small Caps durch zusätzlichen ETF ergänzen; gleichgewichtete ETFs verwenden.

Nachteil 11 – ETF-Sparpläne haben hohe Spreads

Bei ETFs gibt es an der Börse oft größere Unterschiede zwischen dem An- und dem Verkaufspreis. Diese Differenz nennt man Spread. Es gibt da oft eine Diskussion, dass manche Depotbanken die Sparpläne an einem ungünstigen Handelsplatz und zu einer ungünstigen Uhrzeit ausführen würden, z.B. gleich zu Börsenbeginn.

Tatsächlich ist der Spread, je nach ETF, Börsenplatz und Uhrzeit, sehr unterschiedlich. Für den Day Trader, der ETFs in kurzer Frequenz handelt, mag dies relevant sein. Für langfristige Buy and Hold-Anleger ist dieser Effekt nicht wesentlich.

Nachteil 12 – ETFs sind liquider als der Markt

Auch Fans von Einzelaktien greifen bei Märkten, bei denen der Zugang nicht so leicht ist (z.B. China, Hochzinsanleihen), gerne auf ETFs zurück. Da ist es dann einfacher, den ETF zu handeln, als die darin enthaltenen Werte. Man kann das im ETF gebundene Kapital also leichter liquidieren.

Kritiker wenden ein, dass ETFs, die illiquide Märkte abbilden, eine Liquidität suggerieren, die die darin enthaltenen Werte gar nicht haben. In Krisenzeiten könne es dann sehr schwer sein, solche ETFs zu veräußern. Der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs sei dann voraussichtlich sehr hoch.

Es stimmt zwar, das Argument halte ich aber trotzdem für vorgeschoben. Es betrifft ja ebenso die im Index enthaltenen Einzelaktien sowie entsprechende Investmentfonds. Gerd Kommer geht hier etwas ausführlicher darauf ein.

Nachteil 13 – ETFs machen den Markt ineffizient

Kurz lautet die Kritik, die in diesem Nachteil steckt: “Wie soll der Markt denn überhaupt noch funktionieren, wenn erst einmal alle in ETFs investieren?” ETFs würden den Markt verzerren.

Zunächst einmal ist der Anteil von ETFs am Gesamtmarkt noch gering. Laut Gerd Kommer sind es aktuell gerade einmal um die 1%. Da ist es noch etwas früh, um von einer Bedrohung zu sprechen. (Außer vielleicht für die Anbieter von aktiv gemanagten Fonds, die in ETFs eine Bedrohung ihres einträglichen Geschäftsmodells sehen.)

Hinzu kommt, dass die Idee dahinter auch nicht unproblematisch ist. Sie setzt voraus, dass es der aktive Handel von Anlegern und Fondsmanagern wäre, der den Wert eines Unternehmens bestimmt. Tatsächlich ist es wohl in erster Linie das gut laufende Geschäft der Unternehmen, das langfristig ihre Aktienkurse steigen lässt. Die Kunden führen dem Unternehmen durch Konsum Kapital zu und nicht die Aktienkäufer.

Nachteil 14 – ETFs gefährden die Finanzmarktstabilität

Diesen Kritikpunkt liest man in letzter Zeit häufig. ETFs bilden einen Index ab. Wenn es in einer Hausse zu Mittelzuflüssen bei einem ETF kommt, kauft dieser Aktienanteile, die der Gewichtung im Index entsprechen. Gut laufende Aktien, haben aber eine höhere Gewichtung im Index. Sie werden dadurch bei Kapitalzuflüssen zusätzlich gestärkt. In der Baisse verhält es sich bei Kapitalabflüssen umgekehrt. In beiden Fällen wird der Trend verstärkt.

Mir stellt sich hier die Frage: Ist das nicht ein natürlicher Prozess? Wenn es zum Beispiel einen Run auf S&P 500-ETFs gibt, steigen die Kurswerte der darin enthaltenen Top-Aktien überproportional stärker. Umgekehrt wäre dies aber auch der Fall, nämlich wenn Anleger sich dafür entscheiden, die Einzelwerte zu kaufen. Auch hier würden sie wohl vor allem die gerade gehypten Aktien stärker kaufen als andere.

Auch traditionelle Investmentfonds, herkömmliche Indexfonds und Indexzertifikate lassen sich bequem über das Internet kaufen und verkaufen. Da sehe ich keine großen Unterschied. Hinzu kommt, dass es mittlerweile eine Vielzahl an alternativen Indexen (z.B. Smart Beta und Branchen-Indexen) gibt, die ohnehin ganz andere Gewichtungen aufweisen.

Ich muss allerdings gestehen, dass mir hierzu nicht alle Einzelheiten und Implikationen klar sind. Gerne werde ich hier die weitere Literatur sowie wissenschaftlichen Arbeiten verfolgen. Über Literaturhinweise, die diese Frage erhellen, freue ich mich immer.

Nachteil 15 – Vermögensverwalter erlangen zu großen Einfluss

Als Besitzer eines ETFs, bist Du zwar an zahlreichen Unternehmen beteiligt, bekommst aber keine Einladungen zu Aktionärsversammlungen. Warum denn eigentlich nicht? Wer holt sich denn dann meine Würstchen am Buffet ab?

Nun, technisch betrachtet besitzt der Fonds die Anteile. Du besitzt wiederum Anteile am Fonds. Und wer geht dann statt Dir auf die Aktionärsversammlung? Richtig, die Fondsgesellschaft.

Mal abgesehen von den kulinarischen Einbußen am Buffet, sind die Nachteile für Dich wohl gering. Die Fondsgesellschaft übt an Deiner Stelle das Stimmrecht aus. Große Fondsgesellschaften haben in der Tat dadurch einen gewissen Einfluss, das ist aber kein neues Phänomen.

Die Anteile gehören auch nicht der Fondsgesellschaft. Sie verwahrt sie nur in Deinem Namen. Daher sollte sie das Stimmrecht im Sinne der Anteilseigner einsetzen, also in Deinem. Ich sehe das eher als einen Vorteil, denn die gebündelten Stimmen vieler Kleinanleger sind gewichtiger als eine Einzelne.

Im Übrigen ist das auch schon bei herkömmlichen Investmentfonds so. Warum stllt dies nun also bei ETFs ein besonderes Problem dar?

Nachteil 16 – Mit ETFs zu sehr von Depot-Banken abhängig

Die großen ETF-Anbieter müssen Deine Anteile irgendwo verwahren. Dies geschieht bei einer der großen Depot-Banken. In Deutschland gibt es zwar 44 Verwahrstellen, es sind aber nur eine Handvoll großer Depot-Banken, die den Löwenanteil unter sich ausmachen. ETF-Anbieter und Depot-Bank haben aber ein wechselseitiges Interesse daran, dass alles reibungslos funktioniert. Der Markt ist zudem streng reguliert und unterliegt ständigen Prüfungen.

Nachteil 17 – Man unterwirft sich einem Indexanbieter

Es gibt ein paar wenige große Indexanbieter wie MSCI, S&P, Stoxx oder FTSE, die den Index definieren. Dadurch haben sie großen Einfluss darauf, was Du als ETF-Anleger für Dein Geld bekommst. Auf Änderungen in der Zusammensetzung hast Du keinen Einfluss. Bei DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gab es ja gerade einige Umstellungen bei den Indexen, die dem einen mehr, dem anderen weniger gefallen dürften. Du hast aber durchaus eine Wahl, welchen Index Du einsetzt.

Nachteil 18 – ETF ist nicht gleich ETF:

ETF-Anbieter greifen für bestimmte Regionen auf die Indexe von unterschiedlichen Indexanbietern zurück. So verwendet Vanguard zum Beispiel für seine Developed World und Emerging Markets-ETF Indexe von FTSE. Anderer Anbieter verwenden für vergleichbare ETFs die MSCI-Indexe. Da diese aber nicht identisch sind, sollte man die Unterschiede gut kennen. Manchmal lassen sich ETFs, die auf unterschiedlichen Indexen aufbauen, nicht gut kombinieren.

So zählen Südkorea und Polen für FTSE zu den entwickelten Ländern während MSCI sie vorerst bei den Entwicklungsländern führt. Weitere Unterschiede bestehen derzeit auch bezüglich der Einbeziehung chinesischer A-Aktien bei den Emerging Markets sowie der durchschnittlichen Marktkapitalisierung. Bei FTSE ist letztere derzeit durchschnittlich 8 Mio. € niedriger.

Achtung: Die nachfolgenden Argumente betreffen nicht mehr die breite Masse von ETFs, sondern wenden sich gegen Spezial-ETFs. Wenn Kritiker diese Argumente vorbringen, erwähnen sie dies oft nicht. Stattdessen verwenden sie dann diese exotischen Formen, um die generelle Gefahr von ETFs deutlich zu machen. Das Argument ist vergleichbar damit, zu sagen, normale Investmentfonds seien generell gefährlich, was man gut am Beispiel von Hedgefonds sehen kann.

Nachteil 19 – Short-ETFs/gehebelte ETFs sind gefährlich

Short-ETFs: Während ein klassischer ETF einfach einen Index abbildet, dreht es der Short-ETF um. Er bildet den Kursverlauf in umgekehrter Form ab. Fällt der Kurs um 5%, dann steigt der Short-ETF um 5%. Steigt der Kurs hingegen um 5%, dann fällt der Short-ETF um 5%. Was ist daran gefährlich?

Da Kurse historisch betrachtet eher steigen als fallen, ist es für die Rendite langfristig nicht förderlich, ausschließlich auf Short-ETFs zu setzen. Sie werden besonders gerne von institutionellen Anlegern verwendet, um sich in Zeiten drohenden Abschwungs gegen den Kursverfall abzusichern. Möchte man diese privat einsetzen, sollte man genau wissen, was man da tut.

Hebel-ETFs: bei gehebelten ETFs kommt ein Fremdfinanzierungshebel zum Einsatz. Die Rendite des ETF wird damit, je nach Hebel, zum Beispiel verdoppelt oder verdreifacht.

Klingt erst einmal toll, doch Vorsicht ist geboten. Die Verdopplung gilt auch für Verluste – und das kann fatale Folgen haben. Fällt der Kurs um ca. 20% (wie zuletzt im Dezember), beläuft sich der Verlust dann auf 40% oder 60%.

Ein längeres Auf und Ab an der Börse ist für niemanden gut, aber bei gehebelten ETFs können sich solche Phasen fatal auswirken. Im folgenden Beispiel habe ich natürlich sehr hohe Kursentwicklungen angesetzt. Es soll plastisch, quasi im Zeitraffer, verdeutlichen, was sich da tut. Längere Phasen des Auf und Ab mit niedrigeren Prozent hätten einen ähnlichen verheerenden Effekt.

TagKursentwicklungIndexgehebelter ETF
0Investition: 100,-
1– 30%7040,-
2+30%91,-64,-
3-30%63,725,6
4+30%82,8140,96
5-30%57,9716,38
6+30%75,3626,21
7-30%52,7510,48

Gehebelte Short-ETFs: sind etwas für alle, die den Nervenkitzel suchen (Alles auf rot!). Sinkt der Kurs eines Index um 2%, dann steigt der Kurs des doppelt gehebelten ETFs um 4%. Soweit so gut. Leider gilt dies dann aber auch für Verluste. Da Kurse historisch betrachtet mehr steigen als sinken, ist das Ergebnis absehbar. Buy and Hold mit einem gehebelten Short-ETF ist schon fast eine Garantie auf Totalverlust.

Daher sollte man mit solchen Produkten sehr vorsichtig sein. Persönlich setze ich sie nicht ein. Ruft man auf dem Suchportal justetf das Profil eines gehebelten ETFs oder einen Short-ETFs auf, wird mit folgendem Hinweis ausdrücklich auf die Gefahren hingewiesen:

ETFs auf Short oder Leveraged Indizes sind als kurzfristiges Handelsprodukt konzipiert und eignen sich nicht für langfristig orientierte Anleger. Bevor eine Handelsentscheidung getroffen wird, sollten Anleger die Funktionsweise der Indizes respektive der Produkte verstanden haben. Zu beachten ist, dass ein Unterschied zwischen der erwarteten Wertentwicklung und der tatsächlichen bei einer Anlagedauer von mehr als einem Tag eintreten kann.

Mein Fazit: Short-ETFs und gehebelte ETFs sind etwas für sehr erfahrene Anleger und sollte auch dann nur kurzfristig zum Einsatz kommen. Meiner Meinung nach haben solche Produkte im Portfolio eines normalen Buy and Hold-Anlegers gar nichts zu suchen.

Nachteil 20 – ETFs können steuerliche Nachteile haben

Seit der Investmentsteuerreform von 2018 haben ausschüttende UCITS ETFs nur noch geringe steuerliche Nachteile gegenüber thesaurierenden UCITS ETFs. Nähere Informationen finden sich in diesem Artikel von Justetf.

Seit der Reform gibt es eine Teilfreistellung der Erträge von Fonds in der Höhe von 30%. Damit ist es nicht mehr notwendig, die gezahlte Quellensteuer nachzuweisen, denn es werden pauschal 30% verrechnet.

Doch ETFs, die in Irland aufgelegt werden, bekommen weiterhin die Hälfte der 30 % US-Quellensteuer zurückerstattet. Das in Irland geltende Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA macht es möglich. Hier bekommen auch Anleger, die in Fonds investieren, einen Teil der Quellensteuer zurückerstattet. Formal ist es also genau umgekehrt. Manche ETFs haben einen zusätzlichen Steuervorteil. Dies betrifft vor allem in Irland aufgelegte ETFs (oder SWAP-ETFs).

Aufpassen muss man aber mit ausländischen ETFs, zum Beispiel aus der USA. Während die Investmentsteuerreform 2018 die Besteuerung europäischer ETFs und Fonds vereinfacht hat, gibt es bei den Pendants aus Übersee nun einiges zu beachten. Hier kann es bereits Schwierigkeiten beim Kauf geben. Dieser ist derzeit meist nur über ausländische Broker möglich. Wer sich dafür interessiert, findet in diesem Artikel von Luis Pazos weitere Informationen.

Wahr ist aber auch, dass Steuerreformen kommen und gehen. Als langfristig denkendener Buy and Hold-Anleger kann man sich daher nur sehr bedingt darauf verlassen, dass alles so bleibt, wie es ist.

Nachteil 21 – SWAP-ETFs enthalten nicht immer was drauf steht

Exkurs – Was sind SWAP-ETFs

Die letzten beiden Kritikpunkte betreffen ausschließlich synthetische replizierende ETFs oder SWAP-ETFs. Bei ETFs, die so konstruiert sind, wird der Index nicht durch den Kauf der darin enthaltenen Einzelwerte abgebildet (physische Replikation). Die geschieht hingegen durch ein Tauschgeschäft (swap) mit einem Partner (Kontrahent). Der ETF hält dabei in seinem Portfolio ggf. ganz andere Werte als die im Index enthaltenen. Er bekommt aber von seinem SWAP-Partner gegen Gebühr die Rendite des Index zugesichert.

Aus der besonderen Konstruktion von SWAP-ETFs ergibt sich zwingend, dass diese Art von ETF sehr wahrscheinlich nicht die Aktien hält, die im Index enthalten sind. Es gibt aber deutlich mehr physisch replizierende ETFs als synthetische ETFs. Hat man etwas gegen SWAP-ETFs, kann man sie sehr leicht vermeiden. Man muss sie nicht kaufen. Es gibt Alternativen. In der letzten Zeit wurden auch immer häufiger synthetische ETFs in physisch replizierende umgewandelt.

Darüber hinaus haben SWAP-ETFs durchaus auch Vorteile. Sie sind oft kostengünstig und bilden den Index relativ exakt ab bzw. haben keine hohe Tracking-Differenz. Zudem können sie einen leichten Zugang zu schwer investierbaren Märkten bieten.

Nachteil 22 – SWAP-ETFs haben ein Kontrahentenrisiko

Schluck. Was passiert eigentlich, wenn bei einem SWAP-ETF (s.o. Kasten) der SWAP-Partner Pleite geht und damit ausfällt? Dieses Szenario bezeichnet man als Kontrahentenrisiko, da der Kontrahent des Tauschgeschäfts ausfällt. Oh Schreck, ist dann alles weg? Nein.

Was passiert nun? Im Falle einer Insolvenz des SWAP-Kontrahenten kann dieser die Rendite des Index nicht mehr garantieren. Das Risiko ist dabei beschränkt. Bei UCITS-ETFs müssen mindestens 90% durch Sicherheiten von hoher Bonität (Aktien von großen Unternehmen und Anleihen) gedeckt sein, die dann ausgezahlt werden können. Es könnte also zu einem Verlust von ca. 10% kommen, doch einige der großen ETF-Anbieter achten auf Sicherheiten bis zu 100% und mehr.

Mir sind keine Fälle bekannt, in der Anleger durch einen synthetischen ETF zu Schaden gekommen sind. Es gilt aber in jedem Fall: wie bei anderen ETFs, ist es auch bei SWAP-ETFs sehr ratsam, die Fondsunterlagen genau zu lesen. Darüber hinaus gilt wie bei Nachteil 21 dargelegt: Es gibt Alternativen. Man muss keine SWAP-ETFs kaufen.

Fazit – Vor- und Nachteile von ETFs

Sind ETFs für Anleger gefährlich. Was sind die Nachteile von ETFs, die meist einen Index abbilden?
Nie wieder ETFs?

Bei den hier präsentierten Nachteilen von ETFs gibt es verschiedene Arten von Argumenten. Einige zielen auf die Konstruktion von ETFs ab, andere weisen auf systemische Risiken hin. Vorgebracht werden diese Argumente meist von Vertretern der Finanzindustrie, die ihr Geld mit klassischen Fonds verdient. ETFs bedrohen dieses lukrative Geschäftsmodell. Es liegt daher im Interesse der traditionellen Fondsgesellschaften, das Vertrauen von Anlegern in ETFs zu erschüttern.

Wie gezeigt wurde, handelt es sich bei vielen der Argumente daher auch um Mythen, Verdrehungen oder Halbwahrheiten, wie zum Beispiel bei der Behauptung, dass es generell teurer wäre, ETFs zu kaufen als ein Portfolio von Einzelaktien zu unterhalten.

Andere Kritikpunkte, die zutreffen oder zumindest einen wahren Kern haben, gelten ebenso auch für gewöhnliche Investmentfonds. Bei der Gewichtung nach der Marktkapitalisierung, kann man, zum Beispiel, durch geschickte Auswahl der Fonds, gegensteuern.

Wider andere weisen durchaus auf ein ETF-spezifisches Problem hin, wie zum Beispiel, die leichte Handelbarkeit von ETFs. Sie ermöglicht es, ETFs schnell zu kaufen und zu verkaufen. Man kann mit ETFs besser zocken als mit herkömmlichen Investmentfonds. Das ist aber etwas, was man durch etwas Bildung und Disziplin selbst in den Griff bekommen kann.

Insgesamt erscheinen mir die Vorteile von ETFs, die ich im ersten Teil dieses zweiteiligen Artikels beschrieben habe, sehr viel ausschlaggebender. Kurzum: nichts, was ich hier geschrieben habe, wiegt so schwer, dass es mich davon abhalten wird, auch weiterhin in ETFs zu investieren.

Puh, es sieht so aus als könnte dieser Blog seinen Namen behalten. Da bin auch ich jetzt sehr erleichtert…

Die 22 Nachteile von ETFs 1

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