Die 10 Gebote für die Buy and Hold-Geldanlage

Eine Übersicht der 10 Gebote der Buy and Hold-Geldanlage mit ETFs. 10 Regeln für die Geldanlage mit ETFs.

Gibt es ein paar einfache Regeln (oder Gebote), die bei der Buy and Hold-Geldanlage mit ETFs und Indexfonds zum Erfolg führen? Wie in anderen Lebensbereichen auch, muss es doch ein paar einfache Regeln geben, die dafür sorgen, dass wir erfolgreich sind. Sei es Gewichtsabnahme, Fitness oder das Lernen von Sprachen, eines verbindet diese. Ohne eine gewisse Disziplin wirst Du keinen Erfolg haben.

Bei der Geldanlage ist das nicht anders. Auch hier gilt, es gibt ein paar Dinge, die es zu tun und zu lassen gilt. Warren Buffet formuliert es treffend:

“Du musst in deinem Leben nur ein paar Dinge richtig machen, so lange du nicht zu viele Dinge falsch machst.”

“You only have to do a very few things right in your life so long as you don’t do too many things wrong.”


In der Folge findest Du daher 10 Gebote oder Regeln, die ich bei der Geldanlage mit ETFs für essenziell halte, um langfristig ein gutes Ergebnis erzielst. Ich habe bewusst versucht, Dir keine Liste zu präsentieren, die umfassend ist und jedes Detail erfasst. Das würde am Anfang vielleicht etwas verwirren. Nein, es soll hier wirklich um das notwendigste Rüstzeug gehen. Wenn Du aber meinst, dass hier etwas Bedeutsames fehlt, freue ich mich auf Deinen Kommentar.

Warum 10 Gebote für die Geldanlage mit ETFs?

Was dem Christentum die 10 Gebote, sind dem Buddhismus die 10 heilsamen Handlungen. Alle großen Weltreligionen kennen solche Regelwerke mit 10 grundlegenden Geboten und Verboten. Warum also nicht auch 10 Gebote für die Geldanlage mit ETFs? Sie bieten den Gläubigen Orientierung und sind so etwas wie ein Schlüssel für die Lebensgestaltung.

ETFs sind ja mittlerweile fast schon so etwas wie eine eigene Religion der Geldanlage. Es gibt da eine schnell wachsende Glaubensgemeinschaft mit festen Überzeugungen. Das ist verständlich, denn die Botschaft und der Weg zum Heilsziel sind ansprechend und überzeugend. Doch auch ETF-Investoren, insbesondere wenn sie gerade am Anfang stehen, brauchen Orientierung. Da wird viel gelesen.

Fängst Du an, Dich mit Finanzliteratur zu beschäftigen, triffst Du rasch auf eine Vielzahl von Ratschlägen für Investoren. Viele davon sind äußerst hilfreich, andere eher nebensächlich und wieder andere sogar kontraproduktiv. Letztere finden sich zuhauf in der Finanzpornographie.

Welches sind für mich nun die 10 wichtigsten Ratschläge für die Geldanlage mit ETFs? Hier eine Liste mit 10 Dingen, die ich für absolut wichtig halte.

Die 10 Gebote für die Buy and Hold-Geldanlage mit ETFs

1. Gebot – Diversifikation ist herrlich, Dein einziger Free Lunch. Du sollst keine anderen Anlagestrategien neben ihr haben.

Buy and Hold-Geldanlager mit ETFs predigen definitiv den Polytheismus. Da ist kein Platz für die einzig wahre Aktie, egal ob Apple, Amazon oder Google. Nokia galt auch lange Zeit als eine sichere Bank. Der Kauf von Firmenaktien mag lukrativ sein, aber das Risiko ist enorm. Geht es mit dem Unternehmen abwärts ist die Rendite im Portfolio futsch und vermutlich gleichzeitig auch der Job in Gefahr.

Also, bekennende Buy and Hold-Anleger setzen ihre ganze Hoffnung nicht auf ein einzelne Aktien oder den Heimatmarkt und praktizieren kein Stock Picking. Stattdessen suchen sie ihr Heil in schönem, breiten Indexing mit ETFs, aber eben nicht bloß der DAX mit seinen poppeligen 30 Aktien. Research zeigt, dass ein breit diversifiziertes Portfolio mit tausenden von Aktien Dein Risiko minimiert und sehr wahrscheinlich auch Deine Rendite verbessert.

Halleluja, preiset die Diversifikation!

2. Du sollst deine Risikotoleranz richtig einschätzen und die Haltezeit einhalten.

Eine weitere Börsenweisheit von Warren Buffet lautet “Verliere niemals Geld. Regel Nummer 2: Vergiß niemals Regel Nummer 1!” Wie soll das gehen, niemals Geld zu verlieren?

Ganz einfach. Buy and Hold heißt “Kaufen und Halten”. Befolgt man bereits das 1. Gebot der Diversifikation beim Kauf und legt das Geld nicht riskanter an als man es aushält, kann man seine ETFs ewig halten. Wird Warren Buffet auf seine bevorzugte Haltedauer von Aktien befragt, so antwortet er daher schlicht und trocken “für immer“.

Anleihen sind wahrlich kein Renditeturbo und in jungen Jahren halte ich sie persönlich für nicht essenziell. Dennoch, der Aktienmarkt kennt brutale Ausschläge von 50% nach unten und mehr und da haben Anleihen ihre Zweck. Natürlich erholen sich die Märkte meist sehr schnell wieder, zumindest war das in der Vergangenheit so. Buy and Hold-Anleger glauben fest daran, dass die Märkte auch in Zukunft langfristig weiter steigen.

Bist Du zu 100% in Aktien investiert, kann es leicht sein, dass Du bei einem Crash in Panik gerätst. Dann schmeißt Du leicht alle Anlageregeln über Bord. Es kommt zur “Ich halte das alles nicht mehr aus!”-Mentalität und Du verkaufst.

Damit hast Du dann Deine Buchverluste realisiert. Die Einbußen bei der Rendite, die durch eine Anleihenbeimischung von 40-50% entstehen, wären dann vergleichsweise gering. Hält Dich ein Anleihen-Anteil von 50% davon ab, im Crash zu verkaufen, dann ist es das Wert. Anleihen können also ein Hilfsmittel sein, Dein Portfolio langfristig halten zu können. Mehr zu Anleihen, im Portfolio findest Du hier in diesem Artikel.

100% Aktien bedeuten hingegen, dass Du hin und wieder eine Achterbahnfahrt mitmachen musst. Wenn Du Dir das Renditedreieck des DAX ansiehst, kannst Du leicht erkennen, dass dies nicht besorgniserregend ist. Anleger, die länger als 15 Jahren investiert blieben, hatten selbst beim DAX eine durchwegs positive durchschnittliche Jahresrendite. Es gibt natürlich keine Gewähr, dass das auch in Zukunft so bleibt, es ist aber wahrscheinlich.

3. Du sollst Dich selbst zuerst bezahlen und die Ausführungstage des Sparplans heiligen

Beim Sparen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Du lebst ganz normal und sparst, was immer am Ende des Monats übrig bleibt. Der Nachteil: es wird mal mehr und mal weniger sein. Du schaffst es nicht, regelmäßig zu sparen. Bei den meisten Menschen passt sich der Konsum den vorhandenen freien Geldmitteln an. Da kann es dann passieren, dass am Ende des Geldes noch sehr viel vom Monat übrig ist.
  2. Du bezahlst Dich selbst zuerst. Am Anfang des Monats überweist Du einen fixen Betrag auf ein separates Konto. Dieses verwendest Du für Deine Sparanlagen. 2-3 Monatsgehälter bleiben als Notreserve auf dem Tagesgeldkonto liegen und den Rest kannst Du investieren. Der Vorteil: Du sparst regelmäßig eine gleichbleibende Summe und gewöhnst Dich daran, mit dem vorhandenen Geld zu haushalten.

Die auf diese Weise festgelegte Sparrate fließt dann in Deine Sparpläne. Diese werden meist zu festen Tagen ausgeführt. Halte Dich daran und spare einfach stur auf diese Weise weiter. Regelmäßiges Sparen bringt Dich weiter, als hin und wieder mal einen mittleren Betrag einzuzahlen.

Versuche auch, der Verlockung zu widerstehen, den Markt zu beobachten. Viele wollen Geld zurückhalten oder mehr investieren, wenn Sie den Markt für über- oder unterbewertet halten. Tief kaufen und hoch verkaufen klingt verlockend, aber Market-Timing funktioniert nicht wirklich. Es ist keine verlässliche Methode zur Rendite-Maximierung. Vorhersagen sind nicht zuverlässig.

Wichtig: Beginne so früh wie möglich mit dem Sparen, damit der Zinseszins wirken kann! Ein Sparplan ist daher für alle ideal, die einen Teil ihres Gehaltes sparen. Das Geld wird damit immer dann investiert, wenn Du es bekommst. Es beginnt sofort für Dich zu arbeiten. Stehen höhere Beträge zur Verfügung, kann man sie entweder direkt investieren oder ebenfalls mit einem Sparplan auf mehrere Tranchen aufteilen.

4. Du sollst sparsam leben und die Sparquote erhöhen.

Was Sparsamkeit für Dich genau bedeutet ist etwas sehr persönliches. Auch die Sparrate ist sehr individuell. In Foren stellen Neulinge hin und wieder erwartungsvoll ihren Sparplan vor. Wenn sie dann erwähnen, dass sie 100,- im Monat anlegen, gibt es immer wieder Kommentare im Stil “Bei dem niedrigen Betrag lohnt sich das noch nicht wirklich. Erhöhe lieber die Sparrate.”

Ganz ehrlich, ich kenne die Personen doch gar nicht. Erstens, beginnt jeder irgendwann einmal und ich halte es für ein Zeichen von Vernunft, wenn man nicht gleich 50% seines Einkommens regelmäßig in etwas investiert, was man gerade für sich entdeckt hat. Zweitens, wenn z.B. eine alleinerziehende Mutter es schafft, regelmäßig 100,- monatlich zurücklegen, dann beeindruckt mich das sehr. Was hoch und was niedrig ist, ist relativ.

Bei Sparsamkeit meine ich auch nicht extreme Verhaltensnsweisen, wie sie manche der Anhänger des Frugalismus predigen. Sicher, 70% des Einkommens zu sparen und mit 40 Jahren in Rente zu gehen klingt gut. Wenn ich etwas jünger wäre, würde mich das vielleicht auch anziehen. Das ist in Ordnung, aber eben sicher nicht für jeden geeignet.

Mein sehr persönlicher Ansatz ist eher ein Mittelweg. Ich habe Familie und einen Job, der mir tatsächlich sehr viel Spaß macht. In der aktuellen Situation käme ich gar nicht auf die Idee, vorzeitig in Ruhestand zu gehen. Ich möchte arbeiten und ich hoffe, dass es doch wenigstens ein paar Leuten noch ganz genauso geht. Mir geht es nicht um finanzielle Freiheit, sondern finanziele Eigenständigkeit.

Nach meiner Ausbildung habe ich 10 Jahre studiert, bis ich einen richtigen Job hatte. Meine Frau hat ebenfalls eine Ausbildung und viele Jahre Studium hinter sich. Wir sind es gewohnt, wie Studenten zu leben und wenig auszugeben. Wir leben wohl beide ganz natürlich einigermaßen frugal.

Der wesentliche Punkt ist für mich, dass man weniger ausgibt als man einnimmt. Wählt man den Ansatz, sich selbst zuerst zu bezahlen und legt am Anfang des Monats Geld für den Sparplan zur Seite, dann lernt man mit dem zu wirtschaften, was da ist. Merkst Du, dass Dir am Ende des Monats immer etwas übrig bleibt, kannst Du dann ggf. die Sparrate etwas erhöhen. Ebenso kannst Du bei Gehaltserhöhungen einen Teil für die Sparrate vorbehalten.

Wenn das Depot am Anfang noch klein ist, bringt eine Erhöhung der Sparrate in der Tat mehr, als ein halbes Prozent extra durch “geschicktes” Portfolio-Management herauszuholen. Eine zusätzliche Fortbildung zu absolvieren, die Dir eine Gehaltserhöhung ermöglicht ist sicher eine gute Idee. Auch ein Nebenjob mag eine Option sein. Das gilt aber nicht für alle Leute gleichermaßen. Es kommt auf die Lebenssituation an.

Langfristig gedacht, ist natürlich auch überhaupt nichts gegen ein halbes Prozent extra durch geschickte Portfolio-Gestaltung einzuwenden. Reden wir von mehr als 20-30 Jahren, dann kann der Zinsezins eine große Wirkung entfalten.

5. Du sollst niedrige Kosten ehren.

Der sicherste Weg, ein halbes Prozent extra und mehr zu erwirtschaften, liegt darin, die Kosten Deiner Geldanlage zu verringern. Das geht am Besten mit passiven ETFs, die einen Index abbilden. Sie sind kostengünstig zu haben. Halte Dich daher von teuren Fonds und Depotbanken fern.

Es gibt heute zahlreiche Online-Banken, die Dir ein kostenloses Depot zu fairen Konditionen liefern. Manche bieten kostengünstige oder sogar kostenlose Sparpläne an.

Aber auch bei ETFs auf den gleichen Index, kann es sich lohnen, einen Vergleich vorzunehmen. Beim MSCI Emerging Markets reicht die Spanne derzeit von einer Total Expense Ratio (TER) von 0,2% bis hin zu 0,75% an jährlichen Verwaltungskosten. Da lässt sich also ggf. langfristig auch noch ein halbes Prozent einsparen. Die kostengünstigen Vanguard ETFs auf den FTSE Emerging Markets sind natürlich auch eine Alternative.

Wichtiger als die TER ist allerdings die Tracking-Differenz. Diese Kennzahl gibt an, wie stark ein ETF von seinem Index abweicht. Sie ist somit aussagekräftiger als die Verwaltungskosten. Ein Vergleichsmöglichkeit findest Du hier. Bei den meisten ETFs, die den selben Index abbilden, sind die Unterschiede aber nicht sehr groß. Die Performance ist insgesamt sehr ähnlich.

Kosten lassen sich auch enorm verringern, in dem Du ganz auf aktiv gemanagte Fonds verzichtet. Dazu mehr beim 6. Gebot.

6. Du sollst nicht mit aktiv gemanagten Fonds Ehebruch begehen

Dieses der 10 Gebote ist eng mit dem vorherigen verknüpft. Es ist aber wirklich wesentlich und daher bekam es einen eigenen Punkt.

Bleibe kostengünstigen ETFs treu. Siehe es wie ein Ehegelübde:

Von nun an, bis das der Tod des Portfolios uns scheide, setze ich nur auf passive ETFs.

Aktiv gemanagte Fonds haben oft hohe Verwaltungskosten von 1-2% pro Jahr und Ausgabeaufschläge. ETFs haben hingegen keine Ausgabeaufschläge und die Verwaltungskosten sind oft deutlich niedriger als 0,5%. Im Durchschnitt haben sie dennoch keine schlechtere Performance, im Gegenteil. Hier kannst Du also gleich mehrfach ein halbes Prozent einsparen.

Im letzten Artikel, habe ich mir den Vertrage einer privaten Rentenversicherung näher angesehen. Da kam ein Fonds zum Einsatz, der jährlich fast 2% Verwaltungsgebühren hatte. Der dazugehörige Versicherungsmantel produzierte zusätzlich noch einmal Kosten in vergleichbarer Höhe.

Hohe Ausgabeaufschläge für Fonds sind ein Renditekiller. Manche Fonds haben Ausgabeaufschläge in Höhe von 5%. Legst Du 10.000,- an, sind sofort wieder 500,- weg, bevor es überhaupt begonnen hat. Diesen Startnachteil musst Du erst einmal wieder aufholen. Doch aktiv gemanagte Fonds erzielen ja in der Regel gar keine bessere Rendite als vergleichbare ETFs – zumindest nicht dauerhaft und auch nicht prognostizierbar. Auf solche unnötigen Kosten kann man getrost verzichten.

Übrigens denken viele, dass ETFs grundsätzlich passiv gemanagt sind. ETFs sind einfach börsengehandelte Investmentfonds. Der Unterschied zwischen einem normalen ETF und einem herkömmlichen Fonds liegt also in der Handelbarkeit. Auch wenn die überwiegende Mehrheit von ETFs passiv einen Index abbildet, gibt es doch einige ETFs, die aktiv gemanagt sind. Man erkennt diese oft an den deutlich höheren Kosten.

Fazit für dieses Gebot: Weg mit teuren Versicherungsmänteln! Weg mit hohen Verwaltungskosten von aktiv gemanagten Fonds! Weg mit Ausgabeaufschlägen! Das nagt langfristig nur an der Rendite.

7. Du sollst dich nicht durch Anlageklassen mit historisch niedriger Rendite, Branchenwetten oder Spekulationen selbst bestehlen

Bei einer Geldanlage mit ETFs ist es nicht so wesentlich, ob Du ETF A oder B auf einen Index auswählst. Wesentlicher sind die Anlageklassen an sich. Fokussiere Dich dabei auf Anlageklassen mit einer langen Geschichte von guter Performance.

Dazu gehören für mich, zum Beispiel, breiteIndexewie Large Cap World Blend, Large Cap Emerging Markets Blend, Large Cap Emerging Markets Value, Large Cap World Value, Small Cap World, Small Cap World Value, Small Cap Emerging Markets Blend, REITS, etc.

Was Du nicht unbedingt brauchst sind irgendwelche exotischen Branchen-ETFs auf portugiesische Hersteller von Fischernetzen. Zurzeit beliebt sind da Robotik-ETFs, Cannabis-ETFs oder ETCs auf bestimmte Rohstoffe. Damit handelt es sich um Wetten, dass eine bestimmte Branche sich besser entwickelt als der Rest.

Bei der Buy and Hold-Geldanlage mit ETFs geht es doch um Langfristigkeit. Keine der Branchen wird langfristig eine Überperformance haben. Bis 2000 dachten auch viele, dass die New Economy eine sichere Sache wäre. Das gipfelte im Platzen der Dotcom-Blase und es dauerte Jahre, bis sich diese Branche wieder erholte.

Natürlich bin ich auch davon überzeugt, dass Roboter und AI in der Zukunft eine große Rolle spielen werden. Die Frage ist aber, wer davon profitiert. Es sind ja nicht nur die Unternehmen, die in diesem Bereich arbeiten. Diese Technologie wird auf viele Unternehmen einen positiven Effekt haben. Mit einer Investition in den breiten Markt, ist man da auf jeden ausreichend beteiligt.

Bei der Auswahl eines ETFs sollte man sich genau überlegen, ob das wirklich einer ist, den man für Jahrzehnte halten möchte. Es gilt für mich daher das Gleiche wie bei der Eheschließung:

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet.
Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang.

Das Lied von der Glocke, Friedrich Schiller

Spekulative Positionen kann man da nicht gebrauchen. Bei einem breit diversifizierten Portfolio ist man ohnehin an zahlreichen Chancen beteiligt. Dementsprechend halte ich auch nichts davon, mit einem Teil des Portfolios – selbst einem kleinen – bewusst zu spekulieren.

Gut, das klingt jetzt für Dich vielleicht ziemlich orthodox und langweilig. Du möchtest unbedingt ein bisschen Spaß haben mit Deinem Portfolio? Wie Du sicher weißt, sind die 10 Gebote im Christentum in erster Linie eine Orientierung, aber nicht alle Gläubigen befolgen sie aufs Wort, selbst die Priester. Tatsächlich habe ich auch noch ein paar Einzelaktien im Portfolio, die ich aber allmählich auflösen möchte.

Wenn Du also sagst: “Das ist mir zu langweilig!” und unbedingt darauf bestehst, dann tu’s. Du bist Erwachsen. Persönlich würde ich das wirklich auf maximal 10% des Portfolios beschränken. Bei mir laufen die Einzelaktien nicht besser als der Rest meines Portfolios, aber vielleicht ist das ja bei Dir anders. Alternativ kannst Du Dir auch für ein paar Euro einen Lottoschein kaufen.

Beherzigst Du diese Gebote, dann wirst Du dich wahrscheinlich nicht selbst um eine gute Rendite berauben.

8. Du sollst kein Risiko eingehen, für das es keine erwartete Risikoprämie gibt

Ja. Rendite kommt von Risiko, aber nicht jedes Risiko ist mit einer zu erwartenden Risikoprämie verbunden. Die erwartbare Rendite einer Einzelaktie entspricht, zum Beispiel, dem Durchschnitt der der erwartbaren Rendite aller Einzelaktien. Gleichzeitig ist das Risiko einer Einzelaktie aber ungleich höher. Es ist daher viel riskanter, auf Einzelaktien zu setzen, obwohl die erwartbare Rendite gleich ist.

Weitere Risiken, für die es keine Risikoprämie gibt, sind z.B. Branchen-Risiken (s.o.), auf einzelne Länder zu setzen (z.B. nur DAX im Portfolio) oder nur auf eine einzige Anlageklasse (nur Large Cap Blend). Auch hohe Kosten, z.B. von aktiv gemanagten Fonds, sind ein Risiko für welches du keine Kompensation erhältst.

Wenn du ein zusätzliches Risiko eingehst, überlege Dir immer ganz genau, ob Du dafür mit einer Risikoprämie rechnen kannst oder nicht.

9. Du sollst nicht begehren deines Nachbarn Rendite.

Vermutlich gibt es in Deinem Umfeld andere, mit denen Du Dich über Geldanlage austauschst. Sicher wirst Du da auch mit zahlreichen Erfolgsgeschichten konfrontiert. “Die Aktie ABC bzw. der Branchen-ETF XYZ steigt und steigt. Denn solltest Du Dir die auch unbedingt zulegen.” Die Rendite ist tatsächlich gigantisch. Das ist schon eine Überlegung Wert. Eine solche Entwicklung darf man doch nicht verpassen. Klar, das klingt äußerst verlockend.

Bedenke dabei eines. In der Vergangenheit mag die Aktie oder der Branchen-ETF ganz toll gelaufen sein. Wie es in Zukunft aussieht, weißt du jedoch nicht. Was Dir Deine Freunde auch nicht erzählen werden, sind die hohen Verluste, die sie mit anderen Aktien oder Branchen-ETFs eingefahren haben. Du hörst nur die aktuellen Erfolgsgeschichten.

Tipps aus Deinem Umfeld sind keine verlässlichen Informationen. Sie sind kein Grund, Deine Anlage-Philosophie umzuwerfen oder zu ändern.

10. Du sollst nicht begehren eines provisionsabhängigen Beraters Fonds, Lebensversicherung, Rentenversicherung noch alles, was der Berater im Angebot hat.

Kurz zusammengefasst: halte Dich von Anlageberatern fern, die für die Vermittlung von Abschlüssen Provisionen erhalten. Wie im letzten Artikel dargelegt, haben sie häufig einen Interessenskonflikt. Was gut für Dich ist, ist ganz oft nicht gut für sie und umgekehrt. Es sind gerade Finanzprodukte mit hohen Kosten, die mit einer hohen Provision für den Berater locken. Dies können teure Fonds, Lebensversicherungen oder private Rentenversicherungen sein.

Oft agieren die Berater auch nicht unabhängig und haben nur eine begrenzte Produktpalette zur Verfügung, auf die sie zurückgreifen können. Banken haben meist eigene Fondsgesellschaften, deren Produkte sie vertreiben. Bankberater werden daher versuchen, Dir diese zu verkaufen. Das macht es auch ganz deutlich: die meisten sogenannte Berater sind keine Berater, sondern Verkäufer. Denke daran und unterzeichne nicht voreillig irgendwelche Verträge. Nimm Verträge immer mit nach Hause und prüfe sie genau.

Solltest Du einen Berater suchen, dann halte nach Honorarberatern Ausschau. Prüfe dennoch genau, ob zusätzlich Provisionen im Spiel sind.

Das Amen in der Kirche

Die hier aufgeführten 10 Gebote sind Punkte, die ich für besonders wichtig erachte und befolge. Die Liste ist also quasi mein privates Manifest von Anlageprinzipien. Es strebt daher auch nicht die Vollständigkeit an.

Tatsächlich bin ich mir bewusst, dass es ganz sicher einige Punkte gibt, die hier fehlen. Das Thema Steuer ist, zum Beispiel, so ein Fall. Natürlich sollte die Buy and Hold-Geldanlage mit ETFs steuereffektiv erfolgen. Dank der Reform des Investmentsteuergesetzes von 2018 gibt es aktuell aber keine großen Unterschiede zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs mehr. Ein paar Details gibt es gleichwohl, die ich aber nicht wesentlich für den Anlageerfolg halte. Daher bin ich hier nicht näher darauf eingegangen. Die steuerliche Situation kann sich in Zukunft ohnehin wieder ändern.

Über Verbesserungsvorschläge, Ergänzungen und kritische Kommentare freue ich ich mich dennoch sehr. Lob ist natürlich auch höchst willkommen. Das größte Lob besteht für mich aber darin, wenn Du diesen oder andere meiner Artikel mit Leuten teilst, die sich dafür interessieren. Ich halte es für wesentlich, dass junge Leute frühzeitig von den sinnvollen Möglichkeiten der Buy and Hold-Geldanlage mit ETFs erfahren, da sie noch einen langen Anlagehorizont vor sich haben.

Ich könnte jetzt noch viele weitere Punkte auflisten, aber da eine alte Pfarrer-Weisheit lautet, “Man kann über alles predigen, nur nicht über 20 Minuten”, werde ich nun besser aufhören.

Amen.

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