ETF-Auswahl und wie funktionieren ETFs – F&A # 3

ETF-Auswahl und wie funktionieren ETFs – F&A # 3 1

Leser, Patrick B. (Name geändert) hat mich letzte Woche über Facebook kontaktiert und mir einige Fragen zu ETFs gestellt. Er möchte gerade mit dem Investieren in ETFs beginnen, was ich natürlich gut finde. Neben der allgemeinen Frage “Wie funktionieren ETFs?” ging es dabei auch um die ETF-Auswahl.

Er stellte auch noch einige andere gute Fragen rund um die Geldanlage mit ETFs. Gewiss interessieren meine Antworten auch andere Leser. Zu den meisten dieser Themen wollte ich sowieso Artikel schreiben. Mit Patricks Einverständnis teile ich daher meine leicht überarbeiteten Antworten auf dem Blog mit Dir.

Da es aber wirklich einige Fragen waren, werde ich sie aufteilen und bespreche sie hier nach und nach.

Der Anlagehintergrund

Patrick interessiert sich für die Geldanlage mit (dividendenstarken) ETFs, aber auch Einzelaktien. Deshalb hatte er sich schon bei seiner Hausbank beraten lassen, die ihn zum Thema ETF aber anscheinend nicht beraten wollte. Ein Depot mit einem konservativen Rentenfonds und zwei Aktienanleihen hat er dort aber bereits.

Zusätzlich hat er auch ein Konto bei der DKB und sah, dass man dort im Depot auch ETFs kaufen kann. Ich kenne weder das genaue Alter noch die finanzielle oder berufliche Situation.

Die Fragen – Überblick

Patrick stellte einige grundlegende Fragen. Die ersten, die ich hier besprechen möchte sind die folgenden: Wie funktionieren ETFs? Für welchen ETF sollte man sich entscheiden und worauf ist bei der Auswahl von ETFs eigentlich zu achten? Auch das Thema TER bzw. Kosten kam vor. Das werde ich aber nicht extra thematisieren, da es bei der ETF-Auswahl sowieso besprochen wird.

In weiteren Fragen ging es auch um die Themen Ausschüttungen, Rendite und Einzelaktien. Natürlich könnte ich es mir hier an diesem Punkt auch ganz leicht machen und auf eines der wirklich guten Bücher zur Thematik verweisen. Da wäre natürlich Gerd Kommer’s Klassiker Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs zu nennen.

Das Werk ist etwas umfangreich und wem das zu viel ist, der kann natürlich auch zu Kommer’s vereinfachten Darstellung in Souverän Investieren für Einsteiger greifen oder alternativ zum Finanzwesir von Albert Warnecke.

Ja. Wenn Du Dein Geld langfristig anlegen möchtest, kann es sicher nicht schaden, Dich ein bisschen in die Materie einzulesen. Wenn Du ein neues Handy oder einen neuen PC kaufst, recherchierst Du vorher sicher auch ausführlich. So viel Sorgfalt ist bei der Geldanlage mindestens auch angebracht.

Die Antworten

Lieber Patrick, Deine Erlebnisse mit der Bank fand ich sehr interessant. Tatsächlich habe ich mit meiner Hausbank vor Kurzem ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Darüber habe ich hier im Blog berichtet. Nur ganz kurz: bei Fragen der Geldanlage traue ich meiner (bald ehemaligen) Hausbank nicht mehr über den Weg.

ETF-Anleger können es eigentlich als Bestätigung betrachten, dass Banken nicht gerne über ETFs reden. Banken sind an ETFs nicht interessiert, da sie daran nicht gut verdienen. Sie verkaufen lieber Fonds oder Bausparverträge.

Es liegt also nicht daran, dass ETFs schlechte Produkte wären, im Gegenteil. Das Banken daran nur wenig verdienen ist für uns als Anleger ein großer Vorteil. Jedes Prozent, dass an Kosten gespart wird, schmälert nicht die Rendite. Es kommt uns selbst zugute.

Wie funktionieren ETFs?

Was ETFs genau sind und wie sie funktionieren habe ich hier schon ausführlicher geschrieben und brauche das daher jetzt nicht wirklich wiederholen. Kurz gesagt sind ETFs einfach börsengehandelte Investmentfonds.

Ein ETF enthält also in der Regel einen Korb von Aktien und/oder Anleihen, die meistens passiv einen Index abbilden. Mit dem Kauf von Anteilen eines ETFs ist man damit anteilig an der Wertentwicklung der im Korb enthaltenen Einzelwerte beteiligt.

Oft hört man heute ja Kritik an ETFs und stattdessen wird dann das hohe Lied auf klassische Investmentfonds gesungen. Macht man sich bewusst, dass ETFs nichts anderes als börsengehandelte Investmentfonds sind, wird schnell klar wie unsinnig diese Kritik oft ist.

Was gegen ETFs ins Feld geführt wird gilt ganz oft auch für klassische Investmentfonds – insbesondere Indexfonds. Klassische Indexfonds gibt es bereits seit 1976 und bisher ist die Welt deswegen noch nicht untergegangen. Über die Vorteile von ETFs und ihre angeblichen Nachteile oder Gefahren habe ich bereits geschrieben.

ETF-Auswahl – Welcher ETF ist der Richtige?

ETF-Auswahl und Anlagestrategie

Zum Thema ETF-Auswahl wollte ich ohnehin noch einen längeren Artikel schreiben. Wichtig ist für mich zuallererst der folgende Punkt. Wichtiger als das Produkt ist die eigene Strategie. Man sollte einen ETF auswählen, der zur eigenen Anlagephilosophie und der damit verbundenen Strategie passt.

Bei der Rendite ist die Auswahl und Zusammensetzung der Assetklassen bzw. Anlageklassen entscheidend. Das heißt zum Beispiel, ob und zu welchem Anteil man in Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe oder Tagesgeld investiert.

Auch innerhalb der Asssetklassen gibt es Unterschiede. Investiere ich zum Beispiel nur in Aktien großer Unternehmen aus Deutschland oder nehme ich vielleicht noch die Aktien kleinerer Unternehmen dazu. Investiere ich auch international oder sogar in Schwellenländer? Setze ich auf Wachstumsaktien, unterbewertete Aktien oder eine ausgewogene Mischung?

Tatsächlich ist die Frage, auf welche Assetklassen ich setzte wesentlicher als die Frage, welche Produkte ich dafür verwende. Gerade wenn ich ETFs verwende, ist der Unterschied zwischen ETFs, die den selben Index abbilden oft sehr gering und nicht wirklich entscheidend.

Wenn man den Selbstauskünften in Social Media-Gruppen traut, dann verfolgen die meisten Anleger heute eine Buy and Hold-Philosophie nach dem KISS-Prinzip mit hoher Risikotoleranz. KISS steht kurz für Keep it stupid simple, also halte es verdammt noch mal einfach.

Anleger, die dieses Prinzip verfolgen setzen auf eine breit gestreute Aktienanlage, die einfach sein soll. Das geht bereits mit 1-2 ETFs. Mit einem ETF auf den MSCI ACWI-Index oder den FTSE All-World-Index lässt sich mit einem einzigen ETF in mehrere tausend Unternehmen in über 40 Ländern gleichzeitig investieren. Auch die Aufteilung 70% MSCI World und 30% Emerging Markets ist da sehr beliebt.

Damit ist das Einzelrisiko von Aktien stark minimiert, aber man hat natürlich weiterhin das volle Kapitalmarktrisiko von Aktien und eine derartige Geldanlage ist nur für einen Anlagehorizont von 10+ Jahren geeignet. Außerdem muss man große Wertschwankungen von über 50% wegstecken können.

Etwas besser gefällt mir persönlich die Variante mit 33,33% MSCI World, 33,33% MSCI World Small Cap und 33,33% Emerging Markets. Das ist immer noch sehr übersichtlich und man hat hier auch in ausreichender Menge Nebenwerte dabei, die bei den beiden anderen Versionen völlig fehlen.

Langfristig bieten Nebenwerte, also kleine Unternehmen, historisch eine höhere Rendite. Dafür können die Wertschwankungen noch einmal etwas höher ausfallen, aber das fällt bei einer 100%igen Aktienquote dann auch nicht mehr groß ins Gewicht.

Strategie ist wichtig, anfangen ist aber noch wichtiger! Diese Schlußbemerkung kann ich mir nicht verkneifen. In Foren begegnen einem immer wieder Menschen, die über Jahre Fragen zur Strategie stellen. Sie tüfteln und überlegen. Ich nenne sie gerne ETF-Raketenwissenschaftler.

Ich bin mir sicher, dass sie irgendwann eine ganz tolle Anlagestrategie entwerfen werden. Wenn sie das Entwickeln der Anlagestrategie aber davon abhält, zu investieren, verpassen sie dabei sehr viel Zeit im Markt – und Zeit ist auch ein wirklich wesentlicher Faktor.

Persönlich finde ich daher folgenden Ansatz gut: man investiert erst einmal in ein Ein-ETF-Portfolio, zum Beispiel mit einem ETF auf den MSCI World-, MSCI ACWI-oder den FTSE All-World-Index. Manche werden dann vielleicht ohnehin dabei bleiben. Falls nicht, lassen sich ETFs auf diese Indexe aber sehr leicht in ziemlich jede Strategie integrieren.

ETF-Auswahl – Worauf muss man bei der Auswahl von ETFs achten?

Wenn die Strategie steht, kann man sich an die Auswahl entsprechender Produkte machen. Hier gibt es ein paar wesentliche Punkte, auf die ich persönlich achte:

Wie groß ist der ETF? Manche raten, keinen ETF unter einem Fondsvolumen (Assets under Management) von mindestens 50 oder 100 Mio. zu kaufen. Ist ein ETF zu klein, kann es passieren, dass ihn die Fondsgesellschaft wieder schließt, da er nicht wirtschaftlich effizient ist. So gerade geschehen bei vier Xtracker-ETFs.

Tatsächlich habe ich hier auch schon Ausnahmen gemacht, zum Beispiel wenn ich von einem ETF sehr überzeugt bin, der gut zu meiner Strategie passt. Kein Problem sehe ich auch, wenn es sich um den Zwilling eines ETFs handelt, der bereits in den USA aufgelegt wurde. Manchmal wird von einem thesaurierenden ETF auch eine ausschüttende Variante aufgelegt oder umgekehrt. Da ist die Anlagesumme ziemlich unerheblich.

Insgesamt sollte man die Risiken im Fall einer ETF-Auflösung auch nicht überbewerten. Sie sind überschaubar und bestehen in erster Linie aus den möglichen steuerlichen Nachteilen, die ein frühzeitiger Verkauf mit sich bringt sowie den möglichen zusätztlichen Kaufkosten.

Das Alter eines ETFs spielt natürlich auch eine Rolle bei der ETF_Auswahl. Einerseits besteht bei einem jungen ETF wiederum eine größere Gefahr, dass er geschlossen wird. Ein junger ETF hat allerdings auch noch eine größere Chance, sein Fondsvolumen zu vergrößern. Der ETF eines großen Anbieters, der nach einem halben Jahr 45 Mio. eingesammelt hat, dürfte zum Beispiel nicht wirklich von einer Fonds-Schließung gefährdet sein.

Wie hoch sind die ETF-Kosten? Hier achte ich bei der ETF-Auswahl vor allem auf die laufenden Kosten und nicht so sehr auf die Kaufkosten. Bei den beiden Brokern, die ich verwende, zahle ich pauschale Kaufkosten. Berechnet auf meine ETF-Sparraten fallen bei mir dann einmalig zwischen 0,33% und 0,5% an Einstiegskosten an. Verglichen mit den laufenden Kosten ist das vernachlässigbar und absolut kein Grund, irgendwelchen Gratisaktionen hinterher zu rennen.

Bei den laufenden Kosten sollte man sehen, was im ETF an jährlichen Kosten entsteht. Was kostet der ETF effektiv? Hier wird meistens auf die TER, also die Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote, geachtet.

Anders als der Name es sugerriert, gibt die TER aber nicht über alle der laufenden Kosten Auskunft. Sie gibt nur Kosten im Zusammenhang mit Verwaltungsgebühren, Index-Lizenzgebühren, Kosten für die Depotverwahrung seitens des Fonds und Vertrieb an. Die Transaktionskosten, SWAP-Gebühren und mögliche Gewinne aus Wertpapierleihen fließen nicht darin ein.

Deutlich aussagekräftiger ist daher die Tracking-Differenz. Diese informiert darüber, wie weit der jeweilige ETF vom Index abweicht, den er abbildet. Es gibt tatsächlich einige ETFs, denen es gelingt genauso oder sogar minimal besser abzuschneiden als ihr Index – und das trotz laufender Verwaltungsgebühren. Sie ist für mich ein entscheidendes Kriterium bei der ETF-Auswahl.

Wenn es mehrere identische ETFs zum gleichen Index gibt kann man auch die Performance von ETFs auf den gleichen Index untereinander vergleichen. Mit dem extraETF ETF-Vergleich geht das recht komfortabel.

Wenn man eine Faktoren-Strategie verfolgt, sollte man sich mit dem Instant X-Ray-Tool von Morningstar die Faktorgewichtung ansehen. Wen man zum Beispiel auf den Size-Faktor setzt, bevorzugt man ETFs, die sich auf kleine Unternehmen spezialisieren (Small Caps).

Tatsächlich definieren viele Fondsgesellschaften und Indexanbieter sehr unterschiedlich, was sie unter klein verstehen. Das Spektrum reicht hier von Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 300 Millionen bis 2 Billionen. Da lohnt es sich durchaus, etwas näher hinzusehen. Das lässt sich dank Suchmaschinen wie extraETF, justetf.com oder morningstar alles in kürzester Zeit herausfinden.

Gerade wenn man sich für Dividendenrenditen interessiert, ist die Übersicht bei extraETF sehr komfortabel. Für langfristige Betrachtungen schaue ich auch manchmal auf amerikanische ETF-Seiten. Gerade bei gängigen Indexen wie dem S&P 500 ist das sehr aufschlussreich, weil es da ETFs und Indexfonds gibt, die über 20 Jahre alt sind. Da sind dann einfach mehr Daten vorhanden.

Das waren ganz kurz ein paar Dinge, auf die ich bei der ETF-Auswahl achte. Die weiteren Fragen von Patrick (oder auch von Dir) werde ich dann in kommenden Artikeln behandeln. Worauf kommt es Dir bei der ETF-Auswahl an? Über Dein Feedback oder weitere Fragen freue ich mich immer.

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