Vanguard Germany All Cap UCITS ETF – Der bessere DAX-ETF?

Vanguard Germany All Cap UCITS ETF erstetzt den Vanguard DAX ETF. Was bedeutet das?

Der Vanguard DAX ETF ist mittlerweile Geschichte und nun? Keine Sorge: er wird einfach zum Vanguard Germany All CAP UCITS ETF. Doch was bedeutet das für Anleger?
Ist das jetzt ein Nachteil oder sogar vielleicht doch ein Vorteil?
Ist der Vanguard Germany All Cap UCITS ETF wirklich besser als ein normaler DAX ETF?

Der Artikel ist Dir zu lang, dann findest Du mein Fazit gleich hier.

Der Vanguard DAX ETF wird zum Vanguard Germany All CAP UCITS ETF

Den Artikel über die Veränderungen bei Vanguard mit dem Wandel vom Vanguard DAX-ETF hin zum Vanguard Germany All CAP UCITS ETF wollte ich eigentlich schon vor Wochen online stellen.

Dann kam einiges dazwischen und ich schaffte es noch nicht einmal mehr, den Schlusssatz zu schreiben.

Brandneu ist die ETF-Umstellung jetzt zwar nicht mehr, dennoch hatte es auch etwas Gutes, zu warten.

Anfangs gab es ja noch nicht alle Infos zum neuen Produkt und da sind wir jetzt schon etwas weiter.

Der Vergleich mit einem herkömmlichen DAX-ETF ist nun deutlich leichter und das ist durchaus einen Artikel wert.

Doch zurück zum Anfang: ein paar Anleger rieben sich  vor einiger Zeit sicher verwundert die Augen, als sie die Nachricht erhielten.

Den Vanguard DAX ETF gibt es nicht mehr? Hat Vanguard den ETF etwa geschlossen?

Was geschehen ist, formulierte Vanguard in der entsprechenden Pressemeldung so:

Vanguard hat das Anlageziel und die Benchmark des Vanguard DAX UCITS ETF vom DAX auf den FTSE Germany All Cap Index aus der FTSE Global Equity Index Series umgestellt. Dementsprechend wird der ETF in Vanguard Germany All Cap UCITS ETF umbenannt.

Aha. Der Vanguard DAX ETF wird also nicht geschlossen, sondern bekommt einfach einen neuen Index und den dazu passenden Namen.

Er behält auch seine ISIN (IE00BG143G97) und somit dürfte sich für Anleger, die bereits einen Sparplan haben, nicht viel ändern, oder?

Was bedeutet diese Änderung für die Anleger ganz konkret?

Doch. Für die Anleger ändert sich durchaus etwas.

Sie sind nun nicht mehr einfach in die 30 größten deutschen Aktienunternehmen investiert, sondern haben gleich 155 große, mittelgroße und kleine Aktienunternehmen im Portfolio.

Für bestehende Anleger heißt das also quasi: 155 zum Preis von 30.

Denkt man an die Vorgänge rund um Wirecard, macht das Sinn. Der DAX ist einfach sehr stark konzentriert.

Wenn der Nummer 1 im DAX etwas passiert – aktuell übrigens Linde mit gut 10% Anteil – macht sich das durchaus bemerkbar.

Ehrlich gesagt, hatte ich mich schon von Anfang an gewundert, warum Vanguard sich für den DAX entschied.

Der DAX passte als Index irgendwie nicht zu Vanguard, die sonst doch eher möglichst breite Benchmarks bevorzugen.

Besser oder schlechter?

Ist der Wechsel der Benchmark nun aber besser oder schlechter für Anleger?

Tja. In jedem Fall bekommen Anleger da nun aber einen deutlich breiteren ETF – und das ist m.M.n. schon einmal sehr gut.

Klar. Mit dem Vanguard Germany All Cap UCITS ETF haben Anleger auch weiterhin ein gewisses Länderrisiko im Portfolio.

Deutschland hin oder her. Nur in Aktien eines einzigen Landes zu investieren ist nie eine gute Idee.

Siehe Dir zum Beispiel als Warnung die Entwicklung japanischer Aktienwerte seit 1990 an.

Wer da zum Höhepunkt eingestiegen ist, wartet immer noch auf neue Höchststände.

Diese Warnung gilt für einen Germany All Cap-ETF, genauso wie für einen Germany Large Cap-ETF, also einen DAX-ETF.

Für mich ist so etwas bestenfalls eine Beimischung im Portfolio.

Davon einmal abgesehen, ist aber auch fraglich, ob sich die Performance eines Germany All Cap-ETF überhaupt sehr von der des DAX unterscheidet.

Immerhin deckt der DAX ca. 80% des deutsche Aktienmarktes ab. Gibt es bei den TOP 10-Werten des FTSE Germany All Cap Index und denen eines DAX-ETF da überhaupt große Unterschiede?

Tatsächlich, während die Top 10 beim iShares Core DAC UCITS-ETF aktuell knapp 63% ausmachen, sind es beim Vanguard Germany All Cap UCITS ETF “nur” knapp 47%.

Man beachte das “nur”. Eine derartige Konzentration finde ich immer noch gewaltig.

Ja. Der Vanguard Germany All Cap UCITS ETF enthält auch viele Small und Mid Caps. Diese spielen allerdings keine große Rolle.

Viele davon haben aufgrund der Gewichtung nach Marktkapitalisierung einen Anteil von zwischen 0,01 und 0,2%.

Ob Du da bei Kursveränderungen der Unternehmen überhaupt etwas mitbekommst? Der Einfluss auf die Rendite dürfte unerheblich sein.

Ein Blick auf den Aktien-Anlagestil macht es deutlich. Large Caps machen beim Vanguard Germany All Cap UCITS ETF mit 82,52% den Löwenanteil aus.

Mid Caps kommen dagegen lediglich auf etwa 14,89% und Small Caps lediglich auf 2,58%.

Das kommt zwar nicht überraschend, ist aber schon ein wenig enttäuschend für Small Cap-Fans.

Immerhin sind es gut 15% mehr Small und Mid Caps als bei einem DAX-ETF, der lediglich auf ca. 1,84% Mid Caps kommt.

Trotzdem. Wenn Du stärker in deutsche Small und Mid Caps investieren möchtest, solltest Du wohl auch weiterhin direkt zu einem ETF auf den MDax oder SDax greifen..

Aber immerhin. Der ETF tut was er verspricht und deckt ganze 95% des deutschen Aktienmarktes ab. Das ist bisher einzigartig.

Gerade für langfristig orientierte Anleger, die deutsche Aktienwerte im Portfolio stärker gewichten möchten, ist das eine Option.

Wer bisher auf zwei bis drei ETFs setzen musste, um den deutschen Aktienmarkt in seiner Breite abzudecken, kommt jetzt mit einem aus.

Vanguard setzt dabei auch hier auf den günstigen Indexanbieter FTSE. Der ausschüttende ETF kann daher die Gebühren stabil halten und kostet auch weiterhin nur 0,1% TER.

Damit ist er sogar noch etwas günstiger als der Comstage F.A.Z. Index UCITS ETF (0,15% TER), der ein Investment in die 100 bedeutendsten deutschen Unternehmen möglich macht.

Der Comstage F.A.Z. Index UCITS ETF ist als Alternative zwar auch sehr attraktiv, hat aber bisher (zu Unrecht) nie große Aufmerksamkeit erlangt.

Das mag vielleicht auch am Namen liegen, unter dem sich sicher nicht jeder etwas vorstellen konnte.

Der Vanguard Germany All CAP UCITS ETF scheint mir da großes Potential zu haben und ich bin gespannt, wie er sich weiter entwickeln wird.

Mit einem ETF, lässt sich so nun sehr breit und kostengünstig in deutsche Aktienwerte investieren.

Sebastian Küps, Head of Vanguard in Deutschland und Österreich, fasst die Entwicklung so zusammen:

„Wir überprüfen bei Vanguard kontinuierlich unsere Produktpalette, um den Mehrwert für unsere Anleger zu optimieren. Mit der Benchmark-Umstellung können Anleger nun in den breiteren deutschen Aktienmarkt mit Titeln aus dem oberen, mittleren und unteren Kapitalisierungssegment investieren. Mit einer in einem einzigen Produkt gebündelten Abdeckung von etwa 95 Prozent des deutschen Aktienmarktes können Anleger unsere Philosophie einer möglichst breiten Diversifizierung auch praktisch umsetzen.“

Fazit

Besser als einen Vanguard DAX-ETF oder andere DAX-ETFs finde ich den Vanguard Germany All Cap UCTIS ETF durchaus.

Er ist kostengünstig und hat auch immerhin ca. 15% Mid (und Small) Caps dabei.

Als alleiniges Investment ist er wegen der hohen Konzentration auf Deutschland für mich nicht geeignet und auch der hohe Anteil der Top 10-Positionen gefällt mir nicht.

Aber hey, das ist für einen ETF auf deutsche Aktienwerte Meckern auf hohem Niveau.

Wer gerne in deutsche Aktienwerte investieren möchte und nicht ausschließlich auf den MDAX setzen will, sollte über diesen ETF nachdenken.

Wo ist der Vanguard Germany All CAP UCITS ETF sparplanfähig?

Genau wie zuvor der Vanguard DAX ETF ist der Vanguard Germany All CAP UCITS ETF weiterhin bei folgenden Depotanbietern sparplanfähig:

  • Comdirect
  • DKB
  • Scalable Broker
  • Onvista
  • flatex
  • 1822direkt

Beim neuen Scalable Broker musst Du in der Flatrate keine weiteren Sparplangebühren bezahlen.

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Doch auch das DKB-Depot in Verbindung mit dem kostenlosen Girokonto ist äußerst attraktiv: mit der aktuellen Sparplanaktion fallen derzeit lediglich 0,49€ (sonst 1,50€) pro Ausführung an.

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Aber noch einmal. In jedem Fall sollten deutsche Anleger nicht vergessen, dass sie sich mit diesem ETF ein nicht unerhebliches Klumpenrisiko ins Depot legen.

Wer in Deutschland arbeitet, hier voraussichtlich Rente beziehen wird und vielleicht auch eine Immobilie besitzt, sollte sich gut überlegen, ob er seine Aktienanlage alleinig oder stark auf Deutschland fokussieren will.

Eine breite Diversifikation ist wichtig. Punkt. Dann spricht für mich aber auch nichts gegen ein kleine Beimischung heimischer Werte.

Hier ist der Vanguard Germany All CAP UCITS ETF eine gute Wahl.

Als Fan von Small und Mid Caps würde ich aber vermutlich weiterhin einem ETF auf den MDAX den Vorzug geben.

Wie siehst Du das?

Auf Deine Kommentare und Anregungen freue ich mich bereits! Hinterlasse doch gerne eine kurze Nachricht und sag mir, was Du von dem Artikel hältst. Neben Lob und freundlichen Worten sind kritische Anmerkungen ebenfalls willkommen.Sie helfen mir dabei, den Artikel zu verbessern.

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8 Antworten zu “Vanguard Germany All Cap UCITS ETF – Der bessere DAX-ETF?”

  1. Hallo Yogi!

    Vorab: Dein Blog und Deine Anmerkungen gefallen mir wirklich sehr gut.

    Zu Deinem Posting: Ich finde sowohl die alte und neue Variante des ETF aus Anlegersicht nicht wirklich interessant. Wie Du schon schriebst: Fehlende ausreichende Diversifikation und die home bias-Problematik.

    Da gibt es mE. viel interessantere und solidere ETF.

    1. Lieber Martin, vielen Dank für Deinen netten Kommentar. Da hast Du vollkommen recht. Ganz egal ob Vanguard DAX-ETF oder Vanguard Germany All Cap-ETF, meiner Meinung nach sollten Anleger nicht nur auf so etwas bauen. Da muss erst Mal etwas Solides ins Portfolio. Wenn man dann noch seinen Home Bias etwas ausleben möchte, darf es meinetwegen auch ein kleines bisschen Germany All Cap oder vielleicht besser sogar MDAX sein. Es gibt/gab aber trotzdem immer wieder Anleger, die halt unbedingt einen DAX haben möchten. Da ist der Vanguard Germany All Cap UCITS ETF dann zumindest eine Spur besser, wie ich finde.
      Gruß, Rolf

      1. Hallo Yogi!

        Ich oute mich mal als großer Vanguard-Fan, vor allem des FTSE All-World. Wenn man sich einmal die Breite der Diversifikation und die Performance anschaut, dann fällt mir ehrlich gesagt kein vergleichbarer ETF auf deutsche Werte ein, der da mithalten kann.

        Natürlich kann man jetzt überlegen, ob sich da jetzt durch die DAX-Reform etwas verändert. Das haben ja bereits schlaue Leute durchgerechnet und sind da eher zum Nein gekommen.

        Was ich aber durchaus als These interessant finde, ob nicht nächstes Jahr die europäischen Werte deutlich besser laufen als die US-Werte. Ein sehr interessantes Video gibt es dazu von Markus Koch & Dr. Stephan, vgl. https://www.youtube.com/watch?v=AXRWPhnZCc

        Insofern würde ich, wenn ich denn entsprechend risikobereit bin, vermutlich eher auf ETF mit europäischen Aktien gehen und weniger auf den ETF S&P 500.

        Klingt plausibel, was die sagen, aber: Wer kennt schon die Zukunft?

        1. Hallo Martin, klar, einem All-World macht der Vanguard Germany All Cap UCITS ETF definitiv keine Konkurrenz. Das mit den europäischen Werten ist möglich. Es kann aber auch genauso anders herum sein und noch eine Weile dauern, bis Europa gegenüber den USA mal wieder die Nase vorne hat. Für die langfristige Geldanlage ist das ja eigentlich ziemlich egal. Ich habe ja nicht vor, nächstes Jahr zu verkaufen, sondern frühestens in 10-20 Jahren und da fährt man mit einem weltweiten Portfolio für mein Empfinden am Besten. Wie Du sagst: wer kennt schon die Zukunft? Denk Mal ein Jahr zurück. Wer hätte da die Corona-Krise vorhergesagt?
          Gruß, Rolf

        2. Haha, ja, klassischer Fall von: Aktiv investieren mit ETFs. Ich halte davon aufgrund der vorhandenen, wissenschaftlich gut analysierten Empirie und der sachlogischen Argumente absolut nichts. Aber jeder, wie er will 😉

  2. Besonders interessant, da mir neu, finde ich den Hinweis, dass der DAX 80 % der deutschen Marktkapitalisierung abdeckt. Das dürfte an unserer unterdurchschnittlich ausgeprägten Aktienkultur auch auf Unternehmensseite liegen: Viele Firmen wollen nicht an die Börse, die Anzahl der notierten sinkt sogar.

    1. @AlexJ: Ich kann nichts Kritisches daran erkennen, dass Unternehmen in Deutschland für sich die Finanzierungsvariante Aktien bislang weitgehend ausgeblendet haben. Es gibt ja zahlreiche große deutsche Player (z.B. Aldi oder Bosch), die gleichwohl sehr gut aufgestellt sind.

      Eine Platzierung an der Börse ist ja für Unternehmen nicht selten ein zweischneidiges Schwert.

      Zustimmen würde ich Dir aber aus Sparersicht. Hier sind wir noch Entwicklungsland. Gleichwohl muss man sagen, dass sich hier insbesondere dieses Jahr viel getan hat. Und in puncto Neo-Broker und Kosten-Reduzierung nimmt das Ganze gerade erst an Fahrt auf. Ich finde die Entwicklung sehr spannend und abwechslungsreich.

      Zumal wir, wie bereits in den USA durch Robin Hood & Co., auch in Deutschland einen stärkeren Einfluss von Privatanlegern in den nächsten Jahren sehen werden.

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