Faktor-ETFs sind anders: MSCI World ETF oder Faktoren?

Faktor-ETFs, MSCI World ETF und/oder MSCI Emerging Markets ETF. Sind Faktoren sinnvoll?

Willst Du beim Investieren auf Faktor-ETFs setzen oder interessierst Du Dich ganz allgemein für das Thema Faktoren? Was Du hier erfährst:
– Worauf lässt Du Dich ein, wenn Du auf Faktoren setzt?
– Inwiefern Verhalten sich Faktor-ETFs anders als z.B. ein MSCI World ETF?
– Warum es nicht reicht, einfach nur die historischen Durchschnittsrenditen von Assetklassen zu vergleichen?
– Bist Du in Eile? Dann spring doch einfach gleich zum Fazit.

Faktor-ETFs sind beliebt, aber auch umstritten. Sie versprechen Anlegern mehr Rendite als ein einfacher MSCI World ETF. Selbst nutze ich sie auch gerne, bin mir aber unsicher, ob man sie anderen empfehlen sollte? Wieso?

Mir scheinen Faktor-ETFs in erster Linie für erfahrene Anleger geeignet zu sein, die wissen, was sie tun. Genauer gesagt: die wissen, worauf sie sich da einlassen und es dann trotzdem tun.

Wenn Du für Deine Geldanlage auf Faktor-ETFs setzen willst, statt einen Plain Vanilla-ETF wie einen MSCI World ETF oder einen MSCI Emerging Markets ETF zu verwenden, dann gibt es da etwas, was Du unbedingt über Faktoren wissen solltest.

Dabei geht es gar nicht um die Frage, wie Faktoren im einzelnen genau funktionieren oder ob sie wirklich eine Mehrrendite versprechen. Das ist zwar auch wichtig, aber so weit will ich hier gar nicht in die Details gehen.

Wichtiger erschient mir eine ganz simple Sache: Faktor-ETFs sind anders als ETFs, die einen Markt ganz einfach mittels Marktkapitalisierung abbilden. Das bedeutet: sie verhalten sich auch ganz anders..

Faktor-ETFs sind Segen und Fluch zugleich, wie ich Dir in diesem Artikel zeigen will. Mir geht es hier aber nicht darum, jemandem Faktoren auszureden. Persönlich setze ich zum Beispiel auch auf Faktor-ETFs.

Bei der Geldanlage geht es ja um einen langfristigen Prozess. Ich finde, Du solltest da am Anfang sehr genau wissen, worauf Du Dich bei der Wahl eines bestimmten Investments einlässt und dieser Artikel versucht Dir dabei ein wenig zu helfen.

Von Indexfonds zu Faktor-ETFs

Der Siegeszug der passiven Indexfonds – und damit letztlich auch der Index-ETFs – gegenüber den aktiv gemanagten Fonds setzt sich seit Jahren ungebremst fort.

Die laufenden Kosten von Index-ETFs sind mittlerweile extrem niedrig. In den USA gibt es bereits erste Zero Fee ETFs, also ETFs mit einer TER von 0,00%. Diese ETFs haben also keinerlei laufende Kosten mehr.

Faktor-ETFs sind etwas teurer, versprechend dafür aber auch eine Mehrrendite. Böse Zungen behaupten daher, Faktor-ETFs seien ein geschickter Versuch der Fondsindustrie, gegenüber den Kunden höhere laufende Kosten zu rechtfertigen.

Das ist sicher nicht völlig falsch, aber die meisten Faktoren sind eigentlich gut etabliert. Die Preise der Faktor-ETFs werden ebenfalls immer günstiger, so dass kaum noch ein Unterschied besteht.

Etablierte Faktoren sind zum Beispiel Value, Momentum, Quality und Size. Sehr beliebt sind auch Dividenden-ETFs, wobei der Dividenden-Faktor eigentlich kein eigenständiger Faktor ist, sondern eine Mischung aus verschiedenen Faktoren.

Zusätzlich gibt es auch Multifaktor-ETFs, die mehrere Faktoren auf unterschiedliche Weise kombinieren. Sowohl Einzelfaktor- als auch Multifaktor-ETFs erfreuen sich bei Anlegern einer wachsenden Beliebtheit.

Mit Faktor-ETFs entscheidest Du Dich ganz bewusst nicht für einen ETF, der stur den Markt abbildet. Auch wenn den meisten Faktor-ETFs ein Index zugrunde liegt, ist das ein deutlich aktiverer Ansatz als ein marktkapitalisierungsgewichteter ETF.

Bei einem aktiv gemanagten Fonds sucht ein Manager Einzelwerte aus, mit denen er hofft, seinen Referenzindex zu schlagen. Auch der Faktor-Index, bzw. Smart Beta Index, wurde mit dem Ziel konzipiert, den Index zu schlagen.

Daher gibt es zahlreiche Diskussionen rund um das Thema, die zum Teil ideologisch sehr aufgeladen sind. Gerade beim Value-Faktor wurde zuletzt sogar behauptet, er seit tot, da er die letzten 10 Jahre keine Mehrrendite brachte.

Persönlich bin ich von Faktoren – insbesondere Small Cap Value – überzeugt. Der Knackpunkt liegt für mich aber ganz woanders. Es gibt einen simplen Grund, warum ich eher zurückhaltend wäre, anderen einen Faktor-ETF zu empfehlen.

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Faktor-ETFs sind anders als zum Beispiel ein MSCI World-ETF

Anders ist nicht immer besser

Wie eingangs erwähnt: Faktor-ETFs sind anders als zum Beispiel ein MSCI World-ETF. Doch was bedeutet das? Nun Bei einem Faktor-ETF setzt Du bewusst auf andere Werte als jene, die einen marktbreiten ETF ausmachen. Du bildest damit ganz bewusst nicht den Markt ab.

Du tust dies vermutlich, mit dem Ziel, eine Überrendite gegenüber dem Markt zu erhalten. Damit das funktionieren kann, muss Deine Rendite zwangsläufig anders als die des Marktes sein.

Mal davon abgesehen, ob diese Rechnung langfristig aufgeht, was bedeutet es kurzfristig für Dich? Nun, anders muss nicht immer besser sein. Kurz- bis mittelfristig kannst Du mit einem Faktor-ETF dem Markt auch hinterherlaufen.

Faktor-ETFs sind Langstreckenläufer und nicht explizit für den Sprint gedacht. Natürlich können sie auch kurzfristig eine Überrendite erzielen. Allerdings gibt es auch immer wieder, wie zuletzt bei Value, längere Phasen, wo das Gegenteil der Fall ist.

Wer auch immer auf Faktoren-ETFs setzen möchte sollte wissen: Phasen, in denen ein Faktor-Investment eine schlechtere Rendite als der Mark liefert, können auch 10-20 Jahre anhalten. Das ist nichts ungewöhnliches.

Wie fühlt sich das an, wenn Dein Faktor-ETF nicht läuft?

Faktor-ETFs können also auch schlechter performen als der Markt. Da stellt sich dann schnell die Frage: wie fühlt sich das für Dich an? Und wichtiger: wie reagierst Du darauf?

Es klingt ja zunächst sehr einfach und schön: Faktor-ETFs bieten Dir langfristig eine Überrendite gegenüber dem Markt. Sie sind wissenschaftlich etabliert. So sexy. Als moderne/-r Anleger/-in von Welt musst Du so etwas haben.

Was aber, wenn der Markt in einem Jahr 20% steigt und Dein Faktor-ETF dagegen an Wert verliert. Die Zeitungen sind voll von Berichten, wie toll dieses Jahr die Gewinne für Anleger an der Börse ausfallen. Alle Welt freut sich über die “beste Börsenphase” seit Jahren und Dein Depot ist nicht dabei.

Dann schaust Du in Dein Portfolio und denkst Dir vielleicht: “So ein Mist. Hätte ich doch nur einen günstigen MSCI World genommen.” Die Zweifel wachsen, je länger die Phase anhält.

Eine schlechte Phase im Depot lässt sich doch viel leichter ertragen, wenn Du weißt, dass es allen anderen Marktteilnehmern gerade genauso ergeht.

Ist es aber nur das eigene Portfolio, dass sich gerade im Abschwung befindet und alle anderen steigen, fühlt sich das einfach nicht gut an. Zweifel sind da ganz normal. In so einer Situation musst Du vom Konzept “Faktoren” wirklich überzeugt sein.

Es kann eben gut sein, dass ein einzelner Faktor erst Mal 10 bis 15 Jahre schlechter läuft als der Markt, bevor dann doch plötzlich das große Comeback kommt, die die langfristige Outperformance begründet.

Geht Dir erst der Glaube und dann die Geduld aus, nützt Dir die langfristige Outperformance reing gar nichts. Verkaufst Du zu früh, isst das Ganze sehr negativ für Deinen Anlageerfolg.

Wobei man Folgendes festhalten muss: auch wenn die Forschung das nahe legt, gibt es zu keinem Zeitpunkt eine Gewähr , dass sich der hervorragende Track Record eines Faktoren fortsetzt.

Vergangene Outperformance ist bekanntlich kein Garant für zukünftige Outperformance. Wer weiß? Vielleicht gelingt Value bald das große Comeback oder der Value-Faktor ist tatsächlich tot…

Beispiel Value-Faktor: MSCI USA ETF vs MSCI USA Value ETF

Schauen wir uns das praktisch an. Stell Dir vor, Du hättest 2015 mit dem Investieren begonnen. Damals standest Du vor der Entscheidung, ob Du einfach nur einen MSCI USA ETF nimmst oder einen MSCI USA Value ETF investiertst.

Du hast Dich für den MSCI USA Value ETF entschieden, weil Du an den Faktor Value glaubst und Dir davon eine Outperformance von 1-2% pro Jahr erhoffst.

Index201520162017201820195 Jahre10 Jahre
MSCI USA1,32%11,61%21,90%-4,5%31,64%6,55%10,50%
MSCI USA Value-1,94%16,87%15,37%-7,18%25,73%3,04%7,89%
Tabelle A; Quelle: MSCI Index-Broschüren ,Stand 15.4.2020

Wie lief das für Dich? Schauen wir uns die “Outperformance” Deines MSCI Value ETFs an. Tja. Bis auf das Jahr 2016 war das leider nichts. Auf fünf Jahre liegt der einfache MSCI USA ETF bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 6,55%.

Damit schlägt er Deinen MSCI USA Value ETF um ca. 3,5% pro Jahr. Auf 10 Jahre sind es immerhin etwas mehr als 2,5% Vorsprung. Ähm. Das lief jetzt aber gar nicht wie geplant. Deine Freunde aus dem Börsenchat machen sich schon lustig über Dich.

Hand aufs Herz. Wie fühlst Du Dich nun? Kommen Dir Zweifel? Wirst Du weiterhin an Deiner Value-Strategie festhalten? Ist es nicht Zeit, auf einen normalen MSCI USA ETF umzusteigen?

Du hast Dich für den MSCI USA Value entschieden, weil Du an den Faktor Value geglaubt hattest. Du dachtest, er liefert Dir eine Outperformance von 1-2% pro Jahr.

Immer wieder gibt es nun Berichte und Essays geben, die erklären, warum der Value Faktor tot ist. Die Enttäuschung und der wachsende Zweifel ist verständlich.

Tatsächlich kann ich mich da gut hinein versetzen. Mein eigenes Portfolio ist nämlich auch stark in Richtung Value, insbesondere Small Cap Value, ausgerichtet.

Da sieht es aktuell nicht so gut aus. Die letzten Jahre liefen nämlich große Growth-Werte in den USA hervorragend. Der Small Cap-Faktor läuft daher die letzten Jahre ebenso hinterher wie der Value Faktor. Über Small Cap Value brauchen wir da also gar nicht erst reden.

Wenn Du nicht auf einen Standard-ETF wie einen S&P 500-ETF oder einen MSCI World-ETF setzt, dann brauchst Du gegebenenfalls einen sehr langen Atem.

Anders sieht es aus, wenn Du die Small Caps z.B. mit einem IMI-ETF abdeckst. Wie ich früher bereits schrieb, ist der Small Cap-Anteil in derartigen ETFs, die die Small Caps nach Marktkapitalisierung gewichten, viel zu gering, um einen echten Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen.

Beispiel Political Risk-Faktor: MSCI World ETF vs MSCI Emerging Markets

Abgesehen von den offensichtlichen Faktoren, gibt es einen Faktor, der etwas unter dem Radar fliegt: der Political Risk Faktor. Das hat teilweise schon fast etwas Lustiges.

In Foren begegnen einem manchmal Leute, die Faktoren kategorisch ablehnen. “Das ist alles kein passives Investieren mehr!” Sie setzen aber auf den Standard: 70% MSCI World und 30% MSCI Emerging Markets.

Okay. Ohne sich dessen bewusst zu sein, betreiben sie damit aber auch Faktor-Investing. Mit der Übergewichtung ihres MSCI Emerging Markets-ETF setzen sie schließlich ganz auf den Political Risk-Faktor.

Wenn Du Dir die Tabelle unten ansiehst, merkst Du sehr schnell, dass es sich beim MSCI Emerging Markets sehr ähnlich verhält wie bei anderen Faktoren. Die Outperformance kann auch hier über längere Zeit ausbleiben.

Index201520162017201820195 Jahre10 Jahre
MSCI World-0,32%8,15%23,07%-8,20%28,40%3,83%7,17%
MSCI Emerging Markets-14,60%11,60%37,75%-14,24%18,88%0,01%1,04%
Tabelle B; Quelle: MSCI Index-Broschüren, Stand: 16.4.2020

Viele Anleger sind von der mageren Performance des MSCI Emerging Markets während der letzten 5-10 Jahre frustriert.

So hört man in Foren in der letzten Zeit immer wieder Aussagen, dass ein Investment in den MSCI Emerging Markets nicht sinnvoll sei. Die Emerging Markets würden überschätzt.

Solche Aussagen mag ich jetzt gar nicht inhaltlich bewerten. Mir geht es hier ja um etwas anderes. Meinen Punkt verdeutlicht das sehr schön: Faktoren-ETFs sind anders und verlangen von Anlegern zeitweise auch einiges an Leidensfähigkeit. Dies gilt auch für ein Investment in den MSCI Emerging Markets.

Faktor-ETFs, Durchschnittsrendite und Anlagehorizont

Wenn von Faktor-ETFs die Rede ist, vergleichen die meisten einfach die historischen Durchschnittsrenditen. Da wird betont, der ETF auf den Faktor XY böte historisch eine Rendite, die um soundsoviel höher sei als ein Plain Vanilla-ETF.

Da sieht man dann Tabellen wie die Folgende:

IndexHistorische Rendite von 1988-2014 (inflationsbereinigt)
MSCI World5,9% p.a.
MSCI World Value6,5% p.a.
MSCI Global Small Caps7,5% p.a.
MSCI Emerging Markets9,6% p.a.
Tabelle C; Quelle der Daten: Souverän investieren (4, Auflage) Gerd Kommer.

Okay. Schon sind wir wieder in der heilen Welt der Faktoren. Value schlägt Blend. Klein schlägt groß. Political Risk zahlt sich aus. Alles langfristig, wohlgemerkt. Mit diesen Aussagen bin ich ja prinzipiell einverstanden.

Auch ich verspreche mir von Faktoren langfristig eine höhere Rendite. Zur Wahrheit gehört aber auch: Du triffst die Durchschnittsrendite im echten Leben nur selten an.

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Wenn Du Dir die Tabellen A und B weiter oben ansiehst, dann schwanken alle Werte wild herum und rangieren selten um den Bereich historischer Durchschnittsrenditen, wie immer die genau aussehen mögen.

Die historischen Durchschnittsrenditen Deiner Faktor-ETFs, aber auch die der Plain Vanilla-ETFs, nähern sich nur selten historische Durchschnittsrendite an. Dies geschieht nur in einzelnen Jahren. Meistens sind die Abweichungen groß.

Stattdessen erlebst Du eine Achterbahn der Renditen und damit auch eine Achterbahn der Gefühle. Gerade bei Faktoren-ETFs, auch bei ETFs auf den MSCI Emerging Markets, können die Ausschläge in beide Richtung besonders groß sein.

Sollte Dein Anlagehorizont bei Aktien-ETFs mindestens 10 bis 15 Jahre betragen, würde ich bei Faktor-ETFs eher 20 bis 25 Jahre ansetzen, um auf der sicheren Seite zu sein. Dann besteht eine Chance, den Index tatsächlich zu schlagen.

Wenn Du einem Faktor-ETF Dein Ja-Wort gibst, triffst Du also eine sehr weitreichende Entscheidung. Du musst daran glauben. Du musst wirklich von Faktoren überzeugt sein.

Darum prüfe wer sich ewig bindet, …

Es reicht nicht aus, dass Konzept “Faktoren” einfach nur zu mögen, wenn Du Dein Geld langfristig in Faktor-ETFs anlegen willst. Du bist dann quasi mit Deinen Faktor-ETFs verheiratet.

Streng betrachtet ist es sogar mehr als eine Hochzeit, denn eine durchschnittliche Ehe dauert in Deutschland zurzeit ja gerade einmal ca. 15 Jahre. Mit Faktor-ETFs solltest Du es schon länger aushalten können.

Fazit

Fassen wir zusammen: Faktoren sind anders. Ein Faktor-ETF beinhaltet anderer Werte als sein Pendant auf das zugrundeliegende Auswahluniversum. Das gilt auch für ETFs wie den iShares MSCI Quality Dividend– oder den VanEck Vectors Global Equal Weight-ETF.

Daher weicht ein Faktor-ETF auch bei der Rendite vom Referenzindex ab. Das ist ja auch gewollt und Du hast einen Faktor-ETF vermutlich gerade wegen der höheren historischen Durchschnittsrendite ausgesucht.

Hohe Durchschnittsrenditen sind schön, doch die erlebst Du bei den verschiedenen Anlageklassen nur selten. Es ist gut möglich, dass ein Faktor-ETF einem Standardindex Jahrzehnte lang hinterherhinkt, bevor die Outperformance kommt..

Solche Durststrecken musst Du aushalten können und das geht nur, wenn Du wirklich von der Sache überzeugt bist. Ein bisschen oberflächliche Begeisterung reicht hier nicht aus, damit Du dem Faktor-ETF treu bleibst, in guten wie in schlechten Zeiten.

Ohne den richtigen Hintergrund, läufst Du Gefahr, Deinen Plan vorschnell umzuwerfen. Was, wenn Dein die Faktoren dann ausgerechnet dann ihr Comeback feiern, nachdem Du zu einem ETF zurück gewechselt bist, der nach Marktkapitalisierung gewichtet?

Um es mit John Bogle zu sagen:

“The greatest enemy of a good plan is the dream of a perfect plan.” Stick to the good plan.

“Der größte Feind eines guten Planes ist von einem perfekten Plan zu träumen.” Halte am guten Plan fest.

Das kleine Handuch des vernünftigen Investierens* (Little Book of Common Sense Investing), 161.

Für mich ist daher klar: Faktoren sollten nur Anleger verwenden, die wissen was sie tun. Als Standard-Anlageprodukte für Neuanleger finde ich sie nicht ideal. Das gilt, bedingt auch für MSCI Emerging Markets ETF.

Vertiefende Lektüre:
Kapitel 16 “Indexfonds, die versprechen, den Markt zu schlagen. Das neue Paradigma”, in: Das Kleine Handbuch des vernünftigen Investierens, John C. Boogle*
Your Complete Guide to Factor-Based Investing: The Way Smart Money Invests Today, Larry Swedroe (Englisch)*

Auf Deine Kommentare und Anregungen freue ich mich bereits! Hinterlasse doch gerne eine kurze Nachricht und sag mir, was Du von dem Artikel hältst. Neben Lob und freundlichen Worten sind kritische Anmerkungen ebenfalls willkommen. Sie helfen mir dabei, den Artikel zu verbessern.

Bist Du von Faktor-ETFs überzeugt? Willst Du Faktoren Dein Ja-Wort geben? iShares Faktor-ETFs kannst Du übrigens bei Trade Republic dauerhaft kostenlos besparen:

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6 Antworten zu “Faktor-ETFs sind anders: MSCI World ETF oder Faktoren?”

  1. Jaja, die Faktoren. Ist das noch passiv, oder schon tatenloses aktives investieren? 😀

    Meine Problem damit sind im wesentlichen drei:

    1) die Beständigkeit von Faktoren. Wird der Faktor wegarbitriert sobald ein gut funktionierender ETF diesen konsequent abarbeitet?

    2) die Abbildbarkeit der Faktoren. Nach der strengen Lehre müsste man für die volle Ausnutzung der Faktorprämien den “gegenpart” (Growth Aktien Value Aktien, Large Caps Small Caps, positves Momentum negatives Momentum) shorten. Das dürfen ETF aber nicht (zum Glück?!). Damit hat man maximal die halbe Faktorprämie, die man abgreifen kann. Und so richtig überzeugen mich die Kriterien der “komplexeren” Faktoren (Value, Quality) nicht, im Sinne von ETF drauf und passt. Das ist für mich ähnlich willkürlich seitens des Indexanbieters wie nachhaltige ETF.

    3) die Verfügbarkeit von Faktor-ETF. EM ETF sind Standard (wobei der “politocal risc Faktor” ja auch stark diskutiert wird, Kommer sieht ihn inzwischen nicht mehr als solchen an), Small Cap ETF findet man auch noch einige, aber spätestens bei Multifaktor-ETF und EM Faktor ETF wird die Palette sehr dünn, wenn überhaupt vorhanden.

    Nichts desto trotz setze ich auch auf Faktoren und zwar auf die, die mir am plausibelsten erscheinen. Rendite kommt von Risiko, EM Aktien sind durch die politischen Verhältnisse tendentiell riskanter und sollten daher (im langfristigen Mittel) rentabler sein. Gleiches sehe ich für kleine Aktien.
    Auch wenn es Meinungen gibt, dass die Small Cap Prämie tot ist, möchte ich Small Caps schon aus “Vollständigkeitsgründen” im Depot haben. Diese “Wette” gegen Small Caps (klassisches World/EM Portfolio) missfällt mir genau so.
    Ich habe für mich entschieden, political risc und small caps etwa mit Faktor 2 ggü. Marktkapitalisierung überzugewichten. Damit ergibt sich für mich eine Aufteilung von 55% World, 25% World Small Caps, 20% EM IMI. Small Caps sind wie gesagt hauptsächlich für die “maximal mögliche” Diversifikation da. Wenn es irgendwann mal einen World IMI ETF gäbe würde ich vielleicht auf die Übergewichtung von World Small Caps verzichten und auf 2 ETF reduzieren.

    1. Danke für Deinen schönen Kommentar. Wie erwähnt, wollte ich ja nur auf einen Aspekt von Faktoren eingehen. Der kommt ja bei den eher technischen Diskussionen oft etwas kurz.

      Ich mache es ähnlich, gewichte Small Cap Value allerdings derzeit stark über, werde das aber mit der Zeit anpassen.

      “Tatenloses aktives investieren” finde ich super. Den Ausdruck werde ich mir Mal bei Gelegenheit ausleihen. 😉

      Gruß, Rolf

      1. natürlich, leih aus soviel du möchtest 🙂

        Meine Beiträge sind auch eigentlich nie als Kritik gedacht, ich finde deine Artikel super! Insbesondere auch als Denkanstoß für mich. Und wenn ich dann meine, meine Meinung zu dem Thema müsste mal schriftlich festgehalten werden nutze ich die Kommentarfunktion 😉 😀

  2. Moin Rolf,

    angenommen, die naechsten Jahre sind auch noch “schlecht” fuer deine Faktor-Strategie, wann wuerdest du etwas aendern/umkippen in Richtung Marktkapitalisierungsgewichtung?
    a) nach 5 Jahren?
    b) nach 10 Jahren?
    c) nie?
    (zum Glueck traefe es ja keinen Armen 😉 also Luxusproblem?)

    Die Krux ist ja, jeder Investor hat einen bestimmten, persoenlichen Investmentpfad (Investieren + Entsparen). Wenn gerade die “Faktoren” in dieser Zeit nicht so wollen wie du willst, wenn du das meiste Geld am Markt hast (so zwischen Alter 50 und 70 Jahren?), dann ist halt renditetechnisch Pech und das Rad zurueckdrehen/Minder-Rendite aufholen kann man nicht. Oder?

    LG Joerg

  3. Du hast absolut recht: Man muss zuerst an seine Strategie glauben. Denn sonst hält man sie nicht durch, und dann ist oft der Worst Case, dass zu den ungünstigsten Zeitpunkten das Handtuch geworfen wird. Streng genommen ist übrigens auch die Marktkapitalisierung (anders als die klassische Gleichgewichtung) ein Faktor, der in den “normalen” ETFs zum Tragen kommt. Welche Faktoren auf Dauer wirklich entsprechende Risikoprämien bringen, darüber streitet sich die Forschung natürlich. Aber sinnvoll sind Faktoren aus meiner Sicht schon allein wegen der zusätzlichen Diversifikation. Andernfalls würde man stets eine implizite “Momentum-Wette” im Rahmen der Gewichtung nach Marktkapitalisierung eingehen, was wiederum ebenfalls einseitig ist. Übrigens ist die zu erwartende Small-Cap-Prämie per März auf historischem Hoch! Und auch Emerging Markets sind wieder interessant, da deren Bewertung nahe am Buchwert liegt und das relative Abwärtspotenzial anders als etwa bei US-Aktien deshalb niedriger ist. Ich erwarte, dass diese Bewertungszyklen früher oder später wieder drehen.

    1. Hallo und vielen Dank für Deinen Kommentar, dem ich voll und ganz zustimme. Da die Marktkapitalisierung natürlich meist die Benchmark ist, mit der alles verglichen wird, braucht es bei der Verwendung von marktkapitalisierten ETFs halt wohl einfach etwas weniger Glaube. Bei der zu erwartenden Small Cap-Prämie muss man natürlich immer noch vorsichtig sein. Es kann ja trotzdem erst einmal so weiter gehen, aber bei einer langfristigen Ausrichtung bin ich auch eher optimistisch.

      “Marko Momentum”, das ist Mal ein echt cooler Name für Deine Webseite! Vielleicht hätte ich meinen Blog “Rendite Rolf” nennen sollen. 😉
      Gruß, Rolf

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